Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

80 Interessierte machen sich auf den Weg von Werneuchen über Löhme, Elisenau und Börnicke nach Bernau

Pilgern vor der Haustür

Renate Meliss / 03.09.2013, 07:21 Uhr
Werneuchen (MOZ) "Gott möge Ihnen Kraft geben für alles, was Ihnen im Leben widerfährt, was Hoffnung, Glaube und die Liebe stärkt!" Werneuchens Pfarrer Thomas Brilla gibt den etwa 80 Pilgern seinen Segen, dann machen sie sich auf den Jakobsweg.

Der 15 Kilometer lange Marsch führt von Werneuchen über Löhme, Elisenau und Börnicke nach Bernau. Die Männer und Frauen sind frohen Mutes. Vor dem Rathaus geht es zunächst über den Marktplatz zur B 158.

Unterdessen bereitet der Börnicker Künstler Ekkehard Koch auf dem Verbindungsweg von Werneuchen nach Löhme bereits die erste Raststation vor. Genau an der Stelle soll sie sein, an der seine überlebensgroßen aus Douglasienholz geschnitzten Figuren zum Thema Kunst am Weg stehen. "Der Engel schützt die Pilger und ist Bote Gottes, denn es ist ja ein christlicher Weg", erläutert Koch und deckt sorgfältig den Tisch.

Das Pilgern auf dem Jacobsweg ist seit 2007 zunehmend beliebt, als der Weg von Frankfurt/Oder nach Bernau eröffnet worden war. "Und es ist beliebt bei den Menschen, die auf diese Weise auch vor der Haustür und auch ohne kirchliche Konfession gehen können, um dem Alltag zu entfliehen und eigene Grenzen kennen zu lernen", sagt Ekkehard.

Seit den 1970er Jahren hat die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg einen großen Aufschwung erlebt. 1982 besuchte Papst Johannes Paul II. Santiago de Compostela und rief im Rahmen einer großen Europa-Feier den alten Kontinent auf, seine Wurzeln wieder zu beleben. Tafeln an den Kirchen in Werneuchen, Seefeld, Löhme und Börnicke sowie ein dreiteiliges Tafelsystem informieren die Wanderer in deutsch, englisch und polnisch über die Kirchen und zum Thema Jackobsweg. Zudem werden die Besucher auf ihrem Weg auch zwei Wegweiser in Form einer Jacobsmuschel besichtigen, die von Steinmetz Mirko Fischer in Seefeld-Löhme und in Werneuchen in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses platziert wurden.

Der Wind streicht frisch über Feld und Wiesen, als die ersten Pilger sich den Holzskulpturen nähern und eine kleine Stärkung zu sich nehmen. Bald darauf wandern sie weiter nach Löhme. Dort wird an der spätgotischen Feldsteinkirche aus dem 17. Jahrhundert Rast gemacht. "Die Besonderheit dieser Kirche ist, dass sowohl Rednerkanzel als auch Patronatsloge noch in ihrem Originalzustand von 1620 vorhanden sind", erläutert Mirko Fischer. Hier befindet sich auch die Gruft der Familie von Arnim, einem alten Adelsgeschlecht, das seinen Hauptsitz im Schloss Boitzenburg hatte.

Nach einer kleinen Stärkung geht es weiter nach Helenenau. "Die Wanderer sind gut drauf, niemand hat bisher aufgegeben", so Burkhard Horn, Bürgermeister von Werneuchen, der mit Stock und Hut dabei ist. In Helenenau in der Nähe des Landgasthofes wird eine der Jacobsmuscheln symbolisch enthüllt und eine kleine Rast eingelegt.

Die Jakobsmuschel stellt eine Orientierungshilfe dar, deren Symbol man als Zeichen des Jakobsweges an vielen Stellen des Weges findet. In Börnicke führen Wolfgang Lösche und Ekkehard Koch die Pilger durch die alte Wehrkirche aus dem 13. Jahrhundert. Sie weisen auf die Gräber von Mendelssohn- Bartholdy, die das Dorf prägten mit Gutshof, Gutshäusern und auch dem Schloss, das 1910 vom Berliner Architekten Bruno Paul umgebaut wurde. Anschließend führt der Weg die Pilger bis nach Bernau. Ob jemand während der Wanderung "geläutert" wurde? "Dafür war der Weg viel zu kurz", informiert Koch. Etwa drei Wochen dauere es, um den Alltag wirklich loslassen zu können. "Man fühlt sich dann einfach leichter, vom Gehen und vom Gedanken-gehen-lassen."

Die Pilgertour war von den Städten Bernau und Werneuchen in Kooperation mit dem Regionalpark Barnimer Feldmark organisiert worden.

Finanziell unterstützt wurde dieses Projekt unterdessen aus dem Fond für ländliche Entwicklung

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG