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Sprecher der Bürgerinitiative unter Druck

Zoff in der Bernauer CDU um Andreas Neue

Sabine Rakitin / 22.08.2013, 19:49 Uhr
Bernau (MOZ) In der Bernauer CDU brodelt es. Seit Vorstandsmitglied Andreas Neue sich in der Bürgerinitiative WAV Panke/Finow engagiert und eine tragende Rolle bei den Dienstagsdemonstrationen übernommen hat, macht eine Reihe seiner Parteifreunde Front gegen den 52-Jährigen.

Gerade einmal fünf Mandate hat die Bernauer CDU in der Stadtverordnetenversammlung. Im Kreistag gleich gar keines. Dafür hat sie aber ein anderes Pfund, mit dem sie wuchern kann: Seit 20 Jahren stellt sie mit Hubert Handke den Bernauer Bürgermeister. Er ist ihr Aushängeschild. Er bewahrte die Partei in der Stadt vor der Bedeutungslosigkeit.

Doch an der CDU-Ikone Handke wird mächtig gerüttelt, seit die Bürgerinitiative WAV Panke/Finow den Protest gegen die Beitragspolitik des Verbandes kanalisiert. Ausgerechnet ein Parteifreund Handkes ist es, der als Sprecher der Bürgerinitiative seit sechs Wochen zu den Dienstagsdemonstrationen auf den Marktplatz ruft: Andreas Neue. Verrat werfen ihm deshalb seine Unionsfreunde vor - und machen Druck.

Sie fände es grenzwertig, wenn er als CDU-Mitglied den CDU-Bürgermeister öffentlich demontiere. "Vielleicht solltest Du besser aus der Partei austreten", wurde Neue von Franziska Lange nahegelegt. Rolf Schwabenland aus Lobetal schrieb ihm gar in einer E-Mail: "Lieber Andreas, so kann es eigentlich nicht funktionieren. Du kannst nicht einmal als Bürgerinitiative auftreten, die eigenen Kollegen und den Bürgermeister beleidigen und bedrohen und zum anderen den sauberen CDU-Mann spielen. Ich bin der Meinung, dass solche Mitglieder in der Verwaltung der CDU nicht willkommen sind. Ich bitte Dich, trete zurück oder es besteht die große Gefahr, dass Du zurückgetreten wirst."

Das war dann selbst Stadtverbandschef Frank Goral zu viel. "Hört endlich auf, Euch gegenseitig Fehlverhalten vorzuwerfen", beschwor er seine Parteifreunde.

Andreas Neue selbst zeigt sich von den Anfeindungen unbeeindruckt. Seit über 30 Jahren ist er Parteimitglied - und er will es bleiben. "Ich stehe wie eine Säule in der CDU", sagt er entschlossen. Es gehöre zu seinem Verständnis von christlicher Nächstenliebe, dass er sich für seine Nachbarn, die ihn um Hilfe gebeten hätten, als sie die unverschämten Beitragsbescheide des WAV erhielten, stark mache.

Allerdings ist der 52-Jährige schon enttäuscht darüber, dass sich die Brandenburger CDU zum Thema Altanschließer nicht rückt und nicht rührt. "Von der Landtagsfraktion ist auf das Schreiben der Bürgerinitiative nicht einmal eine Antwort gekommen", kritisiert er. Unzählige Male hat er auch im Wahlkreisbüro des CDU-Direktkandidaten zur Bundestagswahl für Barnim und Märkisch-Oderland, Hans-Georg von der Marwitz, angerufen, auf die Dienstagsdemonstrationen in Bernau aufmerksam gemacht und darum gebeten, dass von der Marwitz seine Auffassung zu der Problematik deutlich macht. Keine Reaktion.

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Dr. Marlinde Mißlitz 03.09.2013 - 09:57:13

Bürgerinitiative vertritt keine einseitigen Interessen

Die Bürgerinitiative vertritt die Interessen der Familien mit Kindern genauso wie die der Geringverdiener. Wer behauptet, sie vertritt nur einseitige Interessen, liegt falsch. Ich gehöre zur Bürgerinitiative, bin kein Altanschließer, wehre mich aber dagegen, als Neuanschließer zu Beiträgen herangezogen zu werden, obwohl ich den einmaligen Anschlussbeitrag 2000 bezahlt habe. Solche Beiträge werden verwendet für Anlagen, die uns nicht gehören, z.B. als Investitionen für Wasserwerke, Klärwerke oder als Ersatzinvestitionen für Rohrsysteme, wenn sie verschlissen sind. Ich zahle wie alle als Mengengebühr für Wasser nur 1,44 €/m³ (Brutto). Diese Gebühr für die Beanspruchung des Systems ist durch die Beitragszahlungen subventioniert, also auch für Verwaltungseinrichtungen, Gaststätten, medizinische Einrichtungen, Wäschereien oder der billige Wasserverkauf an Ahrensfelde. Den Nutzern des Systems, die keine Beiträge zahlen, werden diese Kosten früher oder später durch ihre Vermieter in Rechnung gestellt. Bei einem Verzicht auf die Beiträge wird demgegenüber der selbst bestimmte, sparsame Umgang mit dem Wasser gefördert. Gegen die Forderung, dass jeder das zahlt, was er verbraucht, kann sich doch keine Partei stellen, nur weil ein Mitglied Sprecher der Bürgerinitiative ist? Parteirangeleien halten uns auf und hemmen uns in der Entwicklung.

Uwe Wollin 27.08.2013 - 10:25:11

Aus der Sicht eines Wählers

Genau solche Leute wie Herrn Raetze meine ich die öffentlich ca. 22000 Bürger angreifen. Der überwiegende Teil der Bürger/Hauseigentümer, sind Rentner und nicht sozial stark. Wie kommt man denn auf den Trugschluss, dass Hauseigentümer sozial stark sind und Mieter sozial schwach? Bürger, die über Jahre versuchen ihre Häuser zu modernisieren. Bürger, die eine hohe Belastung durch zusätzliche Nebenkosten wie Straßenreinigungsgebühren, Heizkosten, Strom, Grundstücksversicherungen und mehr haben. Bürger, die schon den letzten Cent für den Straßenbau bezahlt haben. Jetzt schon stark belastet sind mit Krediten. Bürger, die um Ihr Überleben kämpfen und am Minimum leben. Bürger, die sich nicht mal mehr einen Urlaub leisten können. Bürger, die auf Grund des hohen Alters nicht mal mehr einen Kredit bekommen würden. Aber man bietet Ihnen ja eine Stundung mit 6 Prozent Verzinsung an für die Altanschlußgebüren. Ich frage mich, ob das überhaupt rechtens ist, einen Kredit der über die Lebenshaltungskosten geht. Sollen wir unsere Häuser jetzt verkaufen um uns in die Reihe der sozial schwachen einzugliedern? Grundstücke die eh mit Krediten belastet sind? Und dann werden Leute wie Herr Neue öffentlich an den Pranger gestellt. Leute die sich für seine Bürger einsetzten. Die Äußerung hier von Herrn Raetze zeigt mir hier um so mehr das Sie Ihre Parteiarbeit scheinbar nur zur Selbstprofillierung machen und nicht für den Bürger. Herr Raetze sind Sie sich bewusst, dass Sie hier die Glut erst richtig zum Brennen bringen und Ihre Partei damit schädigen? Nur ein Bürger aus Bernau

Hartmut Raetzer 27.08.2013 - 08:31:19

Bürgerinteresse?

Es ist schon merkwürdig, wie sehr die Bürgerinitiative mit ihrem Sprecher Andreas Neue so tut, als vertrete sie die Interessen der Bürger. Zu allererst werden in Wirklichkeit die Wünsche und Vorstellungen derjenigen artikuliert, die Eigentum in Form von Häusern oder Grundstücken besitzen. Schamhaft verschwiegen wird, wer im Falle der Erfüllung dieser Wünsche die Zeche zahlt: Mieter, Familien mit Kindern und alle anderen, die nicht in der glücklichen Lage sind, Hauseigentümer zu sein. Das Herr Neue als persönlich Betroffener für seinen finanziellen Vorteil kämpft, ist sein gutes Recht. Schwierig wird es aber, wenn es zum Interessenkonflikt zwischen seiner Partei und seinen persönlichen Zielen kommt. Ganz besonders problematisch ist das, wenn der Bürgermeister, der der eigenen Partei angehört, öffentlich immer wieder in einer Art und Weise angegangen wird, die nicht nur dem gewählten Stadtoberhaupt, sondern auch der eigenen Partei schadet. Dann ist in der Tat der Zeitpunkt gekommen, zu dem ein Vorstandsmitglied sich fragen muss, ob er noch in der Lage ist, die Schere zwischen eigener Meinung und Parteistandpunkt zu schließen. Denn dann gilt das Wort Luthers auch in der heutigen Zeit: "Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder er wird einen hassen und den anderen lieben, oder wird einem anhangen und den anderen verachten."

Uwe Wollin 25.08.2013 - 17:06:30

Danke Herr Neue

Das man sich bürgernah und für seine Bürger einsetzen kann und sollte zeigt uns Herr Neue. Scheinbar wissen einige Parteimitglieder der CDU nicht, wie sehr Sie das Gesamtbild Ihrer Partei schädigen. Wählen wir nicht genau aus diesem Grund unsere Partei des Vertrauens? Vielleicht sollten sich das mal einige Parteimitglieder durch den Kopf gehen lassen. Für mich ist ein Bürgermeister einer, der die Interessen seiner Bürger vertritt. Aber scheinbar werden in Bernau andere Interessen vertreten. Na diesem Artikel stellt sich mir die Frage, wen und warum man eigentlich noch wählen sollte. Uwe Wollin nur ein Bürger aus Bernau

Dieter Sauer 24.08.2013 - 17:42:59

Christlich und Demokratisch?

Ist das Handeln von Andreas Neue nicht christlich und demokratisch, dass sich seine Kollegen in der CDU so gegen ihn engagieren? Geht es nur noch um Machterhalt in den sogenannten Volksparteien? Inwieweit vertritt die CDU noch die Interessen ihrer Wähler? Ich denke unter den betroffenen Alt- und Neuanschließern sind auch viele ehemalige CDU-Wähler. Vielleicht sollten dies die CDU-Kollegen bedenken, die den Austritt von Andreas Neue aus der CDU fordern! Ich kann nur sagen, Herr Neue machen Sie weiter so, denn Ihr Handeln ist durchaus als christlich und demokratisch zu verstehen. Hoffentlich wachen bald auch einige Parteimitglieder der SPD auf, handeln wie Andreas Neue und werden den Attributen sozial und demokratisch im Namen ihrer Partei gerecht. Demokratie heißt Herrschaft des Volkes!

Dr.-Ing. Frank Valentin 23.08.2013 - 15:01:19

"Feindlich-negative Kräfte" auf dem Bernauer Marktplatz

Eine gehörige Portion Angst steckt hinter den Bemühungen des Handke-Clans, die Bürgerinitiative zu zersetzen, zu verleumden, zu zersplittern, zu lähmen, zu desorganisieren und zu isolieren. Denn seit der fünften Demo heißt es erstmals seit 24 Jahren wieder auf einem Marktplatz in der ehemaligen DDR "Wir sind das Volk!". Mich erinnert der krampfhafte Kampf des Bürgermeisters und amtierenden Verbandsvorstehers des WAV Panke/Finow sowie seiner Satrapen um die verfassungs- und damit gesetzwidrigen Beiträge zunehmend an die Zeit des Honecker-Regimes. Es ist deshalb auch kein Wunder, dass man schon im Jahre 1976 in der Richtlinie Nr. 1/76 eines anderen großen "Menschenfreundes" Hinweise finden kann, wie die Staatsmacht mit "feindlich-negativen Kräften" umzugehen hat. Dort hat der Bernauer Machtklüngel wahrscheinlich nachgelesen.( http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?MfS-Richtlinie_1-76)

Joachim Collin 23.08.2013 - 11:50:42

Die Partei hat immer recht,

dies war schon zu unfreien Zeiten so. Wer da nicht mitspielt wird als Nestbeschmutzer oder gar als Verräter diffamiert. Gerade wenn sich Parteimitglieder in Fragen des sozialen Friedens gegen Parteidoktrin demokratisch engagieren ist dies aller Ehren wert und nicht verwerflich. Ein Bürgermeister demontiert sich in der Regel selbst mit Äußerungen wie sinngemäß - als amtierender Verbandsvorsteher könne er die Bernauer Bürger nicht vertreten. Aber andererseits Zwietracht zwischen Einwohnergruppen, wie Mieter gegen Eigenheimbesitzer, seiner Stadt sät. Was kommt als nächstes? Panketal ist hierin wieder mal weiter. Senioren gegen Familien mit Kindern für bessere Schulbildung, Ausspielen der Ortsteile gegeneinander usw... Ein Bürgermeister ist für alle Bürger da und nicht für eine Partei. Er hat für Ausgleich zu sorgen und immer den gesamten Ort im Blick zu behalten. Joachim Collin Schwanebeck

Son Hals 23.08.2013 - 11:34:44

Zoffn der CDU

Ich dacht 24 Jahre nach der Wende hätte man nun eine Demokratie und die gewählten Abgeordneten treten für dasVolk ein aber es hat sich ja übehaupt nichts geändert.Nun weiß ich was ich bei der nächsten Wahl zu tun habe!

Karl Sasse 23.08.2013 - 08:59:14

Schwabenland ist abgebrannt

Für manch einen in der CDU sind Demokratie und freie Meinungsäußerung also gleich "Beleidigung" und "Bedrohung"? Und so etwas duldet man in dieser angeblich demokratischen Partei? Da steckt doch wohl noch zuviel Blockpartei drin, oder?

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