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Sicher durchs Netz

Kennt sich aus: Der Medienpädagoge Ansgar Sporkmann bei der Diskussion über Cyber-Mobbing in der Diesterweg-Schule.
Kennt sich aus: Der Medienpädagoge Ansgar Sporkmann bei der Diskussion über Cyber-Mobbing in der Diesterweg-Schule. © Foto: MZV/Tilman Trebs
Tilman Trebs / 21.11.2013, 21:48 Uhr
Hennigsdorf (MZV) Dass das Internet für Kinder und Jugendliche keine ungefährliche Spielwiese ist, zeigt der Mord an einer 14-Jährigen, die am Montag in Eichwalde von einer Chatbekanntschaft erstochen wurde. Wie man sich sicher im Netz bewegt, damit beschäftigten sich dieser Tage Hennigsdorfer Oberschüler.

Marie-Sophie aus der siebten Klasse der Diesterweg-Schule hat durchaus schon üble Erfahrungen im Netz gemacht. Ein Unbekannter hatte ihren Account beim beliebten Telefon- und Chatdienst Skype gehackt und der 13-Jährigen unverblümt mit Vergewaltigungen gedroht. "Ich habe es richtig mit der Angst bekommen", erzählt Marie-Sophie, wenngleich sie vermutet, dass allein das das Ziel des Unbekannten war - ihr Angst einzujagen. Inzwischen hat sie wieder einen Skype-Account, aber einen anonymisierten.

Die Gefahr, im Internet seinen Peiniger oder gar Mörder zu treffen, ist zwar real, wie der Mord in Eichwalde deutlich macht, aber selten. In Netzwerken wie Facebook, Skype oder WhatsApp ist es aber durchaus alltäglich, Mitschülern Gewalt anzudrohen oder sie mit Fotos, Videos und Lästereien vor aller Welt lächerlich zu machen. Cyber-Mobbing wird das Phänomen genannt.

"Wir haben damit durchaus schon Erfahrungen gemacht", sagt Bernd Reisener, Vize-Rektor der Diesterweg-Schule. Nicht selten seien es Mädchen, die ihre Zickereien öffentlich über das Internet austragen. "Früher haben sie sich Zettel unter der Schulbank zugeschoben. Jetzt wird im Netz offen gelästert." Die Diesterweg-Schule versucht, dem Problem ganz offen zu begegnen. Schon mehrfach waren Präventionsbeamte der Polizei in die Klassen gekommen, um über mögliche Gefahren im Internet zu informieren.

Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche waren zudem Ansgar Sporkmann und Reiner Reuß vom Projekt Firewall Live des Deutschen Kinderschutzbundes in der Schule, um mit den Siebtklässlern vor allem zwei wesentliche Fragen zu diskutieren: Was ist im Netz erlaubt, was ist verboten? Und: Welche Folgen kann Cyber-Mobbing eigentlich haben? "In dem Alter sind viele schon online, haben aber keine Ahnung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten und wissen auch nicht, was passieren kann, wenn diese Rechte verletzt werden."

Bei einem Quiz-Spiel müssen die Schüler vor allem rechtliche Fragen beantworten - und liegen oft falsch. "Ich wusste nicht, dass ich nicht einfach ein Bild meiner Katze posten und irgendein Lied drüber legen kann", gesteht die zwölfjährige Michelle. Das selbstgeschossene Bild der Katze darf durchaus ins Netz gestellt werden. Der Song aber ist womöglich urheberrechtlich geschützt und darf nicht einfach verbreitet werden. "Das kann schon mal ein paar Tausend Euro Buße kosten", erklärt Reiner Reuß.

Was Mobbing anrichten kann, erfahren die Kinder bei einem Videofilm, in dem das Schicksal von Opfern dargestellt wird. Für viele Siebtklässler ist das ein Aha-Erlebnis. "Ich hätte nicht gedacht, dass da fürs Mobben sogar Geld geboten wird", sagt der 13-jährige Dominik erstaunt.

Das Problem ist, dass viele Eltern dem Internet genauso unbedarft begegnen wie ihre Kinder. Das sei auch beim Elternabend am Dienstag in der Diesterweg-Schule zum Thema Internet deutlich geworden. "Nur etwa 20 Prozent der Eltern sind selbst in sozialen Netzwerken aktiv", sagt Reiner Reuß. Sie könnten oft nicht einschätzen, was ihre Kinder dort treiben und was denen droht. Oft werde deshalb versucht, die Verantwortung den Schulen überzuhelfen. "Die Schulen sehen sich mit der Aufgabe aber überfordert und wiederum die Eltern in der Pflicht", berichtet Reuß. Vize-Rektor Bernd Reisener erzählt, die häufigste Frage von Eltern sei, ob den Kindern die Nutzung von Facebook verboten werden sollte.

Davon raten Sozialarbeiter Reuß und Medienpädagoge Sporkmann ab. Reuß: "So wie die Eltern ihren Kindern das richtige Verhalten im Straßenverkehr beibringen, müssen sie ihnen auch den richtigen Umgang mit dem Internet erklären. Sie können den Kindern durchaus sagen, welche Gefahren lauern und was eigene Einträge auslösen können."

Einige Eltern lösen das offenbar ganz pragmatisch: "Ich darf den Facebook-Account meiner Mutter nutzen", erzählt Michelle. Ob die Zwölfjährige aber auch in zwei, drei Jahren noch die Mutter ihre Nachrichten mitlesen lässt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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