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Mit dem Fahrrad bis nach Usedom

Stolz auf seinen Verein: Fritz Weinmar im Sportkabinett der SG Grün-Weiß Rehfelde
Stolz auf seinen Verein: Fritz Weinmar im Sportkabinett der SG Grün-Weiß Rehfelde © Foto: Edgar Nemschok / MOZ
Edgar Nemschok / 15.12.2013, 07:43 Uhr
Rehfelde (MOZ) Fritz Weinmar von der SG Grün-Weiß Rehfelde ist Kreissieger des DFB-Ehrenamtspreises 2013. Er ist einer von 330 Titelträgern aus der gesamten Republik. Der Preis wird jährlich vergeben. Der 67-Jährige ist der 17. aus Märkisch-Oderland.

Mit dem DFB-Ehrenamtspreis werden herausragende ehrenamtliche Personen gewürdigt, die sich durch ihr Engagement in den Vereinen hervorheben.

Die meisten Fußballfreunde aus dem Landkreis MOL kennen Fritz Weinmar. Und spätestens wenn man seinen Verein, die SG Grün-Weiß Rehfelde, dazu nennt, weiß eigentlich jeder genau Bescheid. Dabei ist er noch gar nicht so lange ein Grün-Weißer. 2008 wurde er erst Mitglied bei der Sportgemeinschaft, die im Jahr 2013 immerhin das hundertste Jubiläum beging.

Mit ein Grund für seinen Eintritt bei der SG Grün-Weiß war, dass er nach Rehfelde umgezogen war und das Sportgelände praktisch vor der Haustür liegt. "Ich war bei Empor Strausberg, doch irgendwie ging es dort nicht weiter. Zunächst war es mir eigentlich nicht so wichtig, welchem Verein ich angehöre. Inzwischen ist meine große Liebe aber Grün-Weiß." Dabei nennt er die Abteilungen im Verein, insbesondere aber die gute Entwicklung um die 1. Fußball-Mannschaft, die in der Landesklasse Ost in der oberen Tabellenhälfte gut mitmischen kann. "Was wirklich toll ist, sind der Vereinszusammenhalt und die große Unterstützung aller. Ich möchte da mal stellvertretend Nachwuchsleiterin Sabine Venz und Hellfried Hedemann, der sich um die Sportanlagen mit kümmert, nennen. Weinmar erinnert sich noch, dass er sofort zum Abteilungsleiter Fußball gewählt wurde. "Man stellt sich das als Außenstehender kaum vor, aber es gibt unglaublich viel zu tun." Und zusätzlich wurde er zum 2. Vorsitzenden des Vereins berufen.

"Natürlich habe ich mich geehrt gefühlt, aber ich hätte das mit Sicherheit nicht gemacht, wenn der Vereinschef nicht Karsten Kopprasch wäre. Er, und das sage ich mit voller Bewunderung und aus tiefer Überzeugung, hat den Verein erst zu dem gemacht, was er heute ist. Ein wichtiger Aspekt ist auch die große Unterstützung meiner Frau Lissy."

300 Mitglieder hat die SG Grün-Weiß Rehfelde und das in einem Ort, der mit seinen Ortsteilen nur knapp 4500 Einwohner hat. Und wenn man sich die Anlage ansieht, Rehfelde hat ein echtes Schmuckstück und gehört nicht umsonst zu den DFB-Stützpunkten. "Das Vereinsheim mit dem neu errichteten Sportkabinett - wir sind alle stolz auf das, was wir erreicht haben."

Fritz Weinmar wurde in Katscher am 7. Januar 1946 geboren. Katscher ist ein kleiner Ort, der auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik liegt. In den Nachkriegswirren kam seine Familie nach Salzwedel, wo er auch aufwuchs und zur Schule ging. Trotz dreier Geschwister blieb er mit seiner Mutter vorwiegend allein, denn seine zwei Schwestern und sein Bruder hielt es nicht lange auf dem Dorf. Sein Vater verstarb früh.

Nach der Schule begann Weinmar eine Lehre im Landtechnischen Instandsetzungswerk in Müncheberg. Er wurde Landmaschinenschlosser. In diesem großen Ausbildungsbetrieb wurde natürlich auch viel Sport getrieben. In erster Linie Fußball. Für Weinmar allerdings blieb kein Platz in der bestehenden Juniorenmannschaft, die im Kreisspielbetrieb gemeldet war. Damals galt der Juniorenbereich nur bis zum vollendeten 17. Lebensjahr. Weinmar war schon 18 und deshalb fragte man ihn, ob er nicht als Trainer fungieren könne. Eine Sache, die ihn sofort reizte und nach dem zweiten Jahr mit dem Kreismeistertitel überaus erfolgreich beendet werden konnte. "Zweiter wurde die Mannschaft aus Waldsieversdorf, die Manfred Mattauch betreute", erinnert er sich. Nach dem Abschluss seiner Lehre ging er zur Nationalen Volksarmee. Er blieb immer sportlich aktiv und organisierte in Strausberg und Umgebung zahlreiche Volleyball-, Handball- und Fußballturniere auf dem Gebiet des Breitensports.

Zu einem tiefen Schnitt in seinem Leben wurde die Wende in Deutschland. Auch er musste sich mit dem Ende der DDR neu orientieren und fand in einem Autohaus eine andere berufliche Perspektive. Der Job füllte ihn zwar aus, aber Sport wollte Weinmar natürlich auch weiterhin treiben. So gründete er mit Nachbarn aus seinem Wohngebiet die Strausberger Füchse. "Mit dabei war zum Beispiel auch Martin Mohme und wir trafen uns ziemlich regelmäßig auf dem Sportplatz Hohensteiner Chaussee, um Fußball zu spielen." Als der Sportplatz dann aber bebaut wurde, wechselten einige Spieler zum Empor Strausberg. Heute sagt Weinmar: "Ich habe außer Torwart alles gespielt."

Doch Empor hatte keine Zukunft und so fusionierten Strausberger und Rehfelder Seniorenfußballer, um unter den grün-weißen Farben fortan zu spielen. Was fehlte, war ein Trainer. "Fritz, du hast doch schon mal einen Betreuer gemacht." Schon war die Lösung gefunden und Weinmar fungierte als Spieler/Trainer. Bis zum Ende der Saison 2012/13. "Irgendwann muss auch mal Schluss sein, denn Familie, Haus und Hof sollen nicht zu kurz kommen. Schließlich bin ich ja auch im Ruhestand."

Doch bei dem Wort Ruhestand kommt er ins Schmunzeln. "Ich bin nicht der Typ, der Briefmarken sammelt oder etwa Angeln geht. Ich brauche Bewegung." Und so erzählt er, dass er selbst noch aktiv bei der Ü-60-Mannschaft von Nordost Berlin spielt und von seinen Rad- und Wandertouren gemeinsam mit seiner Gattin. Sein bisher größtes Abenteuer in dieser Hinsicht war eine Radtour, für die er sich kurzfristig entschieden hatte. "Na ja, ich wollte nach Usedom. Beim Fahren kam ich so gut in Schwung, dass ich tatsächlich an einem Tag mein Ziel erreicht habe. Das waren knapp 250 Kilometer. Ein wenig stolz bin ich schon auf diese Leistung." Beim Thema Radsport kommt er dann richtig ins Schwärmen. "Magdeburg war ja nicht so weit weg. Wer weiß, wenn meine Geschichte in frühester Jugend ein wenig anders verlaufen wäre ... Radsport und Täve Schur haben mich immer begeistert."

Derzeit bereitet Weinmar mit seinen Vereinsmitgliedern den nächsten großen Höhepunkt vor. Der wird dann zu Pfingsten 2014 stattfinden. Die SG Grün-Weiß hatte sich um die Austragung der Pokalfinale des Fußballkreises MOL beworben. "Wir wollen gute Gastgeber sein."

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