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Runder Tisch mit Top-Experten der Denkmalpflege / Bündnis zur Rettung alte Landiner Prachtbauten

Wunderschön und völlig verfallen

Ideen von außen: In diesem Semester beschäftigen sich Studenten der TU Berlin intensiv mit dem Schloss. Sie entwickeln Ideen zur Umsetzung einer Nutzung. Professor Matthias Graf von Ballestrem (r.) am Dienstag vor dem Schloss.
Ideen von außen: In diesem Semester beschäftigen sich Studenten der TU Berlin intensiv mit dem Schloss. Sie entwickeln Ideen zur Umsetzung einer Nutzung. Professor Matthias Graf von Ballestrem (r.) am Dienstag vor dem Schloss. © Foto: Cornelia Hendrich
Cornelia Hendrich / 20.11.2013, 09:59 Uhr
Landin (MOZ) Die Landiner haben es geschafft, zahlreiche Experten der Denkmalpflege an einen Tisch zu bringen. Denn es soll endlich etwas geschehen mit den wunderbaren Denkmälern der Gemeinde. Das Schloss zum Beispiel könnte sonst bald nicht mehr zu retten sein.

Es ist das malerische Schloss Hohenlandin, das über allen Diskussionen schwebt. Natürlich, dieser wunderschöne, riesige Bau, den Fotografen so lieben und auch die Besucher als Kulisse des Schlossfestes und über den die Touristen staunen, die nach Landin kommen. Um ihn herum eine Parkanlage von Lenné - ein Traum. Nur leider, ein sehr verfallener Traum. Millionen bräuchte man, um das Schloss wiederherzustellen. Geld, das das arme Landin nicht einmal ansatzweise hat. Zumal der Ort noch andere erhaltenswerte Denkmäler hat.

Aber die Landiner haben Engagement und wollen sich nun ihren Denkmälern annehmen. Geld kann man ja auch auftreiben, durch Spenden, Sponsoren, Fördertöpfe. Zumal das Schloss dringend einer Sicherung bedarf.

Und sie erhalten gerade Hilfe von vielen Seiten. Professor Matthias Graf von Ballestrem, der an der TU Berlin Bereich Baukonstruktion lehrt, lässt seine Studenten in diesem Semester konkrete Ideen für die Nutzung des Schlosses Landin entwickeln. "Interessant ist ja, dass eigentlich nur noch die Außenwände stehen, alles andere weg ist", sagt er. Damit könnte innen eine ganz neue Struktur entstehen. Ein Aufmaß des Schlosses und richtige Modelle wurden angefertigt. Die Ideen an der Uni reichen von Forschungslabor, über das Mehrgenerationenhaus, einem Therapiezentrum bis hin zu einer Sternwarte, weil Landin einer der dunkelsten Orte Deutschlands ist. Bis zum Sommer läuft das Projekt, dann, so Matthias Ballestrem, könnte man die Ergebnisse auch in Landin vorstellen, als Abschlusspräsentation oder in Form einer kleinen Ausstellung.

Das sind aber die Zukunftsträume. Am Dienstag sollte es auch um konkrete, kurzfristige Pläne gehen.

Der Runde Tisch war eine Idee des Dorfvereins Landin gemeinsam mit Jens Wiese, dem Berliner Fotografen, der vor Kurzem ein denkmalgeschütztes Haus im Ort gekauft hatte. Mehr als zwei Stunden und voller Engagement debattierten am Dienstag die Eingeladenen über Ideen für die Denkmäler, über rechtliche Fragen und natürlich über Geld, Geld, Geld, darunter Wolfgang Säger, Landins Bürgermeister, Roland Schneider und Ilona Rohowski von der Landesdenkmalpflege oder Verena Siewert und Edelgard Frischmuth vom Dorfverein bis hin zu Annette Nowatzky von der unteren Denkmalbehörde des Landkreises.

Eine potente Runde, die den Landinern weiterhelfen konnte. "Natürlich ist uns völlig klar, dass wir das Schloss nicht wiederaufbauen können. Das ist nur ein Traum. Wenn wir vielleicht Millionen geschenkt bekommen", sagt Verena Siewert. Aber wenigstens soweit sichern, dass es nicht einstürzt und für immer verloren ist. Und das Gelände und die Innenräume, in denen schon Bäume wachsen, müssten dringend beräumt werden.

Ihr sei auch der Turm in Niederlandin wichtig. Etwa 60 000 Euro könne man ihn sichern, eine vor allem mit Fördergeldern zumindest überschaubare Summe, mit diesem Projekt könnte Landin erst einmal anfangen.

Annette Nowatzky vom Denkmalamt gab der Runde ein paar Ideen für Förderprogramme, ein Eigenanteil sei aber immer nötig. Roland Schneider von der Landesdenkmalpflege wies darauf hin, dass es aber bei allen Programmen wichtig sei, eine Nutzungsidee vorzuweisen. Und sei es nur für eine Ruine, auch daraus könne man etwas machen, und wenn es auch nur im Sommer ist.

Auf einen Investor für das Schloss zu hoffen, sei schwierig, so Jens Wiese. "Mir gefällt aber die Idee, den Turm begehbar zu machen. Touristen kommen immer mehr in die Uckermark, das ist etwas, was sie suchen. Vielleicht in Verbindung mit einer Ausstellung unten." Das all das geht, zeige Greiffenberg. Darauf wies Annette Nowatzky hin. Dort versucht die Stadt Angermünde, die Burg Greiffenberg zu sichern. Noch interessanter: Für den Wiederaufbau der Mühle Greiffenberg wurden laut der Internetseite 100 000 Euro aus Spendengeldern eingesammelt, das hätte sich zuvor auch niemand träumen lassen. Das wären Summen, mit denen man auch in Landin arbeiten könnte.

Eins ist klar. Ab jetzt wollen alle an einem Strang ziehen, Bürgermeister, Gemeinde, Dorfverein und Engagierte wie Jens Wiese. Sie alle wollen etwas erreichen, für Landin. Angefangen wird mit einer Spende- und Altpapiersammlung, kündigte Verena Siewert an. Und dann soll die Runde bald wiederholt werden.

Der Dorfverein hat ein Spendenkonto zur Rettung der Landiner Denkmäler eingerichtet. Jeder Euro ist willkommen.Konto Dorfverein Landin, Kto.: 101008945 BLZ: 17056060 Sparkasse Uckermark, IBAN: DE89170560600101008945 BIG WELADED1UMP

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