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Backstein mit guter Energie-Bilanz

Hobby und Beruf vereint: Marius und Antje Vargas vor der Spreemühle
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Hobby und Beruf vereint: Marius und Antje Vargas vor der Spreemühle .. © Foto: MOZ/Lars Weber
Lars Weber / 05.09.2013, 06:23 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Es stand nicht gut um die Fürstenwalder Spreemühle, als die GeoClimaDesign-Gruppe das historische Gebäude vor gut sechs Jahren kaufte. 1837 bis 1899 wurde die Mühle mit der markanten Backsteinfassade nach und nach errichtet. Sie ist wahrscheinlich der erste Industriebacksteinbau der Stadt.

Über die Jahre wurden dort unzählige Tonnen Mehl gemahlen. Dann kam 1989 die Wende - und das Aus für die Mühle. Seither nagte der Zahn der Zeit an dem prächtigen Bau. "In der Fassade fehlten Steine, das Dach war undicht und die Fenster kaputt", erinnert sich Antje Vargas an den Zustand im Jahr 2007. Für das Unternehmen dennoch ein "ideales Gebäude".

Denn der Bau passt hervorragend zum Geschäftszweck. Dort werden unter anderem schmale Rohrsysteme aus Kunststoff hergestellt. Sie dienen sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen von Gebäuden.

"Die Energieeffizienz dieser Technologie lässt sich am besten in schlecht gedämmten Gebäuden zeigen", sagt Antje Vargas. Einem Gebäude also wie die Spreemühle, bei der sie aufgrund von Auflagen des Denkmalschutzes weder außen noch innen Dämmung anbringen durften.

Drei Jahre dauern die Arbeiten an dem Backsteinbau. In dieser Zeit erneuert die Unternehmensgruppe Fenster und Tore, die Fassade mit ihren schwarzen Ziegelbändern wird restauriert, das Dach erneuert und die Deckenbalken zum Teil ersetzt. "Die Bausubstanz sollte so original wie möglich bleiben, um das historische Ambiente zu bewahren", sagt die Unternehmerin. Das Herzstück der Mühle ist hinter weißem Gipskarton versteckt. Es ist das feine Rohrsystem, das an eine Wärmepumpenanlage angeschlossen ist. Durch dieses Netz fließt wahlweise kühles oder warmes Wasser und versorgt die Räume mit den gewünschten Temperaturen und einem angenehmen Klima.

Das unsichtbare System hat für Antje Vargas nicht nur den Vorteil, dass es Energie spart. "Heizkörper hätten ja das gesamte Gebäude verschandelt, so bleibt auch der Charakter der Räume erhalten", sagt sie. Da das in Matten angelegte Rohrsystem nur 3,6 Millimeter dick ist, blieben die Dachbalken in dem Gebäude überall uneingeschränkt sichtbar.

Der Stolz über die erfolgreiche Sanierung der Mühle ist Antje und Marius Vargas anzumerken. "Es braucht viel Kraft, wenn man ein historisches Gebäude kauft und es sanieren möchte. Wichtig dabei ist, dass man konsequent ist", erklärt die Hausherrin.

Das i-Tüpfelchen steht aber noch aus. So wie früher einmal das Mahlwerk von einer Wassermühle angetrieben wurde, soll künftig ein Wasserrad den Strom für das Gebäude produzieren. Das historische Wasserrad, das die Vargas' im Schwarzwald gekauft haben, steht bereits seit einem Jahr vor dem Gebäude. "Unter der Mühle fließt die Spree in einem Rohr entlang", sagt Antje Vargas. Das Rohr soll geöffnet und das Wasserrad dort installiert werden. Mit der gewonnenen Energie wird dann das Wärmesystem versorgt. "So wird die Spreemühle zu einem historischen Gebäude mit Null-Energie-Bilanz", freut sich Antje Vargas, die sich riesig über den Denkmalpreis freut. "Und eine Hommage an die Historie ist das Wasserrad natürlich auch."

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