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Buckower Firma wickelt Transporte für Zellstoffwerk ab / Hoffnung auf mehr Güterverkehr

Holz geht auf die Ostbahnschiene

Güterbahnhof: In Müncheberg wird ein Zug mit Holz beladen. Wöchentlich geht derzeit ein Zug von dort aus auf die Reise. Steigerung wird erhofft
Güterbahnhof: In Müncheberg wird ein Zug mit Holz beladen. Wöchentlich geht derzeit ein Zug von dort aus auf die Reise. Steigerung wird erhofft © Foto: MOZ Gerd Markert
Uwe Spranger / 14.09.2013, 07:58 Uhr
Müncheberg/Buckow (MOZ) Der Bahnhof Müncheberg wird jetzt wieder stärker für den Güterverkehr genutzt. Andreas Hauschild mit seiner Firma Buckower Bahndienstleistungen wickelt momentan wöchentlich einen Zug ab.

Mehrere tausend Euro verlangt die Deutsche Bahn jährlich dafür, dass die Weiche von der Ostbahnstrecke in Müncheberg in Betrieb bleibt. Im Vorfeld der Streckenmodernisierung und des Umbaus des Bahnübergangs 2011 gab es sogar Bestrebungen, das Anschlussgleis zur Buckower Kleinbahn zu kappen.

Zum Glück sei das damals nicht passiert, habe er sich auch gegen seinen Buckower Kleinbahn-Verein durchgesetzt. Müncheberg, Waldsieversdorf, Buckow, der Verein und die Interessengemeinschaft Ostbahn (IGOB) teilten sich den Kleinbahn-Anteil an der Finanzierung der Weiche, die andere Hälfte zahle die TSU als zweiter Anschließer, sagt Andreas Hauschild. Seit 2010 rollen bereits wieder erste Transporte über die Weiche. Mittlerweile komme jede Woche ein Zug, berichtet der Buckower, der deshalb vor zwei Jahren die Bahndienstleistungen als Hauptgeschäftsfeld in den Namen seiner 1997 angemeldeten Firma aufgenommen hat. Vorher stand der Service rund ums Haus im Mittelpunkt.

Derzeit geht vor allem Holz von Müncheberg aus auf die Schienenreise. Partner seien derzeit die Zellstoff Stendal Holz GmbH, eine Einkaufsorganisation, die die Zellstoffwerke der Mercer-Gruppe in Stendal (Sachsen-Anhalt) und Rosenthal (Thüringen) mit Nadelholz und Sägenebenprodukten beliefert, und die Salzburger Eisenbahn Transportlogistik GmbH, die Holz nach Bayern fährt. Theoretisch könnten jedoch alle Güter über die Müncheberger Anschlussgleise abgewickelt werden, beispielsweise Baustoffe oder Düngemittel für die Landwirtschaft, so der 36-Jährige. Er wirkt als Anschlussbahnleiter auf diesem Kleinnetz ohne eigene Betriebsführung, kann mit verschiedenen Lokomotiven fahren und vermittelt Wagenmeisterleistungen, wenn mal Waggons kaputtgehen. Für die Technik zum Be- oder Entladen müssten allerdings die Kunden sorgen. Er arbeite derzeit daran, die Anschlussbahn in eine mit eigener Betriebsabwicklung umzuwandeln. "Dies ist nur noch eine Formalie. Die notwendige Lizenz als Eisenbahnbetriebsleiter ist gemacht", berichtet er. Zudem werde bereits an der Anschaffung einer eigenen Lok gearbeitet, um unabhängiger von den Eisenbahnunternehmen zu sein, die das Gleis derzeitig "bedienen", wie es im Fachjargon heißt.

Der Preis für seine Dienstleistung sei abhängig von Ladegut, Mengen und "Dreckanfall", erklärt er, ohne Summen zu nennen. Bei Holz bleibe einiges liegen. 40 Kubikmeter Rindenabfall hat er zuletzt aufgelesen. "Wer was braucht, kann sich gern melden", sagt er. Die Kommune habe kein Interesse gezeigt.

In die Anlagen in Müncheberg habe er in letzter Zeit eine größere Summe gesteckt. Zum Glück gebe es Förderer und Investoren, die es ermöglichen, unter den üblichen Baukosten zu bleiben. Denn die Summe sei noch nicht das Ende der Fahnenstange. Befestigungen, Schwellen und Kanten seien in Ordnung zu bringen, eventuell ein weiteres Gleis zu bauen, auf dem kaputte Wagen für die Reparatur abgestellt werden können. Zudem wolle er vor der dunklen Jahreszeit die Beleuchtung in Ordnung bringen. Die Bahn habe unkompliziert einen Stromanschluss ermöglicht, nachdem eigene Anlagen mit Außerbetriebnahme des Stellwerks abgeschaltet worden waren.

"Wenn es sich gut entwickelt, kann es ein Selbstläufer werden", sagt Hauschild zum Güterverkehr in Müncheberg. Auf jeden Fall sollten die Kosten für die Weiche hereinkommen. Die Buckower Kleinbahn hätte dadurch kostenlosen Zugang zum großen Bahnnetz. Das sei auch immer Ziel gewesen, betont er.

Der Unternehmer sieht durchaus Potenzial für mehr Güterverkehr auf der Ostbahn. Denn die Strecke über Frankfurt sei überlastet. Allerdings sei eine Entwicklung durch die Infrastruktur begrenzt. Weil es zwischen Strausberg und Küstrin-Kietz kaum noch Ausweichstellen gibt, könne zusätzlich zur Regionalbahn maximal ein Zug pro Stunde bis Müncheberg durchgeschleust werden. Auch der zweigleisige Ausbau zwischen Rehfelde und Strausberg bringe in der Hinsicht nicht viel.

"Wir haben auf dem deutschen Teil der Ostbahn nur noch zwei Weichen in Betrieb, die zu möglichen Güterverkehren für die Region führen können", erklärt Karl-Heinz Boßan von der IGOB. "Zukunft für die Ostbahn bedeutet auch Güterverkehr. Deshalb ist jede wirtschaftlich darstellbare Nutzung der Gleisanschlüsse in Müncheberg und Gorgast ein Lichtblick für die Zukunft und sollte mit allen vorhandenen Möglichkeiten unterstützt und gefördert werden."

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