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Sensationeller Fund in Taucher Kirche ist über Jahre hinweg mit grauer Farbe übertüncht gewesen

Malereien am Altar entdeckt

Iris Stoff / 25.09.2013, 20:00 Uhr
Tauche (MOZ) Solange die Taucher zurückdenken können, ist der Altar in ihrer Dorfkirche mit einer grauen Ölfarbe angestrichen gewesen. Die Malerei darunter hat jetzt der Restaurator Rostyslav Voronko entdeckt. Zugleich fand er heraus, dass Teile des Altars aus der Kirche in Kossenblatt stammen.

"Es ist eine richtige Sensation", schwärmt der Taucher Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister vor dem Altar in der Dorfkirche. "Niemand hat vermutet, dass hier unter der wendlandgrauen Farbe Malereien existierten, die sogar schon aus dem 17. Jahrhundert stammen", sagt er. "Durch Zufall sind diese ans Tageslicht gekommen." Der Maler und Restaurator Rostyslav Voronko sei auf der Suche nach einem Auftrag gewesen. "Ich kannte ihn von seinen ausgezeichneten Arbeiten in den Kirchen Krügersdorf und Görsdorf und bot ihm an, das Geländer an unserem Altartisch zu sanieren", schildert der Taucher Pfarrer. Rostyslav Voronko habe dann in der Taucher Kirche gestanden, auf den Altar geschaut und sofort gewusst: "Darunter sind Malereien, so große Flächen ohne Malereien sind nicht üblich gewesen." Der Restaurator begann die Flächen freizulegen und wurde tatsächlich fündig. Rechts und links von der Kanzel traten zwei große Bilder zutage. Das linke stellt Moses dar, und rechterhand ist in einem dunkelgrünen Gewand der Erbauer des Schlosses Kossenblatt, Generalfeldmarschall Hans Albrecht von Barfus abgebildet, der sich hier selbst als Heiliger stilisieren ließ. Da ist sich Rostyslav Voronko ganz sicher. Als Beleg dafür bringt er viele Details aus der Geschichte an. Zum Beispiel sei der schwarze Vogel auf dem Bild ein Hinweis auf den schwarzen Adlerorden, dessen Gründungsmitglied Barfus 1701 gewesen sei.

Zudem hat Rostyslav Voronko herausgefunden, dass Teile des Taucher Altars vom Altar in der Kirche Kossenblatt stammen. Unter dem Altartisch in Tauche befinden sich auf der Holzwand nämlich schriftliche Eintragungen mit Angaben zu Handwerkern, die hier früher tätig gewesen sind. So steht dort mit Bleistift geschrieben, dass ein Tischlermeister Ritter am 20.4.1770 Altar und Kanzel in der Taucher Kirche wieder repariert und dabei aus zwei Altären einen gemacht hat. Dabei gibt es einen Hinweis auf die Kirche in Kossenblatt. Messungen des Restaurators Rostyslav Voronko haben zudem ergeben, dass die Altarteile aus der Kossenblatter Kirche stammen müssen. Aber warum sind diese Bilder dort entfernt worden?

Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister hat folgende Vermutung: "Der Sohn von Generalfeldmarschall Barfus musste das Kossenblatter Schloss 1736 an Friedrich Wilhelm I. verkaufen. Die Königsloge in der Kossenblatter Kirche befand sich auf der rechten Seite. Und es hat ihm sicher nicht gefallen, dort immer auf das Bild von Barfus zu schauen, der ja in Ungnade gefallen war. Außerdem war Friedrich Wilhelm I. ein Reformierter, der jegliche bildliche Darstellung von Heiligen ablehnte." Bis sie dann in der Taucher Kirche Verwendung fanden, müssen die Altarteile aus Kossenblatt wahrscheinlich zwischengelagert worden sein. Aufzeichnungen darüber gibt allerdings es nicht. Genauso wenig ist irgendwo schriftlich vermerkt, ab wann und warum die Malereien in der Taucher Kirche mit grauer Farbe übertüncht worden sind. Ein Anstrich, der sogar noch zweimal erneuert worden ist, wie der Restaurator festgestellt hat. Es sind also noch viele spannende Fragen zu beantworten.

Derzeit finden in der Taucher Kirche die restauratorischen Voruntersuchungen statt. Auch Vertreter der Denkmalschutzbehörde waren schon vor Ort. Im Frühjahr nächsten Jahres sollen zunächst wie geplant das Dach und das Dachtragwerk der Kirche erneuert werden. "Im Anschluss daran könnte dann der Altar restauriert werden", sagt der Pfarrer. "Wir sind jetzt auf der Suche nach Fördermitteln."

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