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Wriezener Team siegt bei den Deutschen Meisterschaften im Pfeife-Langsamrauchen / Teilnehmer von Erfolg überrascht

Mit Dampf, Charme und Melone

So sehen Sieger aus: Nico Brennecke, Nils Nestler und Eckhard Brennecke (v. l.) freuen sich über ihren Meistertitel.
So sehen Sieger aus: Nico Brennecke, Nils Nestler und Eckhard Brennecke (v. l.) freuen sich über ihren Meistertitel. © Foto: Sören Tetzlaff
Christina Schmidt / 26.09.2013, 07:50 Uhr
Wriezen (MOZ) Der Pipe-Club Wriezen hat am Wochenende die Deutsche Meisterschaft im Pfeife-Langsamrauchen gewonnen. Auch in der Einzelwertung setzte sich Teammitglied Nils Nestler gegen die Konkurrenz durch. Für die Oderbrücher ist es ein mehr als unerwarteter Triumph.

Deutsche Meister werden in vielen Sportarten in ihren Heimatstädten groß geehrt - in Wriezen genießt man den Erfolg eher im Stillen. Nico und Eckhard Brennecke sowie dem frischgebackenen Einzelsieger Nils Nestler ist das erfolgreiche Wochenende anzusehen. Die leuchtenden Augen und das breite Grinsen unter den charakteristischen Melonen, die samt Weste zum Vereinsoutfit gehören, stechen heraus. Ihre Blicke schweifen immer wieder zum blinkenden großen Pokal für den Sieg sowie zum kiloschweren gläsernen Ungetüm, dem Arnold-Milcher-Wanderpokal, der nach dem Ehrenpräsidenten des Verbandes Deutscher Pfeifenrauchern benannt ist.

"Wir sind unheimlich stolz, denn mit dem Erfolg war überhaupt nicht zu rechnen", bilanziert Präsident Eckhard Brennecke. Ganz im Gegenteil, die Wriezener, die mit zwei Mannschaften an den Start gingen, traten ersatzgeschwächt nur mit je drei Teammitgliedern an. "Somit gab es kein Streichergebnis, und das war ganz schön riskant", sagt Nils Nestler. "Vielleicht haben wir den Druck aber auch gebraucht", sinniert der Präsident. Denn im Vorfeld sei so ein Erfolg keineswegs zu erwarten gewesen. "Wir haben trainiert, aber zuletzt wurde ich im eigenen Team immer von Nico geschlagen", erzählt Nils Nestler.

Am Wettkampfwochenende aber passte alles zusammen. Gemeinsam mit der zweiten Wriezener Mannschaft, in der Burkhard Miesterfeld, Lars Große und Fred Fleischer zur Pfeife griffen, reisten die Wriezener nach Arnsberg-Voßwinkel im Hochsauerlandkreis. Um dort gegen 19 andere Mannschaften aus der Bundesrepublik anzutreten. In der Einzelwertung stellten sich sogar insgesamt fast 80 Starter dem Wettbewerb. Die Bedingungen sind dabei für alle Raucher gleich, erklärt Nico Brennecke: "Um gleiche Voraussetzungen für alle zu haben, stellt der Veranstalter jedem Teilnehmer jeweils eine Pfeife, drei Gramm Tabak, einen Stopfer und zwei Streichhölzer, mit denen innerhalb einer Minute die Pfeife in Brand gesteckt werden muss." Liegt das Material bereit, haben die "Sportler" jeweils fünf Minuten Zeit, um den Tabak nach ihren Wünschen herzurichten. Darin liegt nämlich eines der Geheimnisse des Pfeife-Langsamrauchens. "Da hat jeder Club und eigentlich jeder Starter seine ganz eigenen Vorlieben. Die Italiener zum Beispiel lassen den Tabak fast zu Staub werden", weiht Eckhard Brennecke Laien in die Details ein. Zweiter wichtiger Aspekt: Die Art des Stopfens, die mit der Konsistenz des Tabaks eng verknüpft ist. Ziel ist es schließlich, die Pfeife möglichst lange am Glimmen zu lassen. "Da will jeder Zug überlegt sein, und die Konzentration ist ausschließlich auf die Pfeife gerichtet", erklärt Nils Nestler, der die Pfeife mit einer Stunde und 45 Minuten mit Abstand am längsten in Gang hielt.

Mit dem gemütlichen Pfeiferauchen bei einem Glas Wein und bei Gesprächen vor dem Kamin, hat der Wettbewerb nichts zu tun. Die Anspannung ist hoch - und gesprochen wird auch nicht. "An einigen Tischen schon, aber das lenkt ab. Deshalb machen wir das nur, um andere etwas aus der Ruhe zu bringen", sagt Eckhard Brennecke verschmitzt. Die gute Stimmung im gesamten Wriezener Raucher-Team ist ungebrochen, auch wenn die zweite Mannschaft nicht ganz an die zuvor guten Ergebnisse anknüpfen konnte und auf dem 21. Platz landete. "Man muss es so sehen: Egal, wo man hinsieht auf der Ergebnisliste, Wriezen findet man auf den ersten Blick", sagt Brennecke mit einem Augenzwinkern.

Der Erfolg der Wriezener ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Nils Nestler eigentlich gar kein Raucher ist. Die Pfeife wird lediglich zu Trainings und natürlich zu Meisterschaften entzündet. Seit 2008 ist der heute 31-jährige Rathausmitarbeiter Mitglied im Pfeifen-Club. Im sechsten Anlauf hat er jetzt den Meistertitel errungen. Damit schmücken kann er sich - zumindest bei der Mehrheit der Leute - kaum. "Die Leute horchen auf, aber wenn ich erzähle in welcher Disziplin ich aktiv bin, dann staunen viele", erzählt er. Dennoch hätten ihn viele Bekannte und Freunde unterstützt und mitgefiebert. "Vielleicht motiviert das ja auch den einen oder anderen zum Mitmachen", hofft der junge Mann. Am 9. Oktober wird um 19 Uhr am Wriezener Hafen wieder trainiert und auf den Sieg angestoßen.

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anderer Pfeifenraucher 26.09.2013 - 08:58:19

...

die "Konkurrenz" hätte ja auch teilnehmen können und zeigen was sie "kann" ..oder??

pfeifenraucher 26.09.2013 - 08:46:08

haha

Wenn man die Konkurrenz aus der eigenen Stadt nicht bei hat ist es einfach und kein wirklicher Sieg.

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