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"Der Krebs, das war die Hölle"

Steht Freitag im Ring: Schwergewichtler Francesco Pianeta
Steht Freitag im Ring: Schwergewichtler Francesco Pianeta © Foto: MOZ
Hans Eberhard / 04.12.2013, 19:08 Uhr
Frankfurt (MOZ) Francesco Pianeta boxt am Freitag zum dritten Mal in der Brandenburg-Halle. Und er will den Ring wieder als Sieger im Profi-Schwergewicht verlassen. Es wäre für den 29-jährigen Deutsch-Italiener der 29. Erfolg im 31. Kampf.

Es geht diesmal um einen kleinen Titel, um die Internationale Deutsche Meisterschaft. Den größten Titel hatte der 1.93-Meter-Mann vor sieben Monaten in Mannheim verpasst, als er sich nach sechs Runden dem immer noch übermächtig scheinenden Wladimir Klitschko im Kampf um drei WM-Gürtel beugen musste.

"Ich habe lange gebraucht, um mit meiner ersten Niederlage fertig zu werden", gesteht der Mann mit der Wollmütze beim Gespräch im Ramada. "Aber", so versichert der 18. der Weltrangliste, "ich habe daraus auch gelernt, werde stärker aus der Niederlage hervorkommen". Klar, Ulf Steinforth versprüht starken Stall-Optimismus: "Francesco hat engagiert gekämpft, er und wir alle dürfen stolz sein auf die mutige Vorstellung gegen den hohen Favoriten." Magdeburgs SES-Promoter ist überzeugt: "Spätestens in zwei Jahren, nach der Klitschko-Ära, wird Francesco noch einmal nach dem WM-Titel greifen."

"Die Schläge, die ich gegen Klitschko einstecken musste, waren nicht so hart wie der Schicksalsschlag vor dreieinhalb Jahren", bekennt Pianeta. Und lässt noch einmal dramatische Monate am inneren Auge vorbeiziehen.Anfang 2010 diagnostizierten Ärzte den Krebs, Hodenkrebs. Pianeta hielt die Erkrankung zunächst vor der ganzen Familie geheim, vor Mutter Assonta, Ehefrau Concetta und Sohn Luciano. Die Lüge "von einem Leistenbruch" musste zunächst herhalten. Warum? "Ich dachte, es kommt schon alles wieder in Ordnung, wollte die Familie nicht beunruhigen. Aber dann kamen die OP, die Chemotherapie, die Schmerzen, die Riesen-Spritzen, Gewichtszunahme und der Haarausfall - das konnte man nicht mehr verheimlichen. Körperlich war man ein Wrack. Das war die Hölle."

Aber, versichert der gebürtige Calabrier, "die schwere Zeit hat mich auch stärker gemacht. Ich habe falsche Freunde abserviert, neue gewonnen und habe das Leben noch mehr schätzen gelernt. Mit Gottes Hilfe habe ich die harte Probe gemeistert, bin dafür sehr dankbar." Wer das durchmachen musste, so seine Erkenntnis, "der fürchtet weder Teufel noch Klitschko oder sonst was".

Ein Jahr später gab er sein Comeback. Auf dem Weg zum Klitschko-Duell bezwang er unter anderem in der Frankfurter BB-Halle Robert Hawkins (Oktober 2011) und Oliver McCall (Mai 2012). Und setzte sich in Mülheim im Nachhole-Vergleich gegen Frans Botha durch.

Nun also soll anstelle der verletzten Brian Minto und Steffen Kretschmann der im Profigeschäft noch unerfahrene Robert Teuber der Prüfstein für Pianeta sein. Der Dresdener ist zwar schon 30 Jahre alt, hat aber erst acht Vergleiche bestritten, alle gewonnen (sieben K.o.). Beim Debüt hatte der einstige Cottbuser Amateur am 26. Februar 2012 in der Eisenhüttenstädter Inselhalle gegen den Fürstenwalder Tobias Albrecht kurzen Prozess gemacht (k.o. 1. Runde).

"Das ist sicherlich ein schlagstarker Kontrahent, ein Puncher", vermutete Pianeta. Mehr wusste er zu diesem Zeitpunkt auch nicht vom Ringpartner. Ein Zeichen dafür, dass man Teuber nicht ernst nimmt? "Nein, man muss jeden Gegner respektieren", so der haushohe Favorit. Die Frage, wer am Nikolaus-Abend dem Ringpartner Saures in den Stiefel steckt, dürfte aus Pianeta-Sicht klar zu beantworten sein: "Ich will mich nicht überraschen lassen, denn das wäre so etwas wie die zweite Hölle."

Pianeta war übrigens schon einmal "Kurzzeit-Frankfurter bei Manfred Wolke im Jahre 2007", wie er zurückrechnet. "Aber da fühlte ich mich unwohl, war weit weg von der Familie in Gelsenkirchen", beschreibt er die neun Monate an der Oder. Im September 2011 wechselte er von der Sauerland-Promotion ins Magdeburger SES-Team. "Ich bin ein stolzer Italiener", sagt Pianeta über sich selbst. Und denkt beim Frankfurter Aufbruch zu neuen Ufern doch schon ein entscheidendes Stück weiter: "Nach dieser Veranstaltung werde ich den Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft stellen", versichert der Box-Rechtsausleger. Seine Familie war nach Gelsenkirchen ausgewandert, als Francesco gerade mal sechs Jahre alt war.

Mit Kai Kurzawa (36 Jahre/34 Kämpfe) stellt sich am Freitag ein weiterer Ex-Wolke-Schützling vor. Der gebürtige Schwedter, zeitweise schon SES-Coach, startet sein Comeback gegen den 21-jährigen deutschen Titelträger im Cruisergewicht, Dennis Ronert. Der Koblenzer Ex-Weltmeister der IBF-Junioren stellt sich gewissermaßen zum Duell der Generationen. Ein Abend also, dem trotz der WM-Damen Ramona Kühne und Christina Hammer die ganz großen Namen fehlen und der per TV erst einen Abend später bei "ran" nachzuvollziehen ist - innerhalb der WM von Felix Sturm.

Ticket-Hotline für die SES-Fight-Night - Telefon 0335 66599558

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