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Zum Vorlesetag startet Waldrandschule Projekt im Pflegeheim / Mehrgenerationenhaus zeigt Puppenspiel

Kinder erzählen Oma Märchen

Andrea Weil / 16.11.2013, 06:42 Uhr
Schwedt (MOZ) Vorlesen mal umgekehrt: Schüler der Grundschule "Am Waldrand" haben zum bundesweiten Vorlesetag Senioren im DRK Pflegeheim Märchen erzählt. Im Mehrgenerationenhaus Lindenquartier gab es am Freitag ein zweisprachiges Puppenspiel.

Die Märchenstunde kam bei den Seniorenheim-Bewohnern so gut an, dass die Leitung vom Deutschen Roten Kreuz und die Schule bereits planen, daraus eine regelmäßige Veranstaltung zu machen: Einmal im Monat und auch für Menschen, die das Bett nicht mehr verlassen können, um in den Gemeinschaftsraum zu kommen.

"Dieser Generationenwechsel tut ihnen gut", sagt Ergotherapeutin Mandy Paselk. "Die Senioren blühen richtig auf und werden aktiver, wenn sie Umgang mit Kindern haben." Sie lobte die vier Schüler, die kurze, bekannte Märchen ausgesucht hatten, die die Alten teilweise mitsprechen konnten. "Das Zuhören erfordert Konzentration, aber so kommen alle schnell in die Geschichte hinein."

Nele Wiese, Annika Ginters, Jannik Rußbühl und Ivan Teterjatnik aus der Klasse 4b hatten sich passend zu ihren Märchen verkleidet: "Der gestiefelte Kater" mit Hut und angemalten Schnurrhaaren, oder ein "Rapunzel"-Zopf, ins eigene Haar geflochten. "Ich war ganz schön aufgeregt, das ist das erste Mal, dass ich vor so vielen Leuten gelesen habe", meinte Annika Ginters hinterher. "Ich glaube, alle haben sich gefreut", meinte Jannik Rußbühl. "Es kommt ja nicht jeden Tag jemand zum Vorlesen. Tatsächlich gab es langen Applaus, auch für die Ankündigung, dass die Kinder bald wiederkommen wollen. "Sie haben sehr, sehr schön gelesen, mit Betonung, sie waren richtig dabei", lobte die 89-jährige Elli Jarzembowski.

Zeitgleich waren Waldrand-Schüler in der Kita "Hans Christian Andersen" als Vorleser unterwegs. Begleitet wurden die Gruppen von Brigitte und Horst Kanngießer. Das Ehepaar leitet die Schulbücherei. "Wir haben 125 angemeldete Schüler, also etwa die Hälfte", sagte Brigitte Kanngießer. "Es gibt Kinder, die haben kein einziges Buch zu Hause, aber wir führen sie an das Lesen heran." Dazu gehört der pflegliche Umgang mit Büchern - und Vorlesen. Deshalb hatte Schulleiter Ernest Hobohm zur Belohnung am Freitag für alle zwölf Klassen je einen Vorleser engagiert. "Lesen ist der Schlüssel für das ganze Leben", meint er. "Die Kinder sollen sehen, dass Lesen nicht nur mit Schule zu tun hat." So bunt war auch die Auswahl der Vorleser: Eltern, Großeltern, ehemalige Kollegen, Doris Schulze aus der Stadtverwaltung, Theaterpädagogin Heidrun Bartsch, Stadtbibliotheksleiterin Claudia Benkert, und Vertreter der Rotary-Jugendorganisation Rotaract, die wie Carola Schickedanz von der Altstadtbuchhandlung gleichzeitig Bücher für die Bibliothek stifteten. "Es muss nicht immer ein Riesenprogramm sein, Kleinigkeiten bewirken schon viel", kommentierte Heidrun Bartsch das gelungene Leseprojekt.

Beim zehnten deutschen Vorlesetag haben am Freitag laut Stiftung Lesen rund 80 000 Ehrenamtliche in Schulen, Kitas, Zügen und Fußgängerzonen gelesen. Seit Jahren nehmen auch uckermärkische Politiker daran teil: SPD-Landtagsabgeordneter Mike Bischoff las in der Kita Kinderarche, CDU-Bundestagsabgeordneter Jens Koeppen war in der Prenzlauer Kita Freundschaft zu Gast.

Ein besonderes Vorleseerlebnis hatten Kinder im Mehrgenerationenhaus Lindenquartier: Martina Pollow und Olga Hilgenberg trugen "Die drei kleinen Schweinchen" auf Deutsch und Russisch vor, während ihre Kolleginnen mit einem Puppentheater die Geschichte lebendig werden ließen. "Wir hätten ein paar mehr Arme gebraucht, aber alle hatten einen Heidenspaß", meinte Anne Zymelka. "Auch wenn die meisten Kinder kein Russisch sprechen - einfach den Klang einer fremden Sprache zu hören, fördert das Miteinander der Kulturen."

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