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Wildbestand nimmt rapide zu

© Foto: Sören Tetzlaff
Ulrich Thiessen / 08.11.2013, 19:32 Uhr
Potsdam (MOZ) Im Jagdjahr 2012/13 wurde rekordverdächtig viel Wild erlegt. Hinter den hohen Abschusszahlen vor allem bei Rehen und Wildschweinen verbergen sich jedoch zahlreiche Probleme für die Land- und Forstwirtschaft.

Das Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde veröffentlichte am Freitag die sogenannte Streckenstatistik für den Zeitraum vom 1. April 2012 bis zum 31. März dieses Jahres. Die Zahlen umfassen sowohl die Abschusszahlen, Totfunde als auch durch Verkehrsunfälle getötete Tiere. Letztere machen laut Kornelia Dobias vom Landeskometenzzentrum sechs Prozent der erfassten Tiere aus.

Ein absoluter Rekord wurde bei Rehwild mit knapp 74 000 Tieren erreicht. Die höchsten Abschusszahlen lagen in den Kreisen Uckermark, Ostprignitz-Ruppin und der Prignitz. Bei Wildschweinen wurden mit 71 837 Stück 18 Prozent mehr als im Vorjahr zur Strecke gebracht. Bei Rotwild wurde ebenfalls ein neuer Rekord mit knapp 10 000 Tieren erreicht, 18 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Mit 14 357 Stück wurde auch ein neuer Rekord bei Damwild aufgestellt.

Für Kornelia Dobias ist das ein Beleg für die ständige Zunahme des Wildes. 2011/12 gab es beispielsweise in Elbe-Elster und den kreisfreien Städten gar keine erlegten Damhirsche. Ein Jagdjahr später wurden in Elbe-Elster 32 zur Strecke gebracht, in Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel je zwei und in Cottbus fünf. Nur Potsdam war ein weißer Fleck auf der Jagdkarte.

Erlegt wurden außerdem 28 286 Rotfüchse (plus 13 Prozent) und 20 274 Waschbären. Letzteres stellt eine nie zuvor erreichte Anzahl dar. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der erlegten Waschbären verdoppelt. Außerdem werden in der Bilanz 3759 Dachse (ebenfalls Rekord) aufgeführt. Hier wird jedoch darauf verwiesen, dass jeder dritte Dachs im Straßenverkehr sein Leben lässt.

Die hohen Abschusszahlen sind für Dobias kein Zeichen für neue Jagdmethoden oder eine größere Zahl an Jägern. Die Leiterin der Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwissenschaft sieht dahinter vielmehr eine ständig steigende Zahl an Wild. Vor allem die großen Maisschläge bieten Rehen, Hirschen und Wildschweinen ideale Futterreviere und für mehrere Monate auch Schutz vor Jägern.

Schon seit Jahren klagen die Forstbetriebe und Waldbesitzer über einen viel zu hohen Wildbestand in Brandenburg. Eine natürliche Verjüngung des Waldes findet faktisch nicht mehr statt, da alle nachwachsenden Bäume und jungen Triebe abgefressen werden. Der Landesforst gibt infolge dessen jährlich Hunderttausende Euro aus, um Schonungen einzuzäunen. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert in diesem Zusammenhang eine konsequentere Bejagung. Die Naturschützer werfen den Jägern vor, vor allem nach Trophäen zu jagen, beispielsweise stolze Hirsche mit ausladenden Geweihen. "Wir Jäger sind keine Schädlingsbekämpfer", sagt Kornelia Dobias. Falls man nicht wie in den USA zur Helikopterjagd übergehen will, müsse man etwas an der Landwirtschaft verändern. Sie empfiehlt, Schneisen in den Maisfeldern anzulegen. Vor allem aber dürften die Schläge nicht mehr bis an die Wälder heranreichen, was den Tieren ein gefahrfreies Wechseln ermöglicht.

Probleme sieht die Wildexpertin beim Niederwild. Zwar seien auch mehr Feldhasen (3354) zur Strecke gebracht worden als im vorangegangenen Zeitraum. Allerdings seien die Bestände ebenso wie bei Kaninchen und Fasanen weit von früheren Umfängen entfernt. Außerdem wurden 4781 Wildgänse geschossen, ein Zuwachs von knapp 40 Prozent.

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Tierfreund 12.11.2013 - 18:09:12

Abschußzahlen in Oberhavel

Es ist geradezu widerlich wie hier in den unvorstellbaren Zahlen ermordeter Wildtiere geschwelgt wird. Was treibt Menschen dazu arme Tiere zu ermorden? Mir kann keiner erzählen, daß Mufflons, Dachse und Co. Eine Gefahr für irgendetwas darstellen und deshalb erschossen werden müssen. Und ist gerade kein Tier in Sicht, wird einfach mal ein Pony zum Ziel. Das sind die gleichen Leute, die auch Igel mit Absicht überfahren! Wenn ich die Bilder der getöteten aufgeschlitzten Wildschweine sehe, sehe ich nur Tierleid und Mordlust!

Yvonne Conrad 12.11.2013 - 11:12:36

Zweifelhaftes Vorgehen

Die jährlich veröffentlichten Zahlen abermals zur Strecke gebrachter Wildtiere geben in der Tat Anlass zum Nachdenken. Dabei stellt sich zuallererst die Frage, welche Methodenstandards und Kriterien liegen hier zugrunde, die es erlauben über die Zahl getöteter Tiere quantitative Aussagen über Zu- oder Abnahmen von Wildtierbeständen über die Jahre vorzunehmen. Wie repräsentativ sind derartige Zahlen, die auf keiner unmittelbaren Bestandszählung fußen, an denen sich daneben auch alljährliche Abschussplanungen ausrichten sollten. Das ermöglicht je nach Interessenlage jeweils viel Deutungsspielraum. Was macht Dachs, Feldhase, Fuchs und Wildgans zu einer derartigen ernst zu nehmenden Gefahr in unserer heutigen an sich lebenswidrigen Kulturlandschaft, die den Abschuss dieser Tiere in 4- bis 5-stelligem Bereich rechtfertigt. Ist das als aktiver Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und des ökologischen Gleichgewichts von Seiten der Jägerschaft zu verstehen? Wer oder was rechtfertigt den Abschuss von 3354 Feldhasen, der deutschlandweit bereits seit 1994 als gefährdete Tierart auf der Roten Liste geführt wird, jedoch laut Jagdgesetz unter die jagdbaren Arten fällt. Umso zweifelhafter, gehört doch der Feldhase zu einer der Tierarten, die von der aktuellen massiven Intensivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen Lebensraumverlusten besonders betroffen ist und bereits seit längerem unter starken Populationsrückgängen zu leiden hat, von denen er sich nur schwer erholt. Wie hinnehmbar ist der Umstand, dass Jahr für Jahr Wildgänse auf ihren Zugwanderungen bejagd und dabei häufig einfach nur verletzt und krankgeschossen werden, wenn möglich noch unter Einsatz von Bleimunition. Mit welchem Selbstverständnis wird dabei auch der mögliche Tod gesetzlich geschützter Arten hingenommen. In Frage gestellt kann daneben die Sinnhaftigkeit derlei Vorgehen hinsichtlich der erfolgreichen Schadensverminderung durch Fraßschäden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Steht Bejagung von Wildgänsen doch im Verdacht, häufig eher das Gegenteil zu bewirken. Frau Dobias möchte sich und ihre Zunft nicht als „Schädlingsbekämpfer“ sehen, doch sind sie es nicht sogar selbst, die stetig bemüht sind das Bild von Fuchs und Co. als Schädling gezielt aufrecht zu erhalten? Yvonne Conrad, Schorfheide

Pael Yadmahin 11.11.2013 - 11:18:25

Weg mit dem Mais!

Was für eine Hasstirade. Unsere aller gewählten Politiker haben es der deutschen Bevölkerung eingeredet. Schmackhaft gemacht wurde und wird es mit Bonuszahlungen und Prämien. Wer soll sich darüber aufregen? Der Michel nicht. Der bezahlt die immer teurer werdenden Stromrechnungen. Es sollte noch mehr Mais angebaut werden. Das Getreide wird teurer importiert. Der Brotpreis ist immer noch viel zu billig. Migranten kaufen den preiswerten Reis.

Dr. Nico Conrad 11.11.2013 - 09:35:37

Forstabgabe für wildtiermästende Maisanbauer!

In der zweiten Überschrift des Artikels versteckt sich die Hauptursache gestiegener Wildabschusszahlen: der überbordende Maisanbau! Seit Beginn der 90er Jahre hat sich die Anbaufläche für Mais in Brandenburg verdreifacht! Zunehmende Wildabschusszahlen sind doch nur ein Symptom der fehlgesteuerten Agrarwirtschaft. Gerade in der Schorfheide hat sich in den letzten Jahren die Feldbewirtschaftung grundlegend verändert. Wo vorher Weiden, Ackerbrachen und kleinteilige Getreideflächen zu finden waren, stehen jetzt Maismonokulturen. Das sind ökologische Wüsten ohne jeden Wert, sie zerstören den Boden, die Artenvielfalt und erfordern einen hohen Einsatz von Pflanzengift. Fürs Wild bedeuten diese Monokulturwüsten Futter und Versteck zugleich – und das weit in den Herbst hinein, denn der Mais steht teils bis zum November auf den Feldern. Warum können die Agrarbetriebe, die soviel Schaden mit dem Maisanbau anrichten nicht zu einer forstlichen Abgabe verpflichtet werden? Zum einen wäre das ein wirkungsvolles Regulativ, den Maisanbau mit seinen Folgeproblemen zu reduzieren. Zum anderen hätten die Waldbesitzer Geld von den Verursachern, um ihre Schonungen einzuzäunen etc. Vermehrte Jagd ist nur Symptombehandlung! Die Ursache für die erhöhten Abschusszahlen liegt in der veränderten Feldbewirtschaftung. Weg mit dem Mais!

Janosch Janglo 09.11.2013 - 13:22:09

Herzlich Willkommen Wolf!

Die Jäger sahen sich immer als Wolfsersatz und reichten doch in punkto effektiver Wildbejagung nie an die Leistung des zu vertretenden Originals heran. Ich als Waldbesitzer begrüße die Ankunft des Wolfes, damit ich in Zukunft nicht mehr für viel Geld Zäune bauen muss, damit Wald sich verjüngen kann!

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