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Historiker Florian Wilke präsentiert am Donnerstag Ergebnisse von Ausgrabungen am Bischofsschloss

Bränden und Sprengstoff getrotzt

Lars Weber / 28.08.2013, 07:50 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Fast zwei Jahre lang wurde das Fürstenwalder Bischofsschloss saniert. Ende 2012 konnten die neuen Schlossherren einziehen und das Restaurant den Betrieb aufnehmen. Baubegleitend fanden Ausgrabungen statt. Die Ergebnisse werden nun von Historiker Florian Wilke präsentiert.

Planen könne man bei solchen baubegleitenden Ausgrabungen viel, sagt Historiker Florian Wilke rückblickend auf die Ausgrabungen am Fürstenwalder Bischofsschloss. "Aber letztlich hat man nur ein Horoskop in der Hand." Mit anderen Worten: Solche Ausgrabungen sind eine Wundertüte. Auch bei seiner Arbeit am Bischofsschloss sei er öfters überrascht worden.

Das Schloss wurde im 14. Jahrhundert erbaut und ist damit eines der ältesten Gebäude in Fürstenwalde. Das Gebäude hatte im Laufe der Jahrhunderte viele Eigentümer, die selbst immer wieder den Bau veränderten. "Deswegen steht vor allem die Baugeschichte im Zentrum der Ergebnisse. Tatsächlich gab es mehr Bauphasen als Burgherren", erklärt Wilke. Zu den Besitzern gehörten natürlich die Bischöfe, die dem Schloss den heutigen Namen geben, aber auch Adlige oder Kurfürsten waren darunter.

Zu den Erkenntnissen gehört, dass an der Stadtmauer in früheren Jahrhunderten ein Wehrgang entlang geführt haben muss. Direkt an der Mauer, wo nun eine Treppe zu den Räumen im Gewölbekeller führt, ragen Steine heraus, die darauf hindeuten, so Wilke. Hinzu kommen diverse Schießscharten, die bei den Ausgrabungen zutage traten. Trotzdem sei der Komplex in Richtung Osten fast weniger gesichert gewesen als in Richtung Stadt mit zwei großen Türmen. "Warum das so war, darüber wissen wir zu wenig", sagt Wilke. Er mutmaßt aber, dass zu Zeiten der Reformation die Bürger nicht gut auf die Bischöfe zu sprechen waren.

Die Stadtmauer ist es auch, die bei späteren Umbauten eine entscheidende Rolle spielte. Denn aus dieser wurde im Verlauf der Baugeschichte die Außenmauer des Schlosses. Zudem wurde zusätzlich auch der Burggraben für den Ausbau benutzt. "Das ist sehr unüblich", sagt Wilke.

Im Laufe der Jahrhunderte musste Fürstenwalde einige Katastrophen wegstecken. Dazu gehört auch ein großer Brand im Jahre 1576. "Damals ist der Blitz eingeschlagen, etliche Häuser, der Dom und auch das Schloss trugen einen erheblichen Schaden davon", erzählt Wilke. Das Schloss wurde anschließend wieder aufgebaut, aber eher notdürftig. Und wenn die Natur nicht notgedrungen für einschneidende bauliche Veränderungen sorgte, erledigten dies die Hausherren auch selbst.

Im Jahr 1891 war das Schloss nicht mehr Herrschaftssitz, sondern eine Brauerei. Das Gebäude sollte mal wieder umgebaut und saniert werden. "Dazu wurden mit Hilfe des Militärs mit Schießbaumwolle Teile der Stadtmauern weggesprengt", sagt Wilke. Der Knall erschütterte nicht nur die Stadt und erschreckte die Bürger. "Das Dach des Doms und viele Fenster wurden durch die umherfliegenden Steine beschädigt, die teilweise zentnerschwer waren", erzählt der Fachmann. Schießbaumwolle war der "brisanteste" Sprengstoff, den man im 19. Jahrhundert zur Verfügung hatte. "Ich bin dankbar, dass überhaupt noch irgendetwas übrig ist für uns, das wir ausgraben konnten", sagt der Historiker lachend.

Florian Wilke erzählt am Donnerstag im Restaurant Bischofsschloss, Domplatz 13, ab 18 Uhr, von seinen Ergebnissen. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

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