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Agrargenossenschaft Odertal plant neuen Stall / Vorhaben spaltet Lüdersdorf / Entscheidung steht aus

Wie viel Schwein darf's sein?

© Foto: MOZ
Viola Petersson / 06.10.2013, 09:37 Uhr
Parsteinsee (MOZ) Die Agrargenossenschaft Odertal will in Lüdersdorf investieren und eine neue Schweinehaltungsanlage errichten. Mit insgesamt 3548 Tierplätzen. Doch im Dorf regt sich Widerstand. Etliche Anlieger haben schon jetzt die Nase voll. Ihnen stinkt's.

Sieglinde Päpke ist es leid. Sie wohnt mit ihrem Mann unmittelbar an den Schweineställen in der Kirschenallee. "Mein Mann ist hier geboren", sagt die Lüdersdorferin. Mit großem Aufwand haben sie das Haus nach der Wende ausgebaut. Lärm, Schmutz und Geruch seien schon jetzt kaum mehr erträglich. "Und dann soll noch ein riesiger Stall dazukommen", empört sie sich.

Nachbarin Marina Netzker, eine echte Lüdersdorferin, bekräftigt: "Schlafen bei offenem Fenster oder im Freien Wäsche trocknen, das geht überhaupt nicht." Am schlimmsten sei einfach die Geruchsbelästigung. "Den größten Gestank verursacht das Güllerühren", sagt Netzker. Sie habe überhaupt nichts gegen Landwirtschaft, betont sie. Ihr Mann habe schließlich früher als Maurer in der LPG gearbeitet. "Aber nicht so!" Die Anlieger würden beispielsweise den "Dreck auf der Straße wegmachen". Das ginge nicht an. Zudem beklagt Netzker: "Die Gemeinde steht nicht hinter uns."

Sieglinde Päpke und Marina Netzker sind zwei jener Lüdersdorfer, die gegen die Pläne der Agrargenossenschaft ihr Veto eingelegt haben. Insgesamt sind 30 Einwände geltend gemacht worden, heißt es beim sogenannten Erörterungstermin. Das Landesumweltamt hat dazu eingeladen. Mit dem Ziel, noch einmal die Argumente, Pro und Contra, auszutauschen. Im Februar, so ist zu erfahren, hat die Agrargenossenschaft beim Landesumweltamt die Genehmigung zur Neuerrichtung und zum Betrieb beantragt. Die neue Anlage umfasst einen Schweinestall mit Abluftreinigungsanlage, sechs Futtersilos, Kadavercontainer sowie einen Güllehochbehälter.

Auf Nachfrage von Bürgermeister Hans-Jürgen Otto nennt der Betrieb konkrete Zahlen: Der neue Stall sei für insgesamt 3548 Tiere konzipiert, 2264 Plätze in der Schweinemast und 1284 Plätze für die Ferkelaufzucht. Damit würde sich die Zahl der Schweine am Standort Kirschenallee deutlich erhöhen. Denn: In den jetzigen, den alten Ställen hält die Genossenschaft 2425 grunzende Vierbeiner. Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage würde sich die Zahl dort zwar auf 1012 reduzieren, gibt das Unternehmen zu Protokoll. Die alte Anlage werde aber - nach Modernisierung - weitergenutzt, heißt es. Insgesamt rechnet die Genossenschaft folglich mit 4560 Tierplätzen.

Ein Raunen geht durch die Bürgerschaft. Warum hat die Agrargenossenschaft keinen alternativen Standort geprüft? Plant das Unternehmen auch eine Biogasanlage? Was ist mit der Verkehrsbelastung, wer kommt für die Straßenschäden auf? Wie viel Gülle fällt künftig an, und warum soll der alte Behälter mitgenutzt werden? Immer wieder haken die Anlieger nach.

Allein: Auf viele Fragen bleibt das Planungsbüro der Genossenschaft eine für die Betroffenen befriedigende Antwort schuldig. Zumal das Landesumweltamt im Wesentlichen nur die neue Anlage betrachtet und prüft. Lediglich für die sei die Genehmigung beantragt, so die Vertreterin. Was bei den Anliegern freilich auf Unverständnis stößt. Für sie potenzieren sich die Probleme und die Belastungen.

Heiderose May, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft, indes weist darauf hin, dass der neue Stall mit einer Abluftreinigungsanlage versehen wird. Damit gehe man sogar über die gesetzlichen Forderungen Brandenburgs hinaus. Im Übrigen sei das Vorhaben unter dem Aspekt des nachhaltigen Wirtschaftens zu betrachten. Mit den Schweinen beliefere man die Lunower Landfleischerei. "Kürzere Transportwege gibt es nirgends."

Die Gemeinde Parsteinsee hat dem Vorhaben zugestimmt und das sogenannte gemeindliche Einvernehmen erteilt. Allerdings unter der Bedingung, dass die Genossenschaft einen Filter einbaut, so Bürgermeister Otto.

Wann mit einer Entscheidung zum Antrag zu rechnen ist, ließ das Landesumweltamt offen.

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