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Befürworter wollen auch touristischen Aspekt fördern

200 Unterschriften für Telekomstraße

Monika Schmidt / 10.08.2013, 04:38 Uhr
Eberswalde (MOZ) "Mehr Wirtschaftskraft und Lebensqualität für Eberswalde und den Barnim", damit werben inzwischen mehr als 200 Unterschriften für den Ausbau der Telekomstraße. Jetzt gab es dazu auch ein Treffen auf dem Flugplatz.

Holger Kalinka von Kapi electronics hatte sich schon bei vorangegangen Treffen als einer der Verfechter der Telekomstraße bekannt. So war es nur logisch, dass er in der knapp zweistündigen Runde mit nahezu 50 Teilnehmern die Moderation übernahm. "Die Straße muss nicht neu erfunden werden, sie existiert schon. Ich kann mir vorstellen, die Tonnage und Geschwindigkeit zu begrenzen. Das macht die Verbindung zwischen Eberswalde und Biesenthal nicht nur für Autofahrer attraktiv, sondern auch für Radfahrer, Skater und Jogger", warb er bei Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen (CDU) sowie Vertretern von Parteien, der Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer um weitere Unterstützung.

Es geht um rund 6,6 Kilometer, die Eberswalde mit Biesenthal verbinden. 1,4 Kilometer davon liegen auf der Gemarkung der Nachbarstadt, gute 5 Kilometer auf Eberswalder Gebiet. "Die SPD-Fraktion hat Ende vergangenen Jahres den Antrag eingebracht, die Straße wieder befahrbar zu machen, das so kostengünstig wie möglich", erklärte Ringo Wrase, Vorsitzender der Finower SPD-Ortsvereins. Götz Trieloff, Fraktionsvorsitzender der FDP/BFB in der Stadtverordnetenversammluing, begrüßte die Initiative der Unternehmer, regte zugleich an, die Bürgerinitiative gegen den Ausbau der Telekomstraße an den Tisch zu holen. Eine Lösung gebe es nur im Konsens und der werde vermutlich einen langen Atem brauchen.

Das wollte Jens Koeppen nicht unwidersprochen stehen lassen. "Verkehrsadern sind Lebensadern. Die Verbindung nach Biesenthal kann mit wenig Aufwand zu einer funktionierenden Straße gemacht werden. Ich halte das Projekt für sinnvoll. Wenn wir es auf die lange Bank schieben, wird es nichts", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Natürlich sei es wichtig, auch die Kritiker mitzunehmen. 200 Unterschriften seien aber ein gutes Argument. "Ich bin bereit, Türen zu öffnen und wünsche mir, dass alle an einem Strang ziehen", fügte er hinzu.

"Die Telekomstraße ist auch für Finowfurt von Bedeutung. Mit dem Bau der Photovoltaikanlage sind große Teile einer kürzeren Verbindung zur Stadt abgeschnitten. Das hat auch das Luftfahrtmuseum, das im Jahr rund 80 000 Besucher zählt, hart getroffen", machte Peter Kobbe, Leiter der Einrichtung, deutlich. "Die Straße ist schon fast ein Politikum. Das ist jetzt der dritte Anlauf, den ich erlebe. Wenn wir es jetzt nicht packen, machen wir uns vor den Bürgern lächerlich."

Andreas Bergener von der Biesenthaler SPD bekannte sich gleichfalls als glühender Verfechter der Telekomstraße. "Wir sollten aber nicht allzu sehr nur den gewerblichen Vorteil der Verbindung sehen, sondern auch den touristischen Aspekt. Wir haben die schönsten Ecken vor der Haustür und kommen nicht hin. Die Straße liegt an einem wunderschönen See, ideal für Ausflügler", so Bergener. Statt diese Vorzüge für die Bürger zu erschließen, werden von den Gegnern Ängste geschürt, mit denen der Eindruck vermittelt werden soll, die Verbindung nach Biesenthal könnte zur Entlastungsstrecke für die Autobahn werden. Dabei gehe es um nichts anderes als eine Verbindung, wie sie zwischen Ladeburg und Lobetal schon existiert", wollte er klargestellt wissen.

"Finow war einst eine reiche Stadt und ist inzwischen in die Bedeutungslosigkeit gefallen. Eine bessere Verbindung zwischen Ober- und Niederbarnim bringt mit Sicherheit viele Synergieeffekte für Wirtschaft, Handel und Kultur und obendrein eine Stadtteilentlastung", warb auch Optikermeister Dietmar Ortel für die Wiederinbetriebnahme der einstigen Handelsstraße.

Die Telekomstraße beschäftigt Eberswalde und die Nachbarstadt Biesenthal nunmehr seit mindestens acht Jahren. 2005 gab es auch einen Kreistagsbeschluss, die Verbindung auszubauen. Ein Drittel der damals errechneten Kosten wurden daraufhin in den Kreishaushalt eingestellt. 2010 folgte eine Umstufungsvereinbarung, unterschrieben vom Landkreis, der Stadt Eberswalde, Biesenthal und der Gemeinde Schorfheide, in der sich das Land verpflichte, die nutzbare Fläche bis zur Umstufung nach dem Bau der B167 neu instandzuhalten, ließ Karl-Heinz Neu von der Biesenthaler SPD-Stadtfraktion die jüngste Geschichte kurz Revue passieren.

Zu einer Beratung hatten sich auch die Gegner des Straßenausbaus zusammengefunden, dies allerdings hinter verschlossener Tür. Zu einem öffentlichen Thema wird die Telekomstraße wieder am 10. September im Bauausschuss. Dort wird die Stadt das Ergebnis der Gutachten vorlegen.

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Paul Berger 16.08.2013 - 10:41:21

4,5 Millionen Euro sind Peanuts?

Die Stadt Eberswalde ist ja kaum in der Lage die jährlichen Verluste des Freizeitbades baff auszugleichen. Wo soll denn dann das Geld herkommen, diese Straße, welche so gut wie keinen wirtschaftlichen Benefit bringt, auszubauen. "Die Straße muss nicht neu erfunden werden, sie existiert schon. Ich kann mir vorstellen, die Tonnage und Geschwindigkeit zu begrenzen. Das macht die Verbindung zwischen Eberswalde und Biesenthal nicht nur für Autofahrer attraktiv, sondern auch für Radfahrer, Skater und Jogger" Wer kontrolliert die Geschwindigkeits- und Tonnagebegrenzung regelmäßig? Um sie für Autofahrer attraktiv zu machen müsste eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70km/h od. 80km/h vorhanden sein, damit ist sie aber für Skater und Radfahrer absolut unattraktiv, denn hierfür dürfte die Geschwindigkeitsbegrenzung bei nur 30km/h liegen, damit ist die Straße aber für Kfz unattraktiv. Hier beißt sich mal wieder die Katze selbst in den Schwanz. Die Zeit als Finow eine reiche Stadt war muss aber schon lange her sein, da hatten wir sicher noch einen Kaiser und Finow hieß noch Heegermühle.

Janosch Denke 12.08.2013 - 08:09:45

4,5 Mio. € sind doch Peanuts

@Müller 4,5 Mio. € sind doch Peanuts für den Sinn, den die Straße erfüllen würde. Warum kritisieren Sie nicht die in Fertigstellung befindliche Eberswalder Stadtpromenade? Die kostet die gleiche Summe, erfüllt aber im Gegensatz zur Telekomstraße gar keinen wirtschaftlichen Zweck und ist auch sonst "für die Füße".

Hans - Jürgen Müller 10.08.2013 - 15:34:31

Braucht Eberswalde eine Straße nach Biesenthal?

Antwort auf die Idee der Initiativgruppe von Unternehmern zum Ausbau der „Telekomstraße „nach Biesenthal Auch wenn mich diese Straße nicht direkt betrifft ein paar Worte dazu. Die Stadtfraktion der SPD brachte die Wiederbefahrbarmachung dieser Straße in der Beschlussvorlage 892/12 im Dezember 2012 in die Stadtverordnetenversammlung ein. Diese Vorlage wurde in den Ausschuss für Bau Planung und Umwelt (ABPU) zurück verwiesen. Nach langer Diskussion einigten sich die Ausschussmitglieder darauf, das Baudezernat zu beauftragen eine Untersuchung unter folgenden Gesichtspunkten zu führen: Ausbau der Straße, entwidmen der Straße – sie ist zur Zeit immer noch eine Landesstraße, Bau einer Fahrradstraße oder Bau eines Radweges. Im September 2013 werden die Ergebnisse im ABPU vorgelegt. Im Verkehrsentwicklungskonzept der Stadt Eberswalde wurde darauf hingewiesen, dass diese Straße nicht benötigt wird. Außerdem schneidet die eventuell wider entstehende Straße das 2227 ha große Flora – Fauna – Habitat (FFH) 218 Finowtal – Pregnitzfließ. Das FFH – Gebiet ist naturschutzrechtlich geschützt als Landschaftsschutzgebiet. Hier findet man Orchideen, Laichkräuter, Baummarder und den Moorfrosch. Deshalb sollte diese Straße nicht ausgebaut werden. Von den Ausbaukosten die meiner Schätzung nach rund 4,5 Millionen Euro kosten könnten will ich gar nicht weiter reden. Was sagen die Anwohner dazu? – Die sind bestimmt überwiegend nicht dafür! Hans – Jürgen Müller Sachkundiger Einwohner im ABPU

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