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Sorgen um Bohms Erbbegräbnis

© Foto: Margrit Höfer
Irina Voigt / 05.10.2013, 07:20 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Das Erbbegräbnis der Familie Bohm auf dem evangelischen Friedhof in der Schöneicher Allee ist unter Denkmalschutz gestellt worden. Das hindert das Monument aber nicht daran, langsam zu verfallen. Klaus Häcker ist nicht der Einzige, der sich um den Erhalt des Grabmals sorgt.

Eins hat Klaus Häcker mit seinem Engagement schon erreicht: Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege hat das Erbbegräbnis der Familie Bohm auf dem evangelischen Friedhof unter Denkmalschutz gestellt. Dazu gehört auch eine ausführliche Beurteilung des Zustandes des Grabmals.

Die gab der Gemeindevertreter auf der jüngsten Sitzung allen anderen Gemeindevertretern zur Kenntnis und bat gleichzeitig um Hilfe. Denn mit der Unter-Schutz-Stellung sind ihm nunmehr die Hände gebunden, wie er berichtete. Die achtstufige Freitreppe, die das Betreten des erhöhten Rondells ermöglicht, droht inzwischen, auseinander zu fallen. Die Mitarbeiterin auf dem Friedhof, Ramona Albrecht, hatte den engagierten Fredersdorfer um Unterstützung gebeten. Aber "ich darf diese Treppe nicht mehr in Eigenleistung verfugen", sagte Häcker, denn dafür sei spezieller Mörtel erforderlich. Die Untere Denkmalbehörde habe ihm empfohlen, ein Konzept zu erstellen und einzureichen, um Arbeiten in Gang setzen zu können. Häcker hofft, dass sich die Gemeindevertreter - so wie er selbst - engagieren und sich des Themas annehmen würden. Er beantragte, das Thema in einer der nächsten Bauausschusssitzungen zu behandeln.

Fast 130 Jahre alt ist das riesige Grabdenkmal, dessen goldene Inschrift jedem Fremden sagt, wer hier seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Es ist die Familie Bohm, steht dort. Zwei Särge und acht Urnen haben unterhalb des mit sechs Granitsäulen bestückten Denkmals Platz gefunden.

Fabrikbegründer Carl Gottlob Bohm, der, so liest man in der Familienchronik, "am 7. Juni 1883 im Alter von 72 Jahren, acht Monaten und sechs Tagen, frühmorgens um 5 Uhr verstarb", ruht hier neben seiner Ehefrau Wilhelmine und weiteren Verwandten. Eine Mühlenbau-Anstalt hatte er Mitte der 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts in Fredersdorf gegründet, später wurde die Firma umgewandelt und produzierte Apparaturen für die Spirituosen-Herstellung. Dazwischen war sie bekannt für ihre Schleifmaschinen. So war die Fredersdorfer Fabrik am Bau der Siegessäule (Gold-Else) in Berlin beteiligt. Mehr als 100 Angestellte - das war die Hoch-Zeit der CG Bohm-Fabrik Fredersdorf.

Neben dem Gut war die Firma Bohm Hauptarbeitgeber im Ort und machte die kleine Gemeinde an der Ostbahn zu einem Industriestandort. Von der ganzen Fabrikanlage einschließlich Eisen- und Kupfergießerei sowie Elektrizitätswerk hat sich bis heute nur die Halle mit Resten eines "Klinkergesichtigen Schaugiebels" in der ehemaligen Bohmstraße - heute Fließstraße - erhalten.

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege stellte in seinem Gutachten fest, "das Erbbegräbnis kündet somit von der ortsgeschichtlichen Bedeutung der Fabrikantenfamilie Bohm, deren letztes bauhistorisch überliefertes Zeugnis es zugleich darstellt". Zugleich wird dem Grabmal neben der baugeschichtlichen Bedeutung auch eine Kunsthistorische zugemessen. Es sei ein besonders "qualitätsvolles Zeugnis einer Grabanlage des späten 19. Jahrhunderts und sei auf dem ansonsten schlichten Friedhof zugleich ein Blickpunkt von städtebaulicher Dominanz".

Für Bürgermeister Uwe Klett hat der Erhalt und die Sanierung dieses Grabmals nicht die erste Priorität, wie er auf Häckers Anfrage hin zu verstehen gab. "Wir haben eigene Denkmäler, um die wir uns kümmern müssen", sagte er und spielte damit auf den alten Gutshof und die Adolf-Hoffmann-Villa an. Das Grabmal gehöre der evangelischen Kirche und man werde sich damit befassen, wenn der Friedhofsvertrag unter Dach und Fach sei.

Von der Landes-Denkmalbehörde gab es zudem die Empfehlung, sich mit einem Verein zusammenzutun, um das Erbbegräbnis zu erhalten, denn Geld werde es von der Behörde für die notwendigen Arbeiten nicht geben. "Auf alle Fälle sollten sich alle Beteiligten einig sein, dass nicht etwa Frau Ingeborg Bohm als letzte Familienangehörige für die Bewahrung dieses für die Fredersdorfer Ortsgeschichte so bedeutsamen Kulturdenkmals verantwortlich gemacht werden kann", schrieb Ingetraud Senst vom Landesamt auch an die evangelische Kirchengemeinde. Sie bot den Fredersdorf-Vogelsdorfern aber auch an, zum Denkmalwert dieser Anlage und der Friedhofskapelle einen Vortrag zu halten - vielleicht im Kreise des Fredersdorfer Heimatvereins.

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