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Claudia Beitsch überwindet beim Radmarathon 5500 Höhenmeter

Im Dauerregen mit dem Rad durch das Öztal

Die Pässe hoch und runter: Claudia Beitsch beim Ötztaler Radmarathon im August. Die gebürtige Pohlitzerin mag extreme Herausforderungen.
Die Pässe hoch und runter: Claudia Beitsch beim Ötztaler Radmarathon im August. Die gebürtige Pohlitzerin mag extreme Herausforderungen. © Foto: sportfotograf.com/promo
Lina Hatscher / 15.09.2013, 07:50 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Einen Wettlauf zum Südpol hat sie mitgemacht, einen Zehnkampf im Norden Kanadas bestritten. Die gebürtige Eisenhüttenstädterin Claudia Beitsch mag extreme Herausforderungen. Ende August hat sie ihren ersten Radmarathon absolviert - und trotz August im Ötztal gefroren.

Es galt 5500 Höhenmeter im österreichischen Ötztal auf schmalen Rennreifen zu überwinden. Wenn es schon ein Radrennen sein soll, mache ich es richtig, dachte sich Claudia Beitsch, die mittlerweile in Rosenheim lebt und arbeitet. Nach einem halben Jahr Vorbereitung ging es los. "Ich habe mich Anfang des Jahres auf das Abenteuer Ötzi in der ersten Rennradsaison eingelassen", berichtet die 33-Jährige. "Jedem, dem ich das erzählt habe, hat mich irgendwie ungläubig angeschaut und mir trotzdem viel Glück gewünscht." Denn das Rennen gilt als härteste Herausforderung für nicht professionelle Radfahrer. Auf der 238 Kilometer langen Strecke durch das Ötztal hat sie zum Beispiel den Brenner auf einer Höhe von 1377 Metern passiert. Es werden immer 4000 Hobby-Sportler ausgelost. Dieses Jahr war der Start- und Zielpunkt in Sölden.

"Als wenn der Ötzi allein nicht reichen würde, machte uns der Wettergott einen Strich durch die Rechnung und bescherte uns Dauerregen ab Start", erzählt die Extremsportlerin. Mit Mülltüten und Frischhaltefolie ausgerüstet rollte sie durch die malerische Landschaft. Weil es zu zweit mehr Spaß macht, war die 33-Jährige zusammen mit einer Freundin an den Start gegangen. "Die erste lange Abfahrt nach Ötz war schon grausam - kalt, nass und ich hatte Linda verloren. Aber es kam noch schlimmer. Nachdem ich oben am Kühtai angekommen und einigermaßen warm war, musste ich wieder runter nach Kemnaten." Mehr als 1200 Höhenmeter bergab, irgendwann tauchte eine Verpflegungsstation auf. "Sie war wegen Hunderten von Wärmefolien in ein warmes Gold gehüllt - warum nur? Ich fuhr voller Tatendrang los und wurde nur fünf Minuten später zum Anhalten gezwungen, da ich vor Kälte und Kraftlosigkeit in den Händen nicht mehr bremsen konnte." Noch nie in ihrem Leben habe sie so gezittert wie bei dieser Abfahrt, berichtet die Frau, die schon durch die gleißende Kälte des Südpols gestapft ist. "Mein Gesicht und mein Kiefer verkrampften und ich war eigentlich am Ende. Aber ich wollte durchhalten. Ich hielt alle paar Meter an, um meine Hände warm zu bekommen." Schmerzen, verhärtete Muskeln, steife Glieder und soweit das Auge reichte ein grauer Himmel. Bei richtig steilen Stücken ist sie abgestiegen und hat das Rad eine Weile geschoben. Und nach einer gefühlten Ewigkeit war die Talsohle erreicht. "Ich kam unten an und sehnte mir einen Berg zum Aufwärmen herbei", erzählt Claudia Beitsch. Auf dem Weg zum Brenner klarte der Himmel langsam auf. "Ich war wieder motiviert bis ich sah, dass ich mich sputen musste, um den Brenner vor der Kontrollzeit zu erreichen." Nach einer kurzen Pause vor Matrei kam plötzliche ihre Freundin Linda um die Ecke. "Wir hatten uns wieder und fielen uns in die Arme. Danach konnte uns nichts mehr bremsen." Seite an Seite rollten die beiden weiter die Berge hinab und strampelten die Pässe hinauf. Dabei hatten sie immer einen Begleitwagen im Nacken und der Rennleiter mahnte zur Eile, da sie sonst eingesammelt würden. Gedanken ans Aufgeben mischen sich unter den Schweiß, die Muskeln schmerzten. "Am Timmelsjoch blühten wir noch einmal richtig auf." Sie beiden hatten wieder Zeit gutgemacht. Eine halbe Stunde vor Ende der Kontrollzeit war das Timmelsjoch erreicht.

Nach der letzten Abfahrt zurück nach Sölden rollten Claudia Beitsch und ihre Freundin nach 13 Stunden im Sattel ins Ziel. "

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