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Experten sehen Entsorgung in Kompostieranlage als einzige wirksame Maßnahme gegen Miniermotte

Das Kreuz mit dem Kastanienlaub

Doris Steinkraus / 07.11.2013, 07:01 Uhr
Seelow (MOZ) Das Thema Kastanienlaub beschäftigt seit Jahren nicht nur Naturfreunde. Viele wollen etwas gegen die Mieniermotte, die Jahr für Jahr gefräßiger wird, tun. Allein, sie wissen nicht, wohin mit dem befallenen Laub.

"Die Sprecherin der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat in der Tagesfrage so schön erklärt, dass man das Laub verbrennen oder zu einer Kompostieranlage bringen soll", klagte ein Leser aus Neutrebbin am MOZ-Telefon. "Die nächste Kompostieranlage gibt es in Hennickendorf, also für uns nicht erreichbar. Ich würde gern mehr dafür tun, dass das Laub verschwindet. Laubverbrennung ist meines Erachtens gar nicht erlaubt."

Was Jürgen Trakat vom Umweltamt des Kreises bestätigt. Das gelte, ebenso wie die Verbrennung sonstiger Gartenabfälle, rechtlich gesehen als Abfallverbrennung. "Es ist grundsätzlich verboten, Abfälle jeglicher Art zu verbrennen", erklärt der Mitarbeiter.

Um Kastanienlaub nachhaltig zu entsorgen, sei es ohnehin schon reichlich spät, sagt Trakat. "Die Bäume haben als erste ihre Blätter verloren. Will man wirklich etwas gegen den Schädling tun, muss man die Blätter sofort wegfegen." Schon nach zwei, drei Tagen würden sich die Larven in den Boden verkriechen und dort überwintern. Im nächsten Frühjahr befallen sie dann sofort wieder die frisch ausgetriebenen Bäume. Aber natürlich halten sich auch in den verbleibenen Blättern noch viele Miniermotten auf.

Trakat empfiehlt, die Blätter unbedingt von Fachunternehmen entsorgen zu lassen. Der Landkreis bietet flächendeckend die Laubentsorgung an. Säcke gibt es für 1,40 Euro. Das Laub, egal welches, wird in eine professionelle Kompostieranlage gebracht. Wer allerdings große oder gar mehrere Bäume auf oder vor seinem Grundstück hat, für den bedeute das auch einen finanziellen Aufwand, weiß Trakat. Als Alternative kann er sich J das Vergraben vorstellen. Mindestens einen halben Meter tief müsste das Laub jedoch eingebracht werden.

Er verweist zudem auf Regelungen in den Kommunen, die allerdings meist nur die Laub-entsorgung von öffentlichen Flächen betreffen. Was eine Umfrage in einigen Verwaltungen bestätigt. Es sind in der Regel die Bau- und Wirtschaftshöfe sowie Gemeindearbeiter, die das von den Bürgern zusammengekehrte Laub der Straßenbäume abholen.

"In Neuhardenberg und seinen Ortsteilen wird das noch bis zum 16. Dezember regelmäßig erfolgen", sagt Jutta Lutter vom Amt Neuhardenberg. Sie dankt den Anwohnern, die seit Jahren zuverlässig das Laub auf den Grünflächen, die der Gemeinde gehören, zusammenfegen. Im Amt Golzow gibt es eine Vereinbarung mit der Firma Thielbeer. Die Bürger in Küstriner Vorland, Golzow und Alt Tucheband können das Laub dort entsorgen. "Auch Kastanienlaub", sieht es Amtsdirektor Lothar Ebert. Bei der Fülle der Kastanienbäume seien groß angelegte Sonderaktionen kaum möglich.

Die realisiert derzeit nach wie vor die Arbeitsfördergesellschaft Märkische Schweiz Müncheberg (AFG). Angesichts des erheblichen Schadens, den die Miniermotte anrichtet, hat der Bund vor Jahren das Beseitigen des Kastanienlaubs als förderfähige Maßnahmen anerkannt. Acht Frauen und Männer würden in verschiedenen Kommunen speziell das Kastanienlaub wegschaffen. "Wir bereiten Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt vor", sagt Geschäftsführer Joachim Kretschmann. "Die Kastanienlaubaktion ist eine zusätzliche und sehr sinnvolle Beschäftigung im Interesse der Allgemeinheit." Die AFG hat Partner, über die das belastete Laub entsorgt wird.

Beispiele zeigen übrigens, dass bei sofortiger Beseitigung der ersten fallenden Kastanienblätter der Befall im Jahr darauf deutlich zurückgeht. Die Miniermotte schafft nicht bis zu sechs Generationen. Der Befall setzt später ein, ist aber nicht komplett zu stoppen, da die Schädlinge durch Wind überall hin getragen werden.

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