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Vor zehn Jahren wurde die Großgemeinde Rietz-Neuendorf gebildet / Ein Interview mit Bürgermeister Olaf Klempert

Die Musik spielt in den Ortsteilen

Vor dem Rathaus in Rietz-Neuendorf: Bürgermeister Olaf Klempert ist seit zehn Jahren Bürgermeister, davor war er auch schon Verwaltungschef.
Vor dem Rathaus in Rietz-Neuendorf: Bürgermeister Olaf Klempert ist seit zehn Jahren Bürgermeister, davor war er auch schon Verwaltungschef. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Ruth Buder / 08.10.2013, 06:50 Uhr
Rietz-Neuendorf (MOZ) Vor zehn Jahren wurden mit den Kommunalwahlen neue Gebietskörperschaften, neue Großgemeinden gebildet. Auch die Großgemeinde Rietz-Neuendorf entstand. Sie umfasst 14 Ortsteile auf 190 Quadratkilometern. MOZ-Redakteurin Ruth Buder fragte Bürgermeister Olaf Klempert nach seiner Bilanz.

Erinnern Sie sich noch, verlief der Zusammenschluss der Gemeinden freiwillig?

Nein, nicht alle waren freiwillig bereit für die Großgemeinde, Glienicke und Alt Golm kamen 2003 per Gesetz dazu, die anderen Orte hatten sich schon Ende 2001 auf der Grundlage eines öffentlich-rechtlichen Vertrages zusammengeschlossen.

Sie waren vorher schon Verwaltungschef und Amtsdirektor, 2003 wurden Sie zum Bürgermeister gewählt. War die Großgemeinde der richtige Schritt?

Es war eine vernünftige Lösung, die aber nur funktionierte, weil es so viele engagierte Leute gab und gibt, die das gesellschaftliche Leben in den Orten nicht einschlafen ließen. Ich meine die Ortsvorsteher, die Senioren und ihr aktiver Beirat, die Vereine, die Feuerwehren und viele Einzelpersonen, die dafür sorgen, dass auf den Dörfern etwas los ist.

Die Verwaltung hatte es nach dem Zusammenschluss einfacher, weil sie nur noch einen Haushalt verwalten musste mit relativ viel Geld, und nicht 14 einzelne Haushaltspläne, wo der Euro hinten und vorne nicht reichte.

Aber traten dann nicht andere Befindlichkeiten auf, wenn es um die Verteilung des Geldes bei den Investitionen ging?

Natürlich macht man es nie allen recht, aber bei uns ist es die Regel, dass die Ortsvorsteher vor der Haushaltsdebatte angehört werden, dass sie erkennen, was im Moment geht, was nicht, wann sie mit ihren Investitionen rechnen können. Dafür haben wir einen von den Gemeindevertretern beschlossenen Investitionsplan. Und wichtig ist, dass in allen Orten etwas passiert, dass die Investitionsmittel über die Jahre gerecht pro Kopf verteilt werden, dafür habe ich eine Liste, die jeder einsehen kann.

Wie viel Geld ist denn in den letzten zehn Jahren in Straßen und Gebäude in Rietz-Neuendorf investiert worden?

Rund 17 Millionen Euro, davon sind acht Millionen Euro Fördermittel. Und es ist uns gelungen, immer ausgeglichene Haushalte zu verabschieden, ich halte nichts von Haushaltsicherungskonzepten. Letztendlich wird das Geld nicht mehr.

Worauf haben Sie und die Abgeordneten besonderen Wert gelegt?

Auf unsere Schule in Görzig, auf die Kitas und die Feuerwehren. Hier wurde beständig Geld hineingesteckt, auch wenn noch nicht alles zur Zufriedenheit ist. Allein in die Schule sind eine halbe Million Euro geflossen. Aber ein Anbau für die Kita und die Integrierte Ganztagsbetreuung ist dringend erforderlich, das ist als nächstes Vorhaben eingeplant.

Apropos Kita, Sie haben neben Görzig noch drei Kitas. Wie ist ihr Zustand?

Die Kitas in Buckow und Glienicke sind in den letzten Jahren saniert worden, für Pfaffendorf prüfen wir gerade eine komplexe Sanierung. Unsere Kitas, wo noch selber gekocht wird, sind stark nachgefragt, auch von Eltern, die nicht hier wohnen. Derzeit haben wir 30 Neuanmeldungen.

Sie sprachen das gesellschaftliche Leben in den Dörfern an, wie sind die räumlichen Bedingungen?

Auch hier sind in den letzten zehn Jahren rund 700 000 Euro ausgegeben worden, um die Dorfgemeinschaftshäuser auf Vordermann zu bringen. Nachholbedarf haben wir in Neubrück, wo ja gegenwärtig der ehemalige Gasthof "Spreeperle" saniert wird und 2017 fertig werden soll, und in Behrensdorf. Der dort zur Verfügung stehende Raum ist viel zu klein, aber ein Investitionsplan unter Einbeziehung des gemeindlichen Wohnhauses liegt schon in der Schublade.

Sie leisten sich, im Gegensatz zu anderen Gemeinden, noch in jedem Ort eine Feuerwehr ...

Das soll auch so bleiben, auch wenn wir Probleme mit der Tagbereitschaft haben. Deshalb haben wir Löscheinheiten gebildet und erwarten von den örtlichen Wehren, dass sie zusammenarbeiten und ihre Einsatzbereitschaft sichern. Investiert wird immer, jetzt erst wieder in Wilmersdorf, das Gerätehaus in Buckow steht in den nächsten zwei Jahren an.

Die demografische Entwicklung macht insgesamt auch nicht vor der Gemeinde Rietz-Neuendorf halt. Wie sieht die Einwohnerentwicklung aus?

Seit 2005 hat sich die Einwohnerzahl von 4532 auf 4156 reduziert. Der Anteil der Einwohner über 60 Jahre lag 2005 bei 25,31 Prozent. Erstmals zum 30. Juni 2013 ist er über 30 Prozent, auf genau 30,20 Prozent, angestiegen.

Gibt es schon Reaktionen auf die immer älter werdende Bevölkerung?

Wir investieren zum Glück noch in Kitas, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass wir mal "Kitas" für Senioren haben, Einrichtungen, wo sie den Tag verbringen, um nicht zu vereinsamen und Fürsorge erfahren, wenn die Kinder zur Arbeit müssen. Auch über einen Einkaufsshuttle, der zu bestimmten Zeiten die älteren Bürger zum Einkaufen abholt und wieder nach Hause bringt, denken wir nach. Die medizinische Versorgung, wir haben drei Allgemeinmedizinische Praxen, ist noch gesichert.

Sie dürfen noch bis 2019 Bürgermeister sein, aber es wird schon wieder an einer neuen Kommunalreform gebastelt. Wie sollte die nach Ihren langjährigen Erfahrungen mit Zusammenschlüssen aussehen?

Ich würde eine gemeinsame Verwaltung für die Großgemeinden Tauche und Rietz-Neuendorf und die Stadt Friedland vorschlagen. Diese sollte sich in der Mitte, im Lindenberger Schloss, befinden. Alle drei Groß-Kommunen sollten aber einen hauptamtlichen Bürgermeister erhalten, damit die Demokratie am Leben bleibt. Ein Zusammenschluss mit Beeskow fände ich problematisch, denn hier liegen die Probleme ganz anders als im ländlichen Raum.

Was möchten Sie als Bürgermeister noch erleben?

Einer meiner größten Wünsche - und nicht nur meiner - ist der Bau des Radweges auf der ehemaligen Bahnstrecke Beeskow-Bad Saarow durch unser Gemeindegebiet. Von den hier radelnden Touristen könnten alle profitieren. Die Wege sind geebnet, die Gemeinde ist bereit, ihren finanziellen Anteil zu leisten. Jetzt brauchen wir eine Million Fördermittel, um die Idee realisieren zu können.

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