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Untersuchung ergab: Naturerlebnis ist kaum ohne Windkraftanlagen in Sichtweite möglich

Wildnis mit Windrad-Kulisse

Rotorblätter über Waldhängen: Zwischen Alt-Galow und Stolpe bietet sich Nationalparkbesuchern dieses Bild. Eine Analyse der Hochschule Eberswalde ergab, dass nur 39 Prozent des Schutzgebietes ungestört von Windkraftanlagen in Sichtweite erlebbar sind.
Rotorblätter über Waldhängen: Zwischen Alt-Galow und Stolpe bietet sich Nationalparkbesuchern dieses Bild. Eine Analyse der Hochschule Eberswalde ergab, dass nur 39 Prozent des Schutzgebietes ungestört von Windkraftanlagen in Sichtweite erlebbar sind. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 23.10.2013, 21:00 Uhr
Criewen (MOZ) Der Nationalpark ist von 136 Windrädern umzingelt, die für Besucher sichtbar sind. In Sorge um das eingeschränktes Wildnis-Erlebnis im Gebiet hat der Nationalpark untersuchen lassen, wie groß ihre Beeinträchtigung und die weiterer 85 geplanter Windmühlen ist.

Frank Torkler von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde fasst die Ergebnisse so zusammen: "Der Einfluss sichtbarer Windräder ist nicht dramatisch, aber deutlich nachweisbar." Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat der Geoinformatiker Daten erhoben, ein Geländemodell erstellt, Bewertungskriterien festgelegt und das Ergebnis am Mittwoch erstmals öffentlich im Nationalpark-Kuratorium vorgestellt. Demnach sind nur zirka 39 Prozent der Nationalparkfläche gänzlich ohne Einfluss der hohen Windspargel, rotierenden Flügel oder blinkenden Lichter erlebbar. Ohne Einfluss heißt, dass man keine Windräder sieht oder nur in einer Entfernung von mehr als zehn Kilometer.

Mehr als die Hälfte des Nationalparks weist eine leichte bis mittlere Sichtbarkeit von Windkraftanlagen aus. Nur sehr punktuell reicht die Bewertung bis hoch. Teilweise sind die Windkraftanlagen nicht komplett zu sehen, im Schatten von Wäldern oder nur bei besten Sichtverhältnissen.

"Natürlich kann man bei bester Sicht auch einen Windpark in 30 Kilometer Entfernung sehen und genauso bei schlechter Sicht nicht einmal das Windrad in 250 Meter Entfernung. Bei unserer Bewertung der Sichtbarkeit handelt es sich daher um Mittelwerte", erklärt der Wissenschaftler. Dennoch haben er und sein Team versucht, sehr genau zu sein. Sie überzogen den Nationalpark mit einem Raster von zehn mal zehn Meter und erhielten damit mehr als elf Millionen Bewertungspunkte. Auch Lücken in Hecken oder Baumreihen wurden berücksichtigt, unterschiedlich hohe Baumarten, die Dominanz der nächstgelegenen Windräder usw.

Am dichtesten zum Nationalpark stehen die Windfelder in Neukünkendorf und Parstein mit 1,2 bis 1,5 Kilometer Entfernung zur Parkgrenze. Werden die neuen Windeignungsgebiete genehmigt, die die Regionalplanung bereits öffentlich vorgestellt hat, würde sich die von Windrädern unbelastete Fläche des Schutzgebietes noch einmal um neun Prozent reduzieren, so die Analyse. Nördlich von Mescherin und in Vierraden sind neue Windräder geplant, nah genug, um neue Sichtbelastungen zu erzeugen oder vorhandene zu erhöhen.

Der vorgelegten Sichtbarkeitsanalyse sollen noch weitere Untersuchungen folgen. Die Ergebnisse sollen auf das Wegenetz im Schutzgebiet heruntergebrochen werden. Fotomontagen der geplanten Windräder sollen die Bewertung erleichtern. Ebenso eine Studie, ob gezielte Anpflanzungen zwischen Windrädern und Park die Sichtbelastung reduzieren könnten.

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Fan der Uckermark (noch...) 29.10.2013 - 16:41:47

Zu viele WIndräder führen den Nationalpark ad absurdum

Leider kann ich den Kommentar von Dr. Gerlach nicht nachvollziehen. Der Nationalpark hat recht, wenn er sich um die Landschaft sorgt. Die Uckermark zeichnet sich durch ihre landschaftliche Schönheit aus, das macht sie interessant für Touristen, aber auch für Bewohner und Pendler, die Einkommensteueranteile und Kaufkraft in die Region bringen. Mit dem weiteren Ausbau wird das teilweise kaputt gemacht. Für einen Nationalpark ist es wichtig, dass die umliegende Umgebung als Puffer dient - sonst kommen z.B. die Vögel nicht mehr durch zum Park, wenn eine WIndradkulisse die Flugrouten stört. Und jeder weiß inzwischen, dass die Energiewende reformiert werden muss, da die Subventionen in die falsche Richtung führen - warum also mit aller Not die Uckermark noch schnell ihrer Vorteile berauben??? PS: Woher stammen denn die Gelder, die Anlagenbauer in Gutachten investieren? Doch nicht etwa aus der EEG-Umlage und damit vom Bürger?

windjammer 24.10.2013 - 11:00:49

Wer hat die Gesetze geschrieben???

Eine berechtigte Frage. Ich frage mich nur noch, wer denn mal den "Windradmüll" beseitigen wird. Seit geraumer Zeit reichen die Gelder der Windmüller nicht mal mehr für eine angebrachte Wartung. Das die Windräder keine brauchbaren Stromversorger sind, ist doch nun auch amtlich. Bleibt die Frage: Warum stellt man weiterhin Windräder auf??? Am Ende müssen die Windradgebiete wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Sicher schafft die noch fragwürdige neue Regierung da Ordnung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dr. Gerlach 24.10.2013 - 09:24:58

Sogar im Nationalpark sind Windräder zu sehen

Verwundert werden sich manche fragen, wozu diese "Untersuchung"? Wo die Windräder stehen oder stehen werden, dazu gibt es offizielle Unterlagen. Dass Windkraftanlagen sichtbar sind und immer sichtbarer werden, das weiss auch jeder. Und dass sogar Nationalparkbesucher sie gelegentlich sehen müssen, das wird sich angesichts der Wende hin zu regenerativen Energien nicht vermeiden lassen. Aber dass der Hintersinn der staatlichen Nationalparkverwaltung ist, Material für Einwendungen gegen die Planungen einer anderen staatlichen Einrichtung (Regionale Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim) zu bekommen, erarbeitet von einer dritten staatlichen Einrichtung, der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung, Kostenpunkt 21 896 Euro, das findet die Nationalparkverwaltung sicher in Ordnung, gibt es doch für alles eine rechtliche Grundlage, wie z.B. eine Passage im 1000-seitigen Werk des Nationalparkplans, erarbeitet von der staatlichen Einrichtung Nationalparkverwaltung. Klar. Man hat ja nur seinen gesetzlichen Auftrag erfüllt. Doch wer hat die Gesetze denn geschrieben?

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