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Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 78 Jahren auf den Seelower Höhen

Zeichen des Friedens gesetzt

"Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sag es hier; dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir": Das Lied sangen die Kinder des Berliner Chors "Marzahner Promenadenmischung" und ließen gemeinsam mit Politikern, darunter die Bundestagsabgeordne
"Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sag es hier; dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir": Das Lied sangen die Kinder des Berliner Chors "Marzahner Promenadenmischung" und ließen gemeinsam mit Politikern, darunter die Bundestagsabgeordne © Foto: dpa
Heike Hahn / 01.09.2013, 18:51 Uhr - Aktualisiert 04.09.2013, 14:42
Seelow (MOZ) Singende und tanzende Kinder, Mädchen und Jungen, die in aller Ruhe weiße Tauben aufsteigen lassen können - welches Symbol ist stärker als dieses für den Frieden im Land? An den Seelower Höhen gedachten die Menschen der schmerzhaften Vergangenheit und unruhigen Gegenwart.

"Wir müssen still sein, weil die Toten nicht mehr mit uns reden können." Die Erklärung zur Schweigeminute leuchtete auch dem kleinen Mädchen ein, das seine Oma auf dem Weg zum Mahnmal begleitete. Auf den Seelower Höhen wurden anlässlich des Weltfriedenstages am Sonntag Kränze niedergelegt, Reden gehalten, Lieder gesungen und Tauben in den Himmel entlassen.

Vor 74 Jahren nahm der Schrecken des Zweiten Weltkrieges seinen Anfang. Die sechs Jahre währende Schlacht forderte Millionen Opfer rundum den Planeten. An den deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 gedachten in Seelow Politiker, Bürger, Historiker. "Unsere Aufgabe als Gedenkstätte ist es, die Erinnerung an den Tag wach zu halten", sagte Gedenkstätten-Leiter Gerd-Ulrich Herrmann. Er überbrachte die Grüße des Bundespräsidenten Joachim Gauck, des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und einigen geistlichen Oberhäuptern der Kirchen.

Initiator der Veranstaltung an den Seelower Höhen war Werner Damerow, Präsidiumsmitglied beim Verein deutscher Brieftaubenzüchter. Mehr als 60 000 Brief- und Sporttauben hatte er in Zusammenarbeit mit polnischen Züchtern an den Ort des Gedenkens gebracht. Die größte Anzahl wurde bereits vorzeitig aufgelassen. "Aus dem Osten nähert sich ein Regengebiet, deshalb war das notwendig", erklärte Christoph Schulte, Chefredakteur des Magazins "Die Brieftaube". Die Auflassungen würden immer in enger Abstimmung mit Wetterberatern geschehen, so werden Verluste bei den Tieren minimiert. "Man muss Glück haben mit dem Wetter", so Schulte. Bis zu 600 Kilometer können ausgebildete Tauben fliegen. An diesem Tag lag die maximale Distanz bei 200 Kilometern. Im Schnitt fliegt eine Taube 80 bis 120 Stundenkilometer - je nach Windrichtung. Das Symbol "Friedenstaube" geht auf das christliche Verständnis des heiligen Geistes zurück. Ein Friedensbringer solle er sein, ein Botschafter der Liebe. "Das wertvollste, was der Mensch erhalten kann, ist der Frieden", erklärte Werner Damerow.

Landrat Gernot Schmidt (SPD) verwies auf die Bundesstraße 1, die nahe der Gedenkstätte verläuft. "Allzu oft war sie Heerstraße, auf der Gewalt und Hass in andere Länder getragen wurde", sagte er. Der Ruf nach Frieden werde nicht überall in der Welt gehört, Syrien sei da nur als ein Beispiel genannt. Als Vertreter der russischen Botschaft war Korvettenkapitän Stanislav Mazurin mit seiner Familie angereist. "Die Renovierung und die Pflege der russischen Ehrenmale sind ein Beweis für den Weg der Versöhnung zwischen Deutschland und Russland", sagte er. Er verneige sich in Achtung und Trauer vor allen gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs und erinnerte an den Anteil der Sowjetunion an der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus und Faschismus.

Der deutlichste Appell an die Politik gelang Werner Damerow. In Hinblick auf die Entwicklungen in Syrien und die ausstehende Entscheidung, ob ein militärischer Angriff des Westens stattfindet, sagte er: "Nie wieder Krieg, schon gar nicht von deutschem Boden aus." Dieser Satz fand den größten Beifall.

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Heike Hahn 04.09.2013 - 14:30:54

Keine Antwort, aber Diskussion

Herr/Frau Sorel, Ich verstehe Ihr Problem, mache Sie gleichzeitig auf das Wochenende aufmerksam, das unter dem Motto „Unbequeme Denkmäler“ steht. Zum Beispiel wird am Sonnabend ab 14 Uhr in der Heimatstube in Letschin darüber diskutiert, warum Panzer o.ä. als Mahnung zum Frieden und überhaupt als Denkmäler genutzt werden.

J. Sorel 04.09.2013 - 14:23:28

Fragen

Warum müssen die Politker für eine Bild zum Weltfriedenstag vor einem sowjetischen T-34 Panzer posieren, der Zusammenhang ist mir nicht klar? Tipp für Veranstalter/Fotographen/Redaktion: Vielleicht können die Bilder zu sochen Gedenkverantaltungen künftig etwas sensibler ausgesucht werden.

J. Sorel 04.09.2013 - 14:01:38

Korrekturen - Anmerkungen

74 Jahre, der deutsche Überfall auf Polen fand vor 74 Jahren statt, am 1. September 1939. Und auch wenn es hier vielleicht nicht die richtige Stelle ist, den Zweiten Weltkrieg zu diskutieren. Hitler hatte 1939 einen Verbündeten, der Polen wenige Wochen später überfiel. Am 17. September marschierte Stalins Rote Armee ebenfalls beim Nachbarn ein, um die gemeinsamen Vereinbarungen des Hitler-Stalin-Pakts zu erfüllen.

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