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Stefan Meik findet trotz seiner Behinderung einen vollwertigen Arbeitsplatz bei der Firma WW-Trans

"Bitte nicht in Watte packen"

Hat sich toll integriert: Stefan Meik ist bei der Firma WW-Trans in Biesenthal als Bürokaufmann tätig. Dabei arbeitet er auch direkt am Kunden, wie hier mit Hermann Diener. "Ich bin sehr froh, diese Chance bekommen zu haben", sagt der 28-Jährige.
Hat sich toll integriert: Stefan Meik ist bei der Firma WW-Trans in Biesenthal als Bürokaufmann tätig. Dabei arbeitet er auch direkt am Kunden, wie hier mit Hermann Diener. "Ich bin sehr froh, diese Chance bekommen zu haben", sagt der 28-Jährige. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Britta Gallrein / 05.12.2013, 07:45 Uhr
Biesenthal (MOZ) Menschen mit Behinderung in einem Arbeitsumfeld zu integrieren, ist nicht immer ganz einfach. Dass es aber sehr gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel eines Unternehmens aus Biesenthal.

Der Frust war groß bei Stefan Meik. Der 28-Jährige aus Werneuchen hatte eine Lehre als Bürokaufmann bei einem Baubetrieb in seiner Heimatstadt absolviert, war aber nicht übernommen worden. "Danach habe ich sehr viele Bewerbungen geschrieben. Aber keiner wollte mir eine Chance geben."

Woran das lag, weiß der junge Mann. Er hat eine 40prozentige Schwerbehinderung. Stefan Maik ist psychisch krank, leidet unter manischen Depressionen. "Das fing vor ein paar Jahren an. Mittlerweile bin ich durch die Medikamente aber sehr gut eingestellt", sagt er selber. "Aber die meisten Arbeitgeber können damit nicht umgehen. Die sehen nur die 40 prozentige Einschränkung und winken gleich ab."

Die vielen Absagen waren für ihn ein Schlag ins Gesicht. "Ich war damals echt traurig. Zumal ich meinen Freunden immer bei ihren Bewerbungen geholfen habe und die wurden genommen - nur ich nicht." In einer Behindertenwerkstatt arbeiten wollte der 28-Jährige nicht. Er wollte einen ganz normalen Arbeitsplatz, wollte arbeiten, sich ein eigenes Leben aufbauen.

Dann bekam er endlich seine Chance. Über einen ausgelagerten Arbeitsplatz der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal kam er zur Biesenthaler Firma WW-Trans, die für die Beförderung von Menschen mit und ohne Behinderung zuständig ist. Hier arbeitete er im Büro. So gut, dass der Firmenchef Pascal Dobberkau den ausgelagerten Arbeitsplatz in ein festes Arbeitsverhältnis umwandelte.

"Vom ersten Tag an bin ich hier von allen ganz toll behandelt worden", freut sich Stefan Meik. "Ich habe auch gleich gesagt, dass ich behandelt werden möchte wie jeder andere und nicht in Watte gepackt werden will. Ich will genauso Kritik bekommen wie die anderen. Sonst lernt man ja nichts dazu."

Fahrdienstleiter Manfred Friedrich kümmerte sich um die Eingliederung des neuen Mitarbeiters. "In der ersten Zeit gab es auch mal Probleme, zum Beispiel mit der Pünktlichkeit. Aber das haben wir geklärt und mittlerweile funktioniert das super."

Die Agentur für Arbeit unterstützt bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes.

Stefan Meik ist ein vollwertiges Mitglied des Betriebs, hat sogar ein spezielles Abrechnungssystem entwickelt, das die Arbeit erleichtert. "In der Probezeit haben wir geschaut, wie belastbar er ist. Dabei haben wir gemerkt, dass es ihm schwer fällt, die Konzentration zu halten, wenn er sieben Stunden lang am Schreibtisch sitzt. Daher setzen wir ihn zwischendurch auch ein, um zum Beispiel Autos zu überführen", sagt Manfred Friedrich. Mittlerweile hat der 28-Jährige seinen Personenbeförderungsschein gemacht und kann auch Fahrten übernehmen.

"In unserem Unternehmen arbeiten mehrere Menschen mit Behinderung", sagt Pascal Dobberkau. Sie sind unter anderem in der Lackiererei und der Fahrzeugwäsche tätig.

In der Regel, sagt er, gebe es für viele Unternehmen die Möglichkeit, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. "Aber die Bedingungen sind schlecht", kritisiert er. Menschen mit Behinderung seien schwer kündbar. "In der heutigen Zeit müssen Unternehmen aber flexibel sein und müssen manchmal kündigen." Viele scheuten sich daher davor, Behinderte einzustellen.

Stefan Meik ist erleichtert, dass sein Chef den Schritt trotzdem gewagt hat. "Ich bin so froh, dass man mir hier eine Chance gegeben hat und ich werde weiter dran arbeiten, dem Unternehmen so viel zu helfen, wie es geht."

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