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Gedenkfeier für Nazi-Opfer Franz Jägerstätter

Pfarrer Alfons Einsiedl aus Oberösterreich verlas den letzten Brief Jägerstätters an seine Familie - er schrieb ihn Stunden vor seiner Hinrichtung. Foto: Rißling
Pfarrer Alfons Einsiedl aus Oberösterreich verlas den letzten Brief Jägerstätters an seine Familie - er schrieb ihn Stunden vor seiner Hinrichtung. Foto: Rißling © Foto: mzv
Philip Rißling / 14.08.2013, 09:42 Uhr
(MOZ) Mit einer Gedenkfeier in der Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden haben am Freitag Vertreter des Landes Brandenburg, der österreichischen Botschaft undder Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Franz Jägerstätter geehrt. Der aus Österreich stammende gläubige Christ Jägerstätter hatte sich geweigert, im Zweiten Weltkrieg Dienst an der Waffe zu leisten und wurde von einem Gericht wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt. Am 9. August 1943 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. 2007 sprach ihn die katholische Kirche selig.

Der eigens aus Oberösterreich angereiste Pfarrer Alfons Einsiedl verlas im Rahmen der Veranstaltung in der Gedenkstätte der Justizvollzugsanstalt - dem ehemaligen Hinrichtungstrakt - den letzten, bewegenden Brief Jägerstätters an seine Familie, den er nur wenige Stunden vor seiner Hinrichtung verfasste. Allein der Inhalt des Schreibens machte deutlich, mit welchem Mut, Widerstand gegen das Schreckensregime zu leisten, Franz Jägerstätter den Nationalsozialisten gegenüber trat. „Dies unterschied ihn von der großen Masse“, würdigte auch Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski den Landwirt. „Franz Jägerstätter traf seine Entscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, als Einzelner, unabhängig und gegen alle Autoritäten - und hielt bis zu seinem letzten Atemzug an seiner Überzeugung fest.“ Dass er seine Prinzipientreue stets über alles - auch über die Liebe zu Frau und Kindern - stellte, sei dabei die am meisten zu würdigende Leistung des Christen, der auch in der eigenen Kirche gegen Widerstände kämpfte. „Besser die Hände gefesselt als der Wille“, schrieb Jägerstätter aus der Haft in die Heimat - mit fixierten Händen.

Franz Jägerstätter erhielt am 23. Februar 1943 seinen Einberufungsbescheid zur Wehrmacht, den er mit einer offiziellen Wehrdienstverweigerung beantwortete. Das Reichskriegsdienstgericht verurteilte ihn daraufhin am 6. Juli 1943 zum Tode. Am Morgen des 9. August erfuhr Jägerstätter, dass dies sein Todestag sein würde. Zusammen mit anderen Todgeweihten wurde er nach Brandenburg verlegt. Hier schrieb er seinen Abschiedsbrief, bevor er als Erster der Gruppe um 16 Uhr enthauptet wurde.

Dass seine sterblichen Überreste heute in der Heimat im österreichischen St. Radegrund begraben liegen, ist einigen Ordensschwestern zu verdanken. Sie merkten sich, wo die Urne vergraben war. Nach Kriegsende konnte Franz Jägerstätter so heimkehren - als Opfer der Nazis, das seinen Prinzipien bis zur letzten Sekunde seines Lebens treu blieb.

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