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Lichtenbergs Bismarckturm entsteht wieder / Sein Vorgänger war eine Holländermühle

"Wuchtiges Denkzeichen" aus Stein

Mit Bleistift: Marie von Werder hat die Ruine der Windmühle bei Lichtenberg am 5. Juni 1859 gezeichnet.
Mit Bleistift: Marie von Werder hat die Ruine der Windmühle bei Lichtenberg am 5. Juni 1859 gezeichnet. © Foto: Stadtarchiv
Ralf-Rüdiger Targiel / 21.10.2013, 07:55 Uhr
Frankfurt (MOZ) Nach und nach lassen die Lichtenberger ihren Bismarckturm wieder errichten. Im Stadtarchiv lässt sich einiges über dessen Geschichte erfahren.

In Lichtenberg wird die 2006 begonnene und bald wieder eingestellte Sanierung des ehemaligen Bismarckturmes fortgesetzt. Vielleicht gelingt es jetzt, die Bauarbeiten soweit fortzuführen, dass der von Rudolf Schulz (1854-1907), dem einstigen Besitzer unter anderem der damals im Kreis Lebus gelegenen Rittergüter Rosengarten und Lichtenberg, finanzierte Bismarckturm wieder entsteht? Seine Einweihung in den Abendstunden des 1. April 1906 war damals ein im ganzen Kreis Lebus beachtetes Ereignis.

Als Landrat Dr. Kleiner in Gegenwart der vereinigten Kriegervereine Lichtenberg-Markendorf-Rosengarten und der Ehrengäste aus Falkenhagen, Letschin, Markendorf, Seelow, Sieversdorf, Tzschetzschnow und Wollup den Turm weihte, schlugen hoch oben die Flammen aus der Feuerschale. Im benachbarten Frankfurt erfuhr man spätestens am nächsten Tag aus der Zeitung vom neuen "wuchtigen Denkzeichen" und so wird sich mancher Frankfurter vorgenommen haben, dorthin zu wandern.

Der Bismarckturm entstand auf dem unteren Teil einer Windmühle. Marie von Werder, der Tochter des bei der Frankfurter Regierung beschäftigten Forstmeisters Bruno von Werder verdanken wir die (bisher) älteste bekannte Ansicht des Bauwerkes - nach der von ihr gezeichneten Skizze war der etwa zehn Meter im Durchmesser große, aus Feldsteinen errichtete Bau am 5. Juni 1859 eine Ruine.

Die Geschichte der Mühle geht auf das Jahr 1694 zurück. Nachdem der Frankfurter Bürgermeister und Inhaber der Adler-Apotheke am Markt, Melchior Genge, als Lehnsträger das Gut Lichtenberg übernommen hatte, ließ er gleich vom Baumeister Peter Mathes die Windmühle errichten. Es war eine Holländerwindmühle, der zu dieser Zeit modernste Typ einer Windmühle, die die klassischen Bockwindmühlen verdrängen sollte. Bei dieser Mühle musste nur noch die obere Kappe und nicht mehr die ganze Mühle in den Wind gedreht werden. Wir wissen nicht, woher Genge diesen Mühlentyp kannte, er war jedoch ein kundiger Mann, der mit etlichen Professoren der Frankfurter Universität, die einst die fortschrittlichen Niederlanden bereist hatten, im Kontakt war. Am 21. November 1694 trat die Mühle erstmals in Aktion. Da sie noch etwas besonders in der Gegend war, soll dies extra in einem Kirchenbuch vermerkt worden sein: "Es war nicht eine nach unserer Landes-Art gebaute Windmühle, sondern unter dem Gebäude war eine von Mauerwerk aufgebaute Stube".

Am 18. April 1696 verstarb Melchior Genge in Frankfurt. Seine Witwe Eva Theodora, die Tochter des Frankfurter Pfarrers Martin Heinsius, führte als Lehnsfrau über das Gut Lichtenberg seine Geschäfte weiter. Da kam es am 16. Oktober des gleichen Jahres, einem Feiertag früh um 5 Uhr, zur Katastrophe. Nach dem erwähnten Kirchenbuch entstand das Feuer "oben am Dache bey der geflügelten Welle, alß welche in der Messing-Pfanne ging. Die Ursache des entstandenen Feuers hatt mann nicht eigentlich errathen können." Man vermutete die schnelle Bewegung der Mühlenteile als Ursache. Etliche gaben dem Müller die Schuld, "dass er nicht fleißig genug geschmieret".

Wir wissen nicht, ob Eva Theodora Heinsius verw. Genge noch selbst die Mühle wieder aufbauen ließ. Sie verstarb nicht unvermögend 1728. Sie hinterließ ihr Frankfurter Haus der Marienkirche und errichtete verschiedene Stiftungen, unter anderem zu Gunsten der Predigerwitwen. Selbst als Tochter eines Pfarrers war ihr sicher die Wiederherstellung der Lichtenberger Kirche wichtiger. Nach dem im Jahr nach dem Mühlenbrand auch noch der Turm der Lichtenberger Kirche einstürzte, ließ sie die Kirche umfänglich sanieren und wohl auch noch 1703 beim Frankfurter Maler Jo. Allardt einen heute noch vorhandenen Altaraufsatz fertigen.

Die Gutsverwaltung wurde von der Familie Heinsius fortgesetzt. Spätestens 1745 war die Mühle von ihnen erneut aufgebaut, denn dann wird für Lichtenberg wieder eine Windmühle genannt.

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