Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Deutsch-polnischer Oderjugendrat schließt zweijähriges Projekt mit konkreten Vorschlägen ab

Visionen für junge Leute hier und dort

Neue Freundschaften: Deutsche und polnische Teilnehmer am Projekt Oderjugendrat trafen sich zur offiziellen Abschluss-Runde in Görlitz. Auf dem Programm standen auch ein Besuch des Fürst-Pückler-Parks sowie des Tropical Islands in Brand.
Neue Freundschaften: Deutsche und polnische Teilnehmer am Projekt Oderjugendrat trafen sich zur offiziellen Abschluss-Runde in Görlitz. Auf dem Programm standen auch ein Besuch des Fürst-Pückler-Parks sowie des Tropical Islands in Brand. © Foto: Christopher Lucht
Doris Steinkraus / 09.11.2013, 07:45 Uhr
Trebnitz/Seelow (MOZ) Der Oderjugendrat war ein besonderes Detail im Moro-Projekt, das gut zwei Jahre viele Kommunalpolitiker der Region beschäftigte. Deutsche und polnische Jugendliche diskutierten in mehreren Treffen über ihre Visionen für die Grenzregion. Das Abschlusstreffen fand in Görlitz statt.

Eine Anerkennung von ganz oben. Das fanden die jungen Leute aus Polen und Deutschland schon spannend. Albrecht Gerber, Chef der Potsdamer Staatskanzlei, hatte den Oderjugendrat im August als Demografiebeispiel des Monats ausgezeichnet. Dass Jugendliche sich Gedanken machen, was verändert werden müsste, um junge Menschen in der Grenzregion zu halten, das geschieht in dieser Form nicht alle Tage.

Die Teilnehmer aus Seelow, Letschin, Kostrzyn und Boleszkowice nahmen sich auch den Ratschlag Gerbers zu Herzen, noch konkreter ihre Visionen und Wünsche zu formulieren. Zur letzten offiziellen Runde des Oderlandjugendrates erarbeiteten sie ihre Vorstellungen.

Gesundheitsvorsorge: Die Jugendlichen fordern u.a. mehr Gesundheitszentren, gut geschultes medizinisches Personal, kürzere Wartezeiten bei Medizinern oder auf polnischer Seite eine Vergünstigung bzw. Rückerstattung der Kosten für Medikamente für Jugendliche, Senioren und Bedürftige. Vorgeschlagen wird ein "Krankenhaus auf Rädern".

Mobilität: Die Forderung nach einem Rufbus hat die Politik auf deutscher Seite in einem Teil bereits umgesetzt. Ab Dezember wird das Rufbus-Angebot auf den gesamten Altkreis Seelow (außer Jahnsfelde und Trebnitz) ausgedehnt. Solch ein Modell sehen die Jugendräte generell als einen Teil, um die Mobilität weiter zu sichern, übrigens auch als Verbindung zwischen Deutschland und Polen. Die Jugendlichen wünschen sich mehr Zugverbindungen von Neutrebbin nach Frankfurt sowie einen Nachtzug von Berlin nach Kostrzyn.

Bildung: Hier waren die jungen Leute ganz kühn. Sie fordern eine Grundschule für jede Gemeinde, dazu mehr Praxis und weniger Theorie, individuelleren Unterricht, eine Schule, die keine Arbeitnehmer ausbildet, sondern Arbeitgeber und mehr Projekte außerschulischer Bildung, wie eben den Oderlandjugendrat. Groß ist der Wunsch nach mehr Praktika in der Schulzeit, auch am jeweils anderen Ufer der Oder. In Dörfern mit wenigen Kindern stellen sie sich mobile Lehrer vor, die in den meist vorhandenen Gemeindezentrum unterrichten.

Freizeitgestaltung: Empfohlen werden deutsch-polnische Kooperationsprojekte wie das Skater- und BMX-Treffen im September im polnischen Debno, privat organisiert und gesponsert. Das Event soll 2014 wiederholt und um einen Freestyle-Contest erweitert werden. Freestyle ist in Polen ebenso wie Skaten und BMX sehr verbreitet. In Kostrzyn ist der Skater-Park jedoch in einem katastrophalen Zustand, in Seelow gibt es gar keinen mehr. Als Jugendliche aus Kostrzyn versuchten, auf eigene Faust das Gelände aufzuräumen und zu erweitern, kam die Polizei. Die Jugendlichen bauten alles wieder ab und bekamen dennoch eine Anzeige. Jetzt basteln sie an einer Petition, die sie den Verwaltungen in Kostrzyn und Seelow übergeben wollen. Vorstellen können sich die Teilnehmer auch eine deutsch-polnische Jugend- oder Schulband sowie eine Broschüre, die alle Freizeitangebote auf deutscher und polnischer Seite auflistet.

Dass dies möglich ist, erfuhren die Teilnehmer bei ihrem Abschlusstreffen in Görlitz, wo es eine solche Broschüre gibt. Bewusst war Görlitz als Abschlussort gewählt worden. "Es ging darum, andere grenzüberschreitende Initiativen kennenzulernen", so Projektleiter Christopher Lucht. Görlitz und Zgorzelec sind nur durch eine kleine Brücke getrennt. Der Oderlandjugendrat erfuhr, wie internationale Jugendarbeit an der Neiße funktioniert. Das habe die Teilnehmer motiviert, den Oderlandjugendrat nicht sang- und klanglos enden zu lassen, berichtet Darius Müller, Leiter der Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz, die das Projekt koordiniert.

Die Einrichtung will den Oderlandjugendrat fortsetzen, dafür ein Anschluss-Projekt auf den Weg bringen. Denn viele der Ideen und Visionen seien es wert, weiter verfolgt zu werden. "Da wir mittlerweile Unterstützung durch Politik und Verwaltung erfahren haben, könnte das eine oder andere realisiert werden", ist Müller optimistisch. Schon für Januar 2014 ist das Folgeprojekt anvisiert, dann aber mit anderen Teilnehmern aus Seelow, Kostrzyn und Witnica, da die bisherigen Akteure jetzt in ihre Prüfungsvorbereitungen gehen.

Infos: www.oderjugendrat.eu

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG