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Lernen für die Welt von morgen

Rechnen und mit dem Fingern verschieben: Vincent und Miriam arbeiten mit dem iPad. Ihre Ergebnisse werden auf die Tafel hinter ihnen projiziert, so dass alle anderen Kinder folgen können.l
Rechnen und mit dem Fingern verschieben: Vincent und Miriam arbeiten mit dem iPad. Ihre Ergebnisse werden auf die Tafel hinter ihnen projiziert, so dass alle anderen Kinder folgen können.l © Foto: Heike Weißapfe/MZV
Heike Weißapfel / 17.09.2013, 18:18 Uhr
Hohen Neuendorf (MZV) Eine veränderte Welt erfordert auch eine veränderte Schule, meint Holger Mittelstädt. Der Waldgrundschulleiter wirbt für die Anschaffung von iPads an der Schule. Mit diesem Hilfsmittel könnten Lehrer den Unterricht gleichzeitig effektiver und individueller angepasst an die Fähigkeiten der Kinder gestalten.

Hohen Neuendorfer Politiker fast aller Fraktionen haben sich am Dienstag in der Waldgrundschule getroffen. Es geht einmal nicht um Wahlkampf. Aber Werbung macht Schulleiter Holger Mittelstädt auch: für seine Schule, die nicht nur die sportlichste Brandenburgs sein möchte (und diesen Titel auch schon zweimal gewonnen hat), sondern auch die innovativste, was die Bildungsformen angeht. "Unsere Schüler müssen nicht mehr in eine Mediengesellschaft hineinwachsen - sie wachsen darin auf", so Mittelstädt. Erstklässler bewegten sich in einer Entwicklungsspanne von Vier- bis Achtjährigen. Deshalb sei Differenzierung und individuelle Förderung wichtiger denn je.

Mit iPads, die nach und nach das Computerkabinett ablösen, sei effektiver wie individueller Unterricht möglich. Mit der entsprechenden App (einer "Applikation", einem kleinem Programm, das gekauft wird) kann auf dem flachen Computer im Duden nachgeschlagen, das Arbeitsblatt der vorhergehenden Stunde rekapituliert, Live-Bilder produziert oder ein Aufsatz für alle sichtbar gemacht werden. Lehrer Andreas Röblitz und Referendarin Fides Sochaczewsky haben erst einmal ihre eigenen iPads zur Verfügung gestellt. Einsetzbar sind sie im Klassenraum ebenso wie im Flur oder auf dem Schulhof.

"Die Kinder sind total motiviert", sagt Röblitz. Zudem könne gut in Gruppen gearbeitet werden, in denen sich alle Kinder gleichermaßen wichtig fühlen können. So nehmen die Schüler eigene Lehrfilme auf, in denen sie beispielsweise beschreiben, wie sägen oder schleifen geht. Für iPads der Firma Apple habe sich die Schule entschieden, weil es dort die meisten Bildungs-Apps gebe und die Folgekosten für weitere Anwendungen am geringsten seien.

Bei Christian Erhardt-Maciejewski (FDP) rennt Holger Mittelstädt offene Türen ein. In der Familie des Stadtverordneten gibt es mehrere iPads, und sein elfjähriger Sohn tippt und wischt auch schon so eifrig auf dem Tablet, dass er nicht mehr so gerne mit der Hand schreibt, bedauert der Vater. Annette Marquardt (Stadtverein) hält die Arbeitsweise ebenfalls für zeitgemäß und wichtig genug, um frühzeitig erlernt zu werden. Fred Bormeister (SPD) zeigte sich am Ende von der Vorführung beeindruckt, aber nicht überzeugt, unter anderem wegen der Kosten. Ulrich Wolf (CDU) erklärte, dies sei ein Schritt in die richtige Richtung. "Aber das Schreiben, Rechnen, Lesen - geht das nicht verloren?" Auf gar keinen Fall, erklärte Holger Mittelstädt. Im Vordergrund stehe immer das Lernziel. "Die Kinder arbeiten immer noch mit den Händen", ergänzt Fachlehrer Andreas Röblitz.

Die Lehrer und der Schulleiter haben da mal was vorbereitet: In der Turnhalle werden Bälle gegen die Wand geworfen. Mit der Kamera im iPad nehmen die Zweitklässler gegenseitig ihre Würfe auf. Anschließend wird mit Sportlehrer Andreas Röblitz sofort gemeinsam die Bewegung angeschaut und ausgewertet.

Manuela Feick zeigt ihrer fünften Klasse über das flache Tablet und den Beamer die Aufgabe. Neben Wörtern sind Bilder und ein Zahlenquadrat zu sehen. Es geht ums Tempo: Eine Minute haben die Kinder Zeit. Sie schreiben in ihre Hefte. Nur zwei Mädchen machen nicht mit. Sie tüfteln an anderen Rechenaufgaben, die sie ins iPad schreiben.

Fides Sochaczewsky übt Rechenaufgaben mit der 2 b. Hier wechseln sich die Kinder am Tablet ab; die Ergebnisse werden aufs Whiteboard übertragen, andere helfen mit, wenn mal einer ins Stocken gerät.

Ob iPad oder Kuli: Den Stift ansetzen und rechnen müssen nun auch die Stadtverordneten. 18 000 Euro stehen für iPads im Etatentwurf für 2014. Auf zwei Jahre soll die Anschaffung von ganzen Klassensätzen verteilt werden. "Bei der Bildung haben wir eigentlich fast nie was gestrichen", überlegt Annette Marquardt. Hohen Neuendorf habe andere, weitaus teurere Pläne.

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