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Die 63-jährige Doris Heß aus Neutrebbin hat ein ganzes Zimmer voller Puppen

Zum Spielen nie zu alt

© Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 27.04.2013, 14:42 Uhr - Aktualisiert 10.09.2013, 13:33
Neutrebbin (MOZ) In diesem Jahr feiert der Landkreis Märkisch-Oderland sein 20-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, um Besonderheiten und Raritäten aus der Region zwischen Lebus, Wriezen, Bad Freienwalde, Strausberg und Hoppegarten vorzustellen. Heute: Puppensammlerin Doris Heß.

 

Ob im Flur, im Wohn- und Schlafzimmer - aus allen Ecken des Hauses blicken Besuchern die Puppen von Doris Heß entgegen. Während manche Menschen im Erwachsenenalter durch Zufälle zu ihrem Hobby kommen, ist die Neutrebbinerin seit ihrer Kindheit von dem Wunsch besessen, eine Puppe zu besitzen. Doch immer wieder hatte sie Pech.

Als kleines Mädchen besaß sie zwei Stück. Doch als diese kaputtgingen, warf ihr Vater sie kurzerhand in den Müll. Ersatz bekam sie nicht. Zuerst habe ihr Vater behauptet: "Die würde dein kleiner Bruder sowieso kaputtmachen". Später habe es geheißen, sie sei schon zu alt für ein solches Spielzeug.

Zu alt für Puppen? Das fand die heute 63-Jährige nicht. Von ihren Großeltern bekam sie damals eine neue, die sie wie einen Schatz hütete. Doch als diese ihre Perücke verlor, musste sie zum Puppendoktor. So wurde es ihr erzählt. Was genau damals passierte, weiß sie nicht mehr. Fakt aber sei, dass die Puppe in den Händen des ominösen Arztes verschwand. Auf Nimmerwiedersehen.

Vom ersten Lehrlingsgeld kaufte sich die inzwischen junge Frau eine neue. Auch zur Hochzeit mit ihrem Mann kam eine dazu. Und von da an wurden es immer mehr. Bei Verwandschaftsbesuchen im Westen stöberte sie in Trödelläden. Vor allem auf Trachtenpuppen hatte sie es zu der Zeit abgesehen. In bunten Kleidern aus dem Spreewald, aus Holland, Ungarn und Bayern stehen diese Sammelstücke heute nebeneinander auf dem Regal. Nach der Wende flatterten dann Kataloge ins Haus und es gab Fernsehsendungen, bei denen man die unterschiedlichsten Puppen bestellen konnte. "Da fing die Sucht an", gibt Doris Heß ehrlich zu.

Inzwischen füllt die stattliche Sammlung der Neutrebbinerin einen ganzen Raum aus. Viele Bräute und Prinzessinnen in weißen, wallenden Kleidern finden sich unter ihren Gefährten, aber auch Tänzerinnen, kleine Jungen und Baby-Puppen. Sehr viele zerbrechlich wirkende, handgearbeitete Porzellanpuppen sind dabei. Anderen Exemplaren wiederum sieht man an, dass die innige Liebe von Kindern einige Spuren hinterlassen hat.

Beim Sammeln folgt Doris Heß keinem bestimmten Schema. Sie kauft, was ihr gefällt. Gezählt hat sie ihre Puppen nie. Denn schließlich sind Puppen nicht zum Zählen da, sondern zum Spielen. Was ihr in der Kindheit verwehrt blieb, kann die gelernte Gärtnerin, die mehr als 20 Jahre bei der Post gearbeitet hat, nun ausleben. Eine hüfthohe, braunhaarige Puppe hat Heß besonders gern. Mit Kinderklamotten zieht sie die Puppe immer der Jahreszeit entsprechend an.

Ihr Mann stört sich nicht an den vielen stummen Gästen im Haus: "Irgendwas muss man ja machen. Jeder hat einen anderen Fimmel." Er selbst besitzt eine kleine Sammlung von Miniatur-Trucks in Setzkästen. Und noch mehr wird im Hause Heß gesammelt. Seine Frau verwahrt einen weiteren Schatz, der in dicken Alben klebt: Postkarten. "Ungefähr sechs- bis siebentausend Stück", erklärt sie. Bald wisse sie nicht mehr, wohin damit.

Das sei auch das Problem mit den Puppen. Schon lange hat sie sich vorgenommen, mit dem Sammeln aufzuhören. "Jetzt ist Schluss. Ich habe keinen Platz mehr", sagt sie. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn wenn ihr irgendwo auf einem Markt ein hübsches Exemplar über den Weg läuft, könne sie einfach nicht widerstehen, sagt sie und lacht.

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