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Teilnehmer und Veranstalter trotzen bei 61. Werbellinseeregatta am Wochenende Unwetter

Segler kämpfen gegen Welle und Sturmböen

Toralf Reinhardt / 12.08.2013, 21:55 Uhr - Aktualisiert 13.08.2013, 08:38
Eberswalde (MOZ) Im unmittelbaren Vorfeld der German Open 2013 der 20er Jollenkreuzer fand bereits am Wochenende mit der diesjährigen, vom SV Stahl Finow organisierten 61. Werbellinseeregatta ein Segelwettbewerb auf höchstem Leistungsniveau und unter zum Teil außergewöhnlichen Bedingungen statt.

Insgesamt 202 Segler - das bedeutete Teilnahmerekord - aus 66 Vereinen aus Deutschland und der Schweiz traten in 89 Booten und vier Klassen gegeneinander an und ermittelten dabei in den Bootsklassen Pirat und XY-lon zugleich die Brandenburger Landesmeister. Die hohe Teilnehmerzahl resultierte zum einen aus der Landesmeisterschaft, zum anderen aus der Tatsache, dass bereits 24 Jollenkreuzer mit jeweils drei Mann Besatzung angereist waren, um im sportlichen Wettstreit das Revier und die aktuelle Form der Gegner vor den Open kennenzulernen.

89 Boote in vier Klassen gingen bei der 61. Werbellinsee-Regatta des SV Stahl Finow an den Start. Das Gewitter am Samstag Nachmittag brachte mehrere Boote zum kentern.
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61. Werbellinsee- Regatta

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Nach der Eröffnung durch den stellvertretenden Abteilungsleiter Segeln Mario Drechsler, sollte es deshalb am Samstag auch schnell aufs Wasser gehen. Doch zum Verdruss der Sportler fehlte zunächst der nötige Wind, und Wettfahrtleiter Olaf Winkelmann verfügte erst einmal "Startverschiebung an Land".

Gegen 11 Uhr begann der Wind dann jedoch etwas stärker zu wehen. Entsprechend konnten die Bojen für den Kurs gelegt werden und um 12 Uhr erfolgte der erste Start der 20er Jollenkreuzer sowie in Fünf-Minuten-Abständen der übrigen Bootsklassen XY-lon, Pirat und 420er.

Bei eigentlich eher schwachen ein bis drei Windstärken und leicht pendelnder Richtung kamen fast alle Boote gut über den Kurs. Nur ein 20er Jollenkreuzer kenterte offenbar in einem Moment der Unaufmerksamkeit und musste aufgrund der langwierigen Bergungsmaßnahmen aufgeben.

Gesegelt wurde der traditionelle, sogenannte "Olympische Kurs" aus Dreieck-Schleife-Dreieck, der den Bedingungen des Sees am besten angepasst ist. Dabei wurde in der ersten Wettfahrt der langsamsten Klasse, den 420ern, das Schlussdreieck erlassen. In der folgenden zweiten Wettfahrt wurde dies auch bei den Piraten notwendig.

Aufgrund des tendenziell eher nachlassenden Windes hatte der Wettfahrtleiter zudem den gesamten Kurs auf dem See mehrere Hundert Meter weiter in Richtung Altenhof verlegt und zudem etwas seitlich gedreht. Dennoch war die Gesamtstrecke, insbesondere für die Klasse der XY-lon sehr lang, fast hätte es kein Boot in der vorgegebenen Richtzeit von 90 Minuten bis ins Ziel geschafft. Letztlich rettete ein Auffrischen des Windes die Wettfahrtwertung.

Doch das Auffrischen war Vorbote einer von Westen in kurzer Zeit heranziehenden Gewitterfront aus Donner, Regen und Starkwind. Der Wind frischte nun binnen weniger Minuten auf fünf bis sechs Stärken mit Böen bis Windstärke Sieben auf und entsprechend entwickelte sich dazu eine Welle aus West. Diese Wand aus Wind führte unmittelbar zur Kenterung von sieben Booten, darunter einem weiteren 20er Jollenkreuzer. Das Schweizer Boot, das kurz zuvor noch durchs Ziel gegangen war, befand sich dabei kurz vor dem Südostufer des Sees und konnte deshalb erst unter vielen Schwierigkeiten nach dem Abwettern und einer vorübergehenden Sicherung durch Motorboote vor Ort wieder geborgen werden.

Dramatisch war es auch ander Ziellinie, wo die Welle die Verankerung des Zielschiffes aus dem Grund gerissen hatte. Nun drohte das Zielschiff unmittelbar auf einen, auf der Ziellinie gekenterten 420er zuzutreiben. Die Unterstützung durch ein Schlauchboot am Bug des Schiffes reichte nicht, um die Situation zu stabilisieren. Damit nicht genug: Als der Kapitän es mit eigener Motorleistung versuchte, wickelte sich auch noch die Leine des Heckankers um die Motorschraube des Zielschiffes. Erst der Einsatz des Skippers unter Wasser mit einem Messer verbesserte die Manövrierbarkeit des Zielschiffes.

Die Crew indes hatte trotz aller Umstände die Übersicht bewahrt und alle Zieleingänge bei nur zwei kleineren Fehlern weitestgehend korrekt vermerkt, sodass die Wertung in allen vier Klassen erfolgen konnte.

Nach der Gewitterfront allerdings flaute der Wind dann jedoch total ab: An eine weitere Wettfahrt war am Samstag nicht mehr zu denken. Die meisten, auch die gekenterten Boote, schafften es noch aus eigener Kraft in den Hafen. Neben dem Schweizer Team musste lediglich eine Xy-lon durch die Bergungscrew um Wulf Klünder und Frank Bernau geborgen werden. Die Sportfreunde von Einheit Werder waren vor Altenhof so ungünstig gekentert, dass ihre Mastspitze dort im Seeboden feststeckte. Durch die professionelle Vorbereitung und das gute Zusammenspiel aller Betreuungsboote waren jedoch keine Personenschäden und auch nur geringe Sachschäden zu verzeichnen.

Unter wesentlich stabileren Windverhältnissen folgten am Sonntag auf verkürzten Kursen die restlichen Wettfahrten. Der Wind, der zeitweise auf vier Stärken aufgefrischt hatte, reichte diesmal für alle vier Klassen, um in Normzeit und unter Normbedingungen beide Kurse zu absolvieren.

Dabei setzte sich erwartungsgemäß das Berlin-Mecklenburger-Team um Doppel-Olympia-Segler Thomas Flach (mit Sven Diedering und Harald Schaale als Vorschoter) in der Klasse der 20er Jollenkreuzer durch. Mit einem dritten Platz und drei Siegen übernahm die Crew auch die Favoritenrolle für die kommenden German Open.

Die beste Serie aber wurde durch die sächsische 420er Besatzung Paulina und Richard Struthoff (Verein Lausitzer Seenlandschaft) gesegelt, die in allen vier Läufen siegten, jeweils unmittelbar vor dem besten Brandenburger Team Nieklas Fiedler und Alexander Petzold vom Schwielochsee. Beste Finower waren hier Lukas Wiese und Vorschoter Hans Reinhardt auf Platz 5.

Bei den Piraten dagegen holte sich Christopher Jantz von Stahl Finow gemeinsam mit Daniel Salewski vom Schwielochsee den Gesamtsieg und damit die Landesmeisterschaft. Gemeldet waren hier 29 Boote. Elfter in dieser Klasse wurde der langjährige Regatta-Teilnehmer Bruno Martens aus Mecklenburg-Vorpommern, der sich in diesem Jahr nach seinem 80.Geburtstag vom Regattasegeln lossagen will und nach der Ehrung von allen Piraten mit einem Stahl-Vereinswimpel verabschiedet wurde.

Gesamtsieger und Landesmeister in der Klasse XY-lon wurden bei 20 gemeldeten Booten erneut Steffen Rach und Antje Weichert vom SC Krüpelsee.

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