Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Polizeikontrollen auf dem Bahnhofsvorplatz bestätigen Beschwerden der Barnimer Busgesellschaft

Chaotische Zustände

Kaum ein Durchkommen: So sieht es zu den Hauptverkehrszeiten am Bernauer Bahnhof aus. Die Taxen stehen in zwei Reihen und müssen, wenn sie gerufen werden, hin- und herjonglieren, um abfahren zu können.
Kaum ein Durchkommen: So sieht es zu den Hauptverkehrszeiten am Bernauer Bahnhof aus. Die Taxen stehen in zwei Reihen und müssen, wenn sie gerufen werden, hin- und herjonglieren, um abfahren zu können. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 17.11.2013, 21:48 Uhr
Bernau (MOZ) Über dem gerade fertig gestellten Bernauer Bahnhofsvorplatz braut sich neues Ungemach zusammen. Seit einer Woche finden zu den Hauptverkehrszeiten Kontrollen der Polizei statt. Was die Beamten dabei sehen, verschlägt ihnen teilweise die Sprache.

Seit einer Woche schon, jeden Morgen und jeden Nachmittag, schickt Wolfgang Arlt von der Führungsstelle der Polizeiinspektion Barnim seine Kollegen zum Bernauer Bahnhof. Sie sollen sich ansehen, was da so vor sich geht zu den Hauptverkehrszeiten, wenn Züge und S-Bahnen ankommen und die Menschen aus dem Bahnhof strömen, Radfahrer aus dem Parkhaus rollen, Busse im Zehn-Minuten-Takt Fahrgäste aus- und einladen und Taxen auf Kundschaft warten. Alarmiert worden war er durch ein Schreiben der Barnimer Busgesellschaft. Am Bahnhof herrsche Chaos, hieß es darin. Die Zufahrt für die Busse werde von Pkw blockiert, die in zwei Reihen stehenden Taxen sorgten für zusätzliche Enge und die Fußgänger und Fahrradfahrer bewegten sich kreuz und quer über den Platz. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der erste unter einem Bus lande, befürchten die Busfahrer. Ihre Beschwerden, das ist nach einer Woche Kontrollen bereits sicher, sind aus Sicht der Polizei berechtigt.

"Dieser ganze Platz ist eine Fehlplanung", sagt Wolfgang Arlt. "Vor jedem Bahnhof, jedem Flugplatz kann man wenigstens zum Ein- und Ausladen vor dem Gebäude halten. Nur in Bernau nicht", stellt er fest. Die Folge: Trotz des Durchfahrtsverbotes benutzen Pkw die Zufahrt, die eigentlich nur für Busse gedacht ist, zum kurzzeitigen Halten und blockieren damit den öffentlichen Personennahverkehr. Eine Ausweichmöglichkeit haben sie nicht: "Die wenigen Parkplätze sind immer belegt", haben die Polizeibeamten bei ihren Kontrollen festgestellt.

Ein weiteres Problem stellen die Radfahrer dar. So einzigartig und modern das neue Fahrradparkhaus auch ist: "Offenbar hat niemand daran gedacht, dass die Radfahrer auch hinkommen müssen", bemängelt Polizist Wolfgang Arlt. Die Radfahrer-Ströme kommen nach den Beobachtungen der Polizei aus Bernau-Süd und aus Richtung Innenstadt. Letztere fahren quer über den Platz, der eigentlich Fußgängern vorbehalten ist. Und die Radfahrer aus Richtung Süd nutzen die Abkürzung über den Busbahnhof, um dann verkehrt in die Einbahnstraße vor dem S-Bahnhof einzubiegen und ebenfalls quer über den Platz zu radeln. Auch das gibt es zunehmend: Mittlerweile rollen Radfahrer ohne Halt direkt aus der S-Bahn, den Bahnsteig entlang, durch das Fahrradparkhaus die Rampen hinunter und quer über den Platz - ohne Rücksicht auf Fußgänger oder Pkw, die aus dem Parkhaus kommen.

Die Taxifahrer traf es am vergangenen Donnerstag besonders schlimm: Sie wurden von der Polizei verwarnt, weil sie in zweiter Reihe parkten. "Auch daran ist zu erkennen, dass die Planung nicht durchdacht ist", bemerkt Wolfgang Arlt. "Ein Verkehrszeichen, das Parken in zweiter Reihe erlaubt, gibt es nach der Straßenverkehrsordnung nicht. Dass die Stellflächen besonders gepflastert sind, ist völlig unerheblich."

In einer Woche will die Polizeiinspektion Barnim ihren Kontrollbericht der Straßenverkehrsbehörde zuleiten. "Normalerweise machen wir in solchen Fällen Lösungsvorschläge, wie die Probleme zu beheben sind", sagt Wolfgang Arlt. "Für Bernau sehe ich, ehrlich gesagt, keine. Mir fällt nur einer ein: Der Platz müsste noch mal umgebaut werden."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Dieter Sauer 13.12.2013 - 22:54:47

Die steinerne Renne ist eröffnet worden

Am 12.12.2013 fand die Übergabe des Bahnhofsvorplatzes mit einem Fest, veranstaltet von der Stadtverwaltung, statt. Bürgermeister Handke hat sich wegen der angekündigten stillen Demo rar gemacht. Das Video der MOZ von der Eröffnung ist eine Glanzleistung und stellt alle bisherigen Beiträge des Fernsehens über Bernau in den Schatten! Meine Hochachtung vor den Machern dieses Beitrages! Eine Bemerkung meinerseits noch zu der Steinwüste: Das lieblos in der Steinwüste aufgestellte ODF-Denkmal gibt kein gutes Bild für unsere Stadt ab. Ein kleiner Ehrenhain um das Denkmal wäre sicher abgebracht gewesen.

Margot Ziemann 29.11.2013 - 17:27:22

Die "Steinerne Renne" von Bernau

Die „Steinerne Renne“ von Bernau Nun haben wir es also amtlich bestätigt bekommen: „Dieser ganze Platz ist eine Fehlplanung“, so Wolfgang Arlt von der Führungsstelle der Barnimer Polizei in der MOZ nach regelmäßigen Kontrollen auf dem Bernauer Bahnhofsvorplatz. Eine Erkenntnis, die die Nutzer des Platzes schon seit langem machen und deshalb auch schon leit langem kritisieren. Statt des gewünschten effektiven „Verkehrsplatzes“ herrscht am neuen Bernauer Bahnhofsvorplatz das reine Chaos. Die Befürchtung, die ich bereits hegte, als ich die Planzeichnungen als Stadtverordnete 2009 zu Gesicht bekam, hat sich leider bestätigt. Von dem von den früheren Baumeistern mit Bedacht gewählten grünen Platz mit Umfahrung ist nur noch eine Verkehrsschneise übrig geblieben – ich nenne sie die „Steinerne Renne“ - auf der sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer, Busse, Taxen private Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer sich auch noch gegenseitig behindern. Wie konnte es aber dazu kommen? Die Entscheidung für die Gestaltung des Bahnhofsplatzes hatte bereits die vorige Stadtverordnetenversammlung nach einem Wettbewerbsverfahren beschlossen. Als ich das Thema im Stadtentwicklungsausschuss ansprach, wurde mir bedeutet, dass die Entscheidung für die Planung durch einen Architektenwettbewerb zustande kam, an dem nun nicht mehr zu rütteln sei. Nach mehreren Anläufen und langem zähen Bemühen gelang es mir mit anderen Mitstreitern in der Stadtverordnetenversammlung, wenigstens noch zu erreichen, dass die „Steinerne Renne“ mit zusätzlichen Bäumen bepflanzt wird. Aber auch das erst, nach dem sich bei den Bauarbeiten heraus stellte, dass die gesamte Planung wohl doch nicht allererster Güte war und zahlreiche Änderungen nötig wurden. Aber das änderte nichts an der grundsätzlichen Fehlkonstruktion des Platzes. Auch den Bauablauf kann man getrost als eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen bezeichnen. Erst waren die Borde für die Bushaltestellen falsch berechnet, dann nicht verfügbar bzw. mussten aus China herbeigeschafft werden. Dann stellte sich heraus, dass die Busschleifen zu gering bemessen waren. Schließlich opponierten die Taxifahrer, dass ihre Aufstellflächen zu knapp bemessen sind. Die Kurzzeitparker behindern die Ein- und Ausfahrt der Busse, beschwert sich die Barnimer Busgesellschaft. Die Zufahrt zur Paktpalette führt nun über den breiten Fußgängerbereich. Autofahrer und Radfahrer aus dem Fahrradparkhaus nehmen keine Rücksicht auf die Fußgänger. Das war auch auf der Zeichnung schon sichtbar und zu befürchten. Das Chaos ist also komplett. Wer aber ist schuld daran? Das fragen sich jetzt viele. Bürgermeister Handke mochte sich dazu nach Anfragen in der Bürgerfragestunde nicht so recht festlegen und ist um Schadensbegrenzung bemüht. Fakt ist, das nicht nur Erfolge, sondern auch eine Fehlplanung wie diese viele Väter hat, die sich aber nicht so recht dazu bekennen wollen. Das betrifft die Planer wie die Jurymitglieder des Wettbewerbes, die diesen Entwurf zur Auswahl empfahlen. Es betrifft aber auch die Stadtverordneten, die diesen Planentwurf wohl zu unkritisch betrachteten und beschlossen. Es sei außerdem darauf verwiesen, dass alle Behörden, die jetzt mühsam nach einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf dem Platz suchen, bereits 2007/ 2008 oder vielleicht noch früher die Pläne auf dem Tisch hatten und fachliche Stellungnahmen dazu abgegeben haben. Das betrifft die Straßenverkehrsbehörde des Kreises, die Polizeidirektion, die Busgesellschaft, das städtische Planungsamt, die Baugehneigungsbehörde des Landkreises und andere. Was mir als Laien mit gesundem Menschenverstand ins Auge fiel, hätten doch erst recht die Fachleute merken müssen. Oder hat man vielleicht gar nicht so genau hingeschaut? Eine Schlussfolgerung zumindest, die ich all meinen Kolleginnen und Kollegen in kommunalen Parlamenten gern ans Herz legen möchte: Obacht bei allen Projekten und künftigen Bau-Wettbewerben. Auch Planer sind keine Götter und machen Fehler. Echte Bürgerbeteiligung ist bei allen großen Projekten anzuraten. Denn nicht nur mit dem Zweiten sieht man besser. Sondern: viele Augen sehen mehr. Und - An allem ist zu zweifeln! Margot Ziemann, Stadtverordnete, Fraktion DIE LINKE, Bernau

Günter 18.11.2013 - 20:50:05

Rathaus

Da bilden sich die Selben (Bürgermeister, Bauamt, Stadtverordneten...) ein, neues Rathaus bauen zu können !!! Das schlimme ist, dass schön öfters der Bahnhofsplatz kritisier wurde, jedoch hat man dies immer ignoriert. Über die unzureichende Beleuchtung wollen wir nicht reden.

Stefan Kranz 18.11.2013 - 17:49:56

Kompetenz der Stadtväter

... die Bezeichnung des neuen Flughafens BER scheint offensichtlich von der Stadt Bernau als Namensgeberin abzustammen wegen der Verwandt- schaft in Kompetenz und Sachverstand der Stadtväter - wenn das Geld aus- geht wird es vom Bürger geholt

Paul 18.11.2013 - 17:11:20

Früher war alles besser...

Früher war alles besser... Bei dem Platz stimmt der Spruch in jedem Fall. Sowas beklopptes, eine Zufahrt für alles. Katastrophal, unfunktional und hässlich - mehr lässt sich zu dem Millionenobjekt nicht sagen.

Frank Valentin 18.11.2013 - 13:14:04

Wieviel und wann ?

Wieviel hat den nun z.B. der Bahnhofsvorplatz wirklich gekostet? Und wann wird er wieder entsprechend den Erfordernissen umgebaut?

Peter Anders 18.11.2013 - 12:55:28

Sehenden Auges in das Chaos

Wenn man sich die ursprünglichen Planungsunterlagen ansieht (noch im Netz als PDF abrufbar) war eine Zufahrt zur Parkpalette über das Grundstück an der Breitscheidstr. vorgesehen, welches zum Verkauf steht, die Stadt aber nicht erworben hat. Nun hat man vor dem Fahrradparkhaus eine Fahrspur. Diese Kreuzung ist kreuzgefährlich, weil sie weder der Fahrradfahrer beim Verlassen noch der Autofahrer beim Vorbeifahren am Parkhaus einsehen kann. Da ist nur eine Frage der Zeit bis zum ersten Unglück. Die gemeinsame Nutzung des riesengroßen Platzes von Fußgängern und Radfahrern sehe ich dagegen als möglich an. Es gibt ja viele Bereiche, wo sich beide eine Verkehrsfläche teilen und übersichtlich ist es ja. In den Planungsunterlagen waren auch 2 "Kiss and Ride" Plätze vor dem Bahnhof vorgesehen. So etwas halbherzig gibt es da auch einen abgesenkten Bordstein. Der Platz darf aber von PKW nicht angefahren werden, weil er sich bereits im Busbereich befindet. Alles vorhersehbarer Unsinn.

Kai Wagner 18.11.2013 - 08:44:30

DAS ist die Realität in Bernau

Und nicht, wenn sich sich ein paar Claqueure ihr Wolkenkuckucksheim um einen "doch so hervorrragenden" Bürgermeister zusammenschwiemeln.

Renė 18.11.2013 - 07:36:29

Weiter wie bisher?

Dieser schöne Bahnhofsplatz erinnert an ein ganz besonderes Denkmahl in Berlin-Mitte. Schade nur, das beim Bau nicht auf die historische Geschichte der Stadt geachtet wurde. Wo wir gerade beim Thema sind, Glückwunsch zu den gesammelten Unterschrifften und weiter so ;)

Uwe Wollin 18.11.2013 - 07:02:40

Alles ist schön

Das möchte doch keiner hören. Hier in Bernau ist doch alles gut. Es gibt doch hier keine Fehlplanungen. Jetzt können wieder einige gegenschießen. Bei Regen und früh um 6 Uhr, meine Frau zum Bahnhof fahren, geht garnicht. Ich hoffe nur, dass es nicht mal zu einem tödlichen Unfall kommt. Liebe Stadtverordnete und lieber Bürgermeister, entspricht es der Wahrheit, dass der von der Bahn geplante Durchgang zum Busbahnhof, abgelehnt wurde? Nur ein Bürger von Bernau

René Lieske 18.11.2013 - 00:19:11

Fehlplanungen mit System

Ich versuche immer noch zu verstehen, warum man so irre bauen muß. Ach ja, wir haben doch ein tolles Parkhaus an der Waschspüle, da kann man ja sein Auto parken und die Koffer zum Bahnhof schleppen. Um dann völlig außer Atem sich am Bahnhofplatz vom Radfahrer umnieten zu lassen. Das hat schon System, es soll wohl kein Bürger die Stadt verlassen. Selbst die Polizei weiß nicht weiter, nur unsere Stadtverordneten die das alles abgesegnet haben klopfen sich auf die Schulter. Ein Umbau des Bahnhofplatzes wird wohl notwendig sein und die Kosten für diesen Schildbürgerstreich werden wir tragen müssen. Bravo.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG