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Berliner Künstlerin Hannelore Teutsch zeigt 70 Arbeiten auf Burg Beeskow

Eintauchen in rätselhafte Bilderwelt

Im Gespräch: Hannelore Teutsch (r.) mit Lydia Grzimek, der Ehefrau des Bildhauers Waldemar Grzimek (1918-1984), und Gudrun Radev, beide aus Berlin
Im Gespräch: Hannelore Teutsch (r.) mit Lydia Grzimek, der Ehefrau des Bildhauers Waldemar Grzimek (1918-1984), und Gudrun Radev, beide aus Berlin © Foto: Elke Lang
Elke lang / 22.09.2013, 19:40 Uhr
Beeskow (MOZ) Um die 50 Besucher waren am Sonnabend auf die Burg Beeskow gekommen, um zur Ausstellungseröffnung in die merkwürdige und bisweilen auch rätselhafte Bildwelt von Hannelore Teutsch einzutauchen. "Grüner Kamm und Blauer Mond" zeigt 70 ihrer Arbeiten der letzten zehn Jahre.

Auf den ersten Blick scheint auf den Bildern der Berliner Künstlerin nichts rätselhaft zu sein. Alles, was sie aus der Wirklichkeit aufnimmt, ist beinahe überscharf erkennbar. Dominierend sind die steril wirkenden Stadtlandschaften im Stil der Neuen Sachlichkeit: wie mit dem Lineal gezogene Konturen, monochrome Flächen und einsam und verloren anmutende Figuren, die wie erstarrt, wie "gefroren in hundert Jahren Schlaf" gefangen sind, so der Laudator Franz Zauleck, ein Illustrator, Bühnenbildner und Autor. Hier beginnt die Rätselhaftigkeit, auf die auch Janni Struzyk und Friedemann Werzlau improvisierend mittels Schlagzeug, Tuba und Harfe eingingen. Wer wollte, konnte aus ihrer Musik die rätselhaften, teilweise bedrohlich wirkenden Klänge der Großstadt heraushören. Warum malt die Künstlerin so etwas?

"Selbst das einsamste Bild ist immer ein kollektives", versuchte Franz Zauleck einer Erklärung nahe zu kommen. "Jahrhundertelange Gedanken und künstlerische Erfahrungen fließen ein." Zu den vielen Besuchern, die aus Berlin gekommen waren, gehörte auch Theda Tode-Randow. Sie kennte Hannelore Teutsch schon über vierzig Jahre und hat bei der Künstlerin eine "wahnsinnige" Entwicklung in der Darstellung der Stadtlandschaften festgestellt. In der DDR-Zeit seien sie fast ausschließlich dunkel und trist gewesen, jetzt aber gebe es daneben eine totale Öffnung zum Licht. Offensichtlich hat sich die Betrachtungsweise der Künstlerin mit anderen gesellschaftlichen Bedingungen geändert. Was aber bleibt, ist ein urmenschliches Gefühl des Verlorenseins in der Weite, ob es nun ein Häusermeer ist oder ein weites Feld.

Auch aufgefallen ist Theda Tode-Randow, dass erst nach 1989 auf Hannelore Teutschs Bildern Menschen auftauchen. Dazu allerdings hat die Künstlerin eine ganz simple Erklärung: "Ich habe mich vorher eigentlich nicht gewagt, Menschen darzustellen", gibt die studierte Gebrauchsgrafikerin zu. Erst, nachdem sie sich bei befreundeten Künstlern am Aktzeichnen beteiligt hat, habe sie den Mut dazu gefunden.

"Man lernt ein Leben lang dazu", ist für Hannelore Teutsch ebenso wichtig wie "immer alles zu wechseln, denn ich will mich nicht langweilen". So nimmt sie auch ganz andere "künstlerische Erfahrungen" auf, etwa im "Stillleben mit Brombeeren" (2011), im "Stillleben mit Himbeere" und bei "Feder, Ei, Schneeball" (beide 2013). Hier glaubt man vor altmeisterlichen botanischen Abbildungen zu stehen, wie sie ab dem 18. Jahrhundert in Büchern oder auf Einzelblättern beliebt waren.

Ausstellung Hannelore Teutsch: bis 12. Januar 2014 auf der Burg Beeskow

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