Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Streit um Telekomstraße geht weiter

Ausbau-Gegner streichen hohe Kosten heraus

Sven Klamann / 29.08.2013, 06:27 Uhr
Eberswalde (MOZ) Nach ihrer bestens besuchten ersten Informationsveranstaltung sehen sich die Gegner eines Ausbaus der Telekomstraße in ihrem Widerstand bestärkt. Doch auch die Befürworter bleiben hartnäckig. Jetzt setzen beide Lager auf die Hilfe der Stadtpolitik.

Es geht um etwa sieben Kilometer, die den Eberswalder Stadtteil Finow mit Biesenthal verbinden. Rund zwei Kilometer davon liegen auf der Biesenthaler, rund fünf Kilometer auf Eberswalder Gemarkung. Die Straße ist für den Durchgangsverkehr gesperrt.

In der Aula der Freien Oberschule Finow saßen die mehr als 60 Interessierten dicht an dicht. Der Einladung von Alexa Reimann und Thomas Gilles, dem Sprecherduo der Bürgerinitiative, waren allerdings nicht nur Ausbaugegner gefolgt. Auch bekennende Unterstützer der ins Auge gefassten Straßen-Wiederbelebung wollten aus erster Hand hören, welche Argumente ihre Widersacher auf der Pfanne haben.

Zunächst meldete sich Andreas Krone zu Wort. Der Vorsitzende des Kuratoriums für den Naturpark Barnim engagiert sich ehrenamtlich im Naturschutzbund und in der Lokalen Agenda seines Wohnorts Biesenthal. In seinem Vortrag ging Andreas Krone auf den am Ende erfolgreichen Widerstand mehrerer Naturschutzverbände gegen die ursprünglichen Ausbaupläne des Landesbetriebes Straßenwesen ein, die als Deckenerneuerung deklariert worden seien. "Ohne Genehmigungsverfahren wurde ab 1999 der erste Abschnitt der Telekomstraße auf Biesenthaler Seite ausgebaut und dabei von 3,50 Meter auf 6,50 Meter verbreitert", sagte er.

Der Vorsitzende des Kuratoriums für den Naturpark erklärte, dass der Ausbau der Telekomstraße einen Biotopverlust von knapp 60 000 Quadratmetern nach sich ziehen würde. "Allein fast 20 000 Quadratmeter sollen neu versiegelt werden", sagte Andreas Krone und bezog sich auf den landschaftspflegerischen Begleitplan aus 2000, in dem von unverzichtbaren Ausgleichsmaßnahmen die Rede ist, die allein mehr als 700 000 Euro kosten würden.

Die von den Befürwortern immer wieder ins Feld geführte Zeitersparnis gegenüber Autobahn und Landstraße würde selbst bei Tempo 100 auf der Telekomstraße nur wenige Minuten ausmachen, der unwiederbringliche Verlust an Flora und Fauna und die schließlich von den Steuerzahlen zu tragenden Kosten ließen sich damit wohl nicht rechtfertigen, befand der Naturschützer.

Der Stadtverordnete Albrecht Triller vom Bündnis für ein demokratisches Eberswalde zitierte aus dem 2008 verabschiedeten Verkehrsentwicklungskonzept, das zu der Empfehlung komme, den Ausbau der Telekomstraße sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus verkehrlichen Erwägungen abzulehnen. "An dieser fundierten Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert", urteilte Albrecht Triller.

In der Debatte äußerte Wolfgang Sachse, Stadtverordneter für die Linke und Vorsitzender des Bauausschusses, vor allem finanzielle Bedenken gegen einen Ausbau. "Eberswalde schiebt, was die Instandsetzung von Straßen und Gehwege betrifft, einen Berg von etwa 80 Millionen Euro vor sich her", sagte Wolfgang Sachse.

Im Bauausschuss am 10. September wird die Rathausspitze öffentlich das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten pro und kontra Ausbau vorstellen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG