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Viadrina-Studenten entwickeln Zeitbank / Zahlungsmittel sind Dienstleistungen

Tauschbörse als Geldersatz

Martin Stralau / 13.09.2013, 06:48 Uhr
Frankfurt (MOZ) Um der Währungskrise zu trotzen und der fortschreitenden Entwertung von Geld entgegenzuwirken, haben zwei Viadrina-Studenten eine Zeitbank gegründet. Auf ihrer Homepage können kostenlos Dienstleistungen getauscht werden, mitmachen kann jeder.

Ich zeige Dir wie man kocht, betreue Deine Kinder oder erledige Deine Gartenarbeit. Du gibst mir dafür einen Polnisch-Sprachkurs, begleitest mich bei Behördengängen oder bringst mir Klavierspielen bei. Das Prinzip der Zeitbank Czasu ist denkbar einfach - eine für jedermann kostenfreie Tauschbörse für Dienstleistungen im Internet.

Ausgedacht haben sich das Projekt die beiden Viadrina-Studenten Richard Rath aus Frankfurt und Pawel Kolosza aus Slubice. Sie wollten, vereinfacht gesagt, ein Forum schaffen, mit dessen Hilfe das Geld und die Abhängigkeit davon in Frankfurt und Slubice in gewissen Lebensbereichen abgeschafft beziehungsweise ersetzt werden kann. Die Idee kam den beiden bei der theoretischen Auseinandersetzung mit der Währungskrise des Euro an der Uni und im Praxisseminar Slubfurt von Michael Kurzwelly. Hinter dem Begriff Slubfurt verbirgt sich ein Projekt, das die Städte Frankfurt und Slubice als einen gemeinsamen Stadtraum betrachtet.

Ihre Homepage, sagen die Studenten, soll neben dem praktischen Nutzen für alle Beteiligten auch einen Dienst für die Gesellschaft leisten. "Wir haben uns überlegt, wie man bürgerschaftliches Engagement und zivilgesellschaftliche Strukturen besser gestalten und auch Menschen, die nicht mehr in den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt kommen, involvieren kann", erklärt Rath. Er habe viele Frankfurter kennengelernt, die sozial einsam, aber engagiert sind und bereit, etwas zu tun. "Sie könnten sich hier einbringen und selbst noch etwas zurückbekommen", sagt Rath, der einen Master in European Studies und einen Bachelor in Volkswirtschaftslehre hat und gerne über den Tellerrand seines Studiums schaut. "Die Ökonomie macht sich zu wenig Gedanken über gesellschaftliche Realitäten", beschreibt er einen Beweggrund, die Zeitbank ins Leben zu rufen. Das Motiv dahinter sei schon ein "antikapitalistisches", auch wenn auf der Homepage durch Angebot und Nachfrage zwangsläufig ein Markt entstehen werde.

Diesen sollen vor allem solche Leute nutzen, die Zeit haben und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in die Waagschale werfen oder jemandem ihr Hobby näherbringen wollen. Rath und Kolosza denken dabei in erster Linie an Studenten, Rentner und Hartz-IV-Empfänger. Aber auch jeder andere sei herzlich willkommen. "Erstmal soll es nur um den Tausch gehen, später sind auch gewerbliche Angebote möglich", blickt Rath, der nebenberuflich als Rentenberater arbeitet, in die Zukunft. Grundsätzlich gehe es aber darum, mit den Angeboten auf der Plattform etwas für die Menschen vor Ort zu tun. "Die Frage ist doch, wie viel wir als Bewohner ohne Geld für uns selbst leisten können", sagt Rath und bringt das Beispiel der alternden Stadt und eines Pflegesystems, das nicht immer so funktioniert, wie es vielleicht sollte. "Da könnten kleine Dienstleistungsangebote schon viel bewirken."

Anmeldungen bei der Zeitbank sind unter http://zeitbankczasu.slubfurt.net/ möglich.

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froonk22 13.09.2013 - 12:13:10

Ausgedacht haben sich das Projekt die beiden ...

Entweder hat der Herr Stralau etwas falsch verstanden oder er hat sich einen Bären aufbinden lassen. Ein paar Klicks und er hätte gesehen, dass die Idee nicht neu ist. Vorhin habe ich ein bisschen auf DER Seite "gestöbert" und habe kaum etwas gesehen, das mich an eine Tauschbörse erinnert. Meiner Meinung wird dort die Leistungsbereitschaft einiger Bürger angezeigt und keine Tauschbereitschaft "Biete - Suche" oder "Suche - Biete". @ Herrn Lenden (Stadtverordneter in FF), woran haben Sie gedacht, welche Leistungen sollen für Sie z. B. im Gegenzug erbracht werden?

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