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Denkmalpreis für ein Lebenswerk

In die Heimat zurückgekehrt: Kerrin und Detlef Graf von Schwerin stehen vor den Mauern des sanierten Vorwerks Bülowssiege in der Uckermark. Neun Jahre lang haben sie an dem Projekt gearbeitet.
In die Heimat zurückgekehrt: Kerrin und Detlef Graf von Schwerin stehen vor den Mauern des sanierten Vorwerks Bülowssiege in der Uckermark. Neun Jahre lang haben sie an dem Projekt gearbeitet. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 05.09.2013, 06:24 Uhr
Brandenburg/Havel (MOZ) Für die Sanierung ihres Vorwerkes Bülowssiege erhalten Kerrin Gräfin und Detlef Graf von Schwerin heute den brandenburgischen Denkmalpflegepreis. Beide haben in der Uckermark nicht nur Mauern, sondern ein Stück deutscher Geschichte gerettet.

Wie Lebenslinien einer Hand zieht sich der Mörtel zwischen den glatt beschlagenen Feldsteinen hin. Jede Fuge sorgfältig geformt und erneuert. Eingerahmt ist die steingraue Wand in einen aufwendigen Schmuck aus roten Backsteinornamenten. Der ungewöhnliche Baustil mit hohen spitzbogigen Fenstern und repräsentativen Giebeln erinnert an Kirchen. Dabei handelt es sich aber um ein Vorwerk. Acht davon ließ Johann Christoph Herrmann Graf von Schwerin im 19. Jahrhundert im Umfeld seines Stammsitzes Wolfshagen errichten. Der patriotisch gesinnte Teilnehmer der Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft benannte sie nach preußischen Generälen in Kleisthöhe, Gneisenau oder Hornshurra.

Bülowssiege ist als einziges Vorwerk in seiner kompletten Anlage nahezu vollständig erhalten geblieben. Das malerisch auf einem leichten Hügel gelegene Verwalterhaus blickt links und rechts auf lang gestreckte Wirtschaftsgebäude gleicher Bauart und angrenzende Schafställe. Für den schlanken hochgewachsenen Detlef Graf von Schwerin ist die blau gestrichene Eingangstür des Wohnhauses eigentlich zu niedrig. Der frühere Polizeipräsident von Potsdam lebt hier in uckermärkischer Landidylle mit seiner Frau Kerrin.

Als er 1982 erstmals Bülowssiege - das Erbe seiner Vorväter - besichtigen konnte, stürzte just an diesem Tag ein Teil des Stalldaches ein. Das Vorwerk war verkommen. Park und Umfeld waren in sozialistischer Zeit verwildert. Wie so viele andere in der Uckermark.

1997 stand das Ehepaar wieder auf dem gleichen Hof. Diesmal als Eigentümer des an die Familie von Schwerin zurückgegebenen Grundbesitzes. "Wir haben nicht wirklich geahnt, welche Ausmaße das hier annimmt", sagt von Schwerin heute. Damals ließ er sofort einen einsturzgefährdeten Giebel mit gewaltigen Holzbalken abstützen.

Neun Jahre dauerte die Sanierung - unterstützt von der Oetker- und der Denkmalschutz-Stiftung sowie vom Landkreis Uckermark. Jedes Fenster, fast jeder Fußboden, jede Wand - überall mussten Handwerker die Narben der Nachkriegsnutzung und späterer Umbauten heilen. Zu sehen ist davon nichts mehr. Es gibt eine Bibliothek, Holzparkett, warme Farben, einen Kamin - behagliche Atmosphäre. Das Erbe der Familie wieder instand zu setzen, stand für den Bauherren nie infrage. "Und um Wurzeln zu schlagen, muss man auch hier wohnen", sagt er.

Die Wurzeln liegen allerdings tiefer als 300 Jahre. Seitdem gehört die Familie von Schwerin zum uckermärkischen Adel. Enteignet wurde sie 1944 von den Nazis, als Ulrich Wilhelm von Schwerin, Vater des heutigen Hausherren, als aktives Mitglied des deutschen Widerstands gegen Hitler in Plötzensee hingerichtet wurde. Daraufhin kamen auch die Angehörigen in Haft.

Heute ist Bülowssiege nicht nur Wohnort für die heimgekehrte Familie. Es ist ein Gedenkort für den Widerstand des 20. Juli 1944 gegen Hitler. Es ist auch ein wiederhergestelltes einmaliges Denkmalensemble mit öffentlicher kultureller Ausstrahlung. Und es ist Stein gewordener Ausdruck des Patriotismus eines Grafen, der gegen die Fremdherrschaft eintrat. (Mit Adleraugen)

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Isenhagen 06.09.2013 - 07:48:57

keiner dieser Schwerins

hat auch je nur einen Stein dieser Bauwerke an seinen Platz gesetzt. Sie haben immer alles nur "machen lassen". Von wem zuerst weiss wohl keiner mehr. Von wem es rekonstruiert wurde dürfte bekannt sein, aber es interessiert nicht und wird erst recht nicht geehert. Mit wessem Geld alles bezahlt wurde ist ja bekannt. Und heute eben Steuermittel ohne Ende. Wo da der Grund für die Auszeichnung liegt mag ich nicht erkennen. Aber die Macher werden es wissen.

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