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Barsikow steckt fest

Arbeiten, die sich hinziehen: Ursprünglich gab es drei Bauabschnitte. Aber aus Kostengründen soll die ganze Dorfstraße in einem Abwasch gemacht werden. Das ganze Dorf bleibt wohl Winterbaustelle.
Arbeiten, die sich hinziehen: Ursprünglich gab es drei Bauabschnitte. Aber aus Kostengründen soll die ganze Dorfstraße in einem Abwasch gemacht werden. Das ganze Dorf bleibt wohl Winterbaustelle. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 13.12.2013, 19:00 Uhr
Barsikow (MZV) Die Barsikower Oliver Schulze und Thomas Kiesel können viel erzählen. Von Nachbarn, die sich täglich Tüten um die Füße binden, wenn sie vor die Tür gehen. Von Autos, deren Unterseite aufgeschlitzt wurde. Und von der Wut, die sie haben, wenn sie an die laufenden Straßenbauarbeiten in ihrem Dorf denken.

Eigentlich sollte schon alles fertig sein. Am 30. November sollten alle Baufahrzeuge abgerückt, das Werkzeug eingepackt und die Scheren zum Bändchen-Durchschneiden geschliffen sein. Stattdessen durchziehen etliche mannshohe Hügel loser Erde und tief durchfurchte Schlammpisten das ganze Dorf. Es gibt die schmale, unbefestigte Behelfsstraße, auf der die Barsikower an ihre Grundstücke kommen. Aber selbst sie wies wochenlang 40 Zentimeter tiefe Schlaglöcher auf: "Bis gestern noch", sagte Kiesel am Freitag. "Jetzt geht es wieder einigermaßen."

Die Stimmung im Dorf ist durchweg schlecht. Selbst Ortsvorsteherin Barbara Linke spricht von "blank liegenden Nerven". Sie selbst hat in einem offenen Brief die Verhältnisse angeprangert. Kritik entflammt sich vor allem daran, dass es nicht einzelne Bauabschnitte gibt, sondern alles auf einmal aufgerissen wurde. Und daran, dass nicht wenigstens an dem Teil der Dorfstraße, an dem schon seit Mai gebaut wird, der Oberbau fertig ist.

Die Freude auf die neue Straße ist jedenfalls nachhaltig getrübt. "Wir werden uns wohl in Geduld üben müssen", sagte Linke sichtlich resigniert. Wenn die Behelfsstraße einigermaßen in Schuss gehalten werde, sei das schon ein Erfolg. Davon, dass im Winter mehr zu erwarten ist, geht sie nicht aus.

Kiesel und Schulze werden schon deutlicher: Sie werfen den Planern und der Gemeinde Wusterhausen vor, stur nach ihren Plänen vorgegangen zu sein, statt die Ortskenntnis der Anwohner zu nutzen. "Auf unsere Anregungen, wo Leitungen liegen können, ist nicht eingegangen worden", sagt Kiesel.

Tatsächlich war dieses Thema einer der Hauptgründe, warum seit dem Frühjahr nichts voranging und der Endtermin 30. November nicht annähernd eingehalten werden konnte. Beim Aufbrechen stieß die Baufirma auf Leitungen, die laut Plänen an dieser Stelle nicht liegen sollten. Da die Regenablauf-Rohre nicht über Eck verlegt werden konnten, mussten die Versorger kommen, um die Leitungen umzulegen. Das hat gedauert.

"Da sind damals Fehler gemacht worden", sagt Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank. Ihm zufolge seien sie aber nicht der Gemeinde oder den Planern des Straßenbaus anzulasten. Die Fehlgriffe stammen von denen, die die Leitungen falsch eingezeichnet haben. "Sie lagen nicht da, wo sie liegen sollten", umschreibt Blank das im Frühjahr Vorgefundene.

Auch den Untergrund habe man so erst einschätzen können, nachdem die Arbeiten begonnen haben. Zwar gab es Gutachten, dass der Boden in Barsikow besonders lehmig ist. Das Wasser läuft schlecht ab. Auf Kopfsteinpflaster, wie man es unter der alten Fahrbahndecke vermutete, konnte man wider Erwarten nicht für eine Behelfsstrecke setzen. Es war zu kleinteilig und wurde deshalb ganz mit herausgerissen.

Dass die gesamte Straße in einem aufgerissen wurde, wird mit Kosten begründet. "Die Anwohner sind ja an den Kosten beteiligt", sagt Christian Stützer vom Wusterhausener Bauamt. "Auch deshalb wollen wir sie so gering wie möglich halten." So habe man die ursprünglich drei einzelnen Bauabschnitte - wie sie auch vor dem Bau auch in der Einwohnerversammlung vorgestellt wurden - in einem ausgeschrieben und der Firma freie Hand gelassen, wie sie vorgeht. Auch was die Behelfsstrecke betrifft, sei eine ständige Ausbesserung "nach jedem Regen" aus Kostengründen nicht sinnvoll, so Stützer. Mit Prognosen, wann mit einem Bauende zu rechnen ist, will Stützer noch nicht aufwarten. Wenn der Winter mild bleibe, könne es schnell gehen.

Schulze kräuseln sich bei solchen Aussagen die Ohren. Er erinnert sich an einen Anruf beim Norwegen-Urlaub. Es war Ende September. Da hörte er davon, dass die ganze Straße aufgerissen wird, obwohl der erste Abschnitt wegen des Lehmbodens noch ohne neuen Oberbau war. Er sah mit dem geistigen Auge das gänzlich aufgerissene Dorf und konnte es nicht fassen: "Ich habe gedacht, ich höre nicht richtig", erinnert er sich. Die Schreckensvision einer Baustelle über den ganzen Winter hinweg sei für ihn da Wirklichkeit geworden. "Ich bin als Elektriker selbst viel auf Baustellen unterwegs. Was hier passiert, habe ich noch nicht erlebt."

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