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Thüringer berichtet über Missgeschick / Erneuter Abriss-Vorstoß der Initiative Pro Kreisel

Wohnmobil bleibt unter Brücke stecken

Jens Sell / 03.10.2013, 16:06 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Erneut ist ein Tourist mit seinem Wohnmobil unter der B 158-Brücke über die Gesundbrunnenstraße steckengeblieben. Die Bürgerinitiative Pro Kreisel startet jetzt eine neue Initiative, die Hochstraße abzureißen und durch einen Kreisverkehr zu ersetzen.

Als Horst Rabe am Telefon hört, dass er nicht der erste Kraftfahrer war, der unter der umstrittenen Brücke eingeklemmt war, traute er seinen Ohren kaum: "Und warum ist das nicht schon lange geändert worden? Wie viele sollen denn noch Schaden erleiden, bis dieser Missstand behoben wird?", fragte er verständnislos.

Der Tourist aus dem thüringischen Mühlhausen war am 30. August mit seiner Frau im Wohnmobil zu seinem Studienfreund Burkhard Irrgang unterwegs, als er in die durch den Straßenbau in der Wriezener Straße bedingte Umleitung geriet. "Die Frankfurter Straße war durch den Bau nicht direkt anzufahren, die Ausschilderung der Umleitung endete unvermittelt, sodass wir uns plötzlich vor der Kurklinik wiederfanden", berichtet Rabe. Sie drehten um und fuhren auf der Suche nach einem Hinweisschild auf die Umleitung die Gesundbrunnenstraße in Richtung Königstraße hinunter. Die Aufmerksamkeit der Thüringer wurde durch die gleichrangige Einmündung der Berliner Straße, die geparkten Streifenwagen des Polizeireviers und die Suche nach Umleitungsschildern völlig beansprucht. "Ich konnte die Brücke nicht gleich richtig einsehen, machte mir aber auch keinerlei Gedanken darum, weil es in meiner langjährigen Fahrpraxis bisher nicht vorkam, dass in einer Stadt Brücken für den allgemeinen Straßenverkehr nicht hoch genug gebaut wurden." Als seine Frau das Schild sah und sagte: "Da kommst du nicht durch", war es schon zu spät: Das Wohnmobil steckte fest. "Damit war meine Besichtigungsfreude für Bad Freienwalde beendet, denn ich hatte jetzt andere Probleme zu klären", schrieb Horst Rabe an die Redaktion. Und er fügte an: "Für eine ausgewiesene Badestadt ist diese Situation kein Aushängeschild für Touristen. Zudem erscheint die Brücke sehr unansehnlich und passt nicht ins Stadtbild."

Unterdessen unternimmt der Sprecher der Bürgerinitiative Pro Kreisel, Martin Podoll, einen erneuten Vorstoß in Richtung Brückenabriss. Vor dem Hintergrund der Berichterstattung über marode Brücken und einen diskutierten Sonderfonds für deren Sanierung stellt er Forderungen an die Stadtverordneten, die er auch gleich an den Vorsitzenden des Landesfachbeirates für das Kur- und Bäderwesen im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Michael Siebke, und an den gerade wiedergewählten Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz (CDU) schickte: "Die Bürgerinitiative Pro Kreisel fordert die Bad Freienwalder Stadtverordneten auf, dem Bürgermeister ein Verhandlungsmandat zu verleihen, um zu überprüfen, ob die Bundesmittel aus dem neuen Sonderfonds für das Brückensanierungsprogramm ... auch für einen Rückbau der desolaten Hochstraßenbrücke zur Verfügung stehen; im besten Fall sogar für den Abriss aller fünf Brücken", schreibt Podoll. Der Eigenanteil der Stadt müsse in einem erträglichen Rahmen liegen und sollte dabei möglichst gering gehalten werden, betonte der Sprecher.

Podoll weist dabei auf einen Fonds, von dem bisher nur in einer vom ehemaligen Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) geleiteten Kommission die Rede war. Er solle über 15 Jahre mit insgesamt 38,5 Milliarden Euro ausgestattet werden, wurde am Montag dieser Woche berichtet.

Für die B 158-Brücke in Bad Freienwalde wäre dieser Fonds, sollte ihn eine künftige Bundesregierung auflegen, aber nicht gedacht. Die Bodewig-Kommission stützt sich bei der Bedarfsermittlung auf eine Studie, die nur von den kommunalen Brücken, also denen der Städte und Gemeinden beziehungsweise Kreisstraßen handelt. Bundesstraßen wie die B 158 werden darin gar nicht erfasst.

Der Verlauf der Debatten um den Brückenabriss und andererseits die Losung "Keine neuen Schulden für eine funktionierende Verkehrslösung" hatte indes im Sommer gezeigt, dass es den Abrissgegnern letztlich nicht mehr um Wege der Finanzierung eines Kreisverkehrs ging, sondern ganz prinzipiell um den Erhalt der Brücke. Ihr Druck auf die Stadtverordneten hatte deshalb nicht nur die Diskussion um neue Finanzierungsmöglichkeiten abgebrochen und den erneuten Beschluss herbeigeführt, dass ein Brückenabriss erst infrage komme, wenn eine Ortsumgehung der Bundesstraße gebaut sei. Er hatte auch den vorbereiteten Beschluss zur Erweiterung des Sanierungsgebietes um das Areal der Schlossparkambulanz einschließlich der Brücke verhindert, weil darin die Neugestaltung ebenfalls von einem Rückbau der Brücke ausging. Dabei hätte die Stadt dort die Chance besessen, weitere Städtebaufördermittel für ein perspektivisch wichtiges Objekt, die Schlossparkambulanz, einzuwerben.

Im unweit entfernten Strausberg hat beispielsweise man eine Erweiterung des Sanierungsgebietes um das S-Bahnhofsumfeld in Strausberg-Stadt in Potsdam durchgesetzt und kann das jetzt als Eingangstor zur Altstadt ansprechend gestalten.

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Oderlamm 08.10.2013 - 16:53:21

Was kann die Brücke dafür?

In einer fremden Stadt mit vielen Umleitungen und keine besonders gelungene Ausschilderung, da kann so ein Unfall schnell geschehen. Das ist wirklich ärgerlich. Aber für die nun wieder auflebende Brückendiskussion völlig untauglich. Wir können ja die Bäume abholzen damit keiner mehr zu Tode kommt. Wer entfacht eigentlich solch "dämliche" Diskussionen oder sind das verletzte Eitelkeiten?

anja 04.10.2013 - 20:16:42

Verkehrsunfähig

Wer so leichtsinnig und selbstüberschätzt ein Fahrzeug führt, sollte der Führerschein in Frage gestellt werden. Seine Frau sagte noch: da passt du nicht durch. Hier ist nur die absolute Unfähigkeit eines Verkehrsteilnehmers wie es sie zu tausenden gibt dargestellt. Es gibt in Deutschland massenhaft niedrige Durchfahrten und es gibt immer irgend einen Trottel der seine Fahrzeughöhe nicht kennt und es in solch ein Nadelöhr rammt.

J. Kretschmer 04.10.2013 - 09:58:51

Sachlichkeit sieht anders aus

werter Herr Egon P. Klar man holt sich extra ein Ehepaar aus Thüringen dazu nach Freienwalde. Vielleicht wäre es doch besser sich auch mal mit den Ursachen näher auseinanderzusetzen. Aber irgendwie passt das sehr gut in die gegenwärtige Diskussion wozu Freienwalde überhaupt den Kurstadtstatus und Touristen braucht

Egon P. 03.10.2013 - 16:25:19

Pro Kreisel

War der Herr aus dem Thüringischen vielleicht angeheuert, um der Initiative neuen Schwung zu verleihen?

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