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Warum Zuzügler und Rückkehrer in die Uckermark ziehen

"Ich will wieder glücklich sein"

Willkommen in der Uckermark: Stephanie Neumann (l.) und ihr Freund Nico Lüttschwager (2. v. l.) heißen Zuzügler wie Stephan Obermeyer (2. v. r..) und künftige Rückkehrer wie Manja Worms zu Hause willkommen.
Willkommen in der Uckermark: Stephanie Neumann (l.) und ihr Freund Nico Lüttschwager (2. v. l.) heißen Zuzügler wie Stephan Obermeyer (2. v. r..) und künftige Rückkehrer wie Manja Worms zu Hause willkommen. © Foto: MOZ/Dietmar Rietz
Dietmar Rietz / 16.12.2013, 06:48 Uhr
Prenzlau (MOZ) Die ländlichen Regionen Ostdeutschlands leiden nicht mehr unter Abwanderung, sagt die Bundesregierung. Laut einer Studie gibt es immer mehr Rückkehrer. Diese bevorzugen die Provinz. Auch die Uckermark?

Rückkehrer und Zuzügler hatte die Willkommens-Agentur Uckermark am Freitagabend ins ein Prenzlauer Steakhaus eingeladen. Ihre Zahl war überschaubar. Stefanie Neumann organisiert die Treffen von Heimkehrern, Zuziehenden und über das Nachhausekommen Nachdenkende. "In einem halben Jahr haben wir in der Agentur etwa 100 Anfragen bearbeitet: Im Verhältnis 50:50 Rückkehrer und Zuzügler. Es scheint als ob dieser Trend nach oben geht", sagt die 33-Jährige. Aber den zehntausendfachen Weggang seit zwei Jahrzehnten gleicht das noch längst nicht aus. Auch nicht, das Verschwinden vieler junger Frauen. Aber es gibt Hoffnung.

Nach zwei Jahren Urlaub und Arbeiten im weiten und über große Strecken menschenleeren Australien mit Jobs auf einer Rinderfarm und anderswo sowie einer halbjährigen Rückreise über China, die Mongolei und Russland, hat sie sich mit ihrem aus der Uckermark stammenden Freund Nico Lüttschwager (31) hier niedergelassen. Seit einem Jahr arbeitet sie für die Agentur. Ihr Freund, ein ehemaliger Kfz-Techniker, startet im nächsten Jahr in die Selbstständigkeit.

Warum kommen Menschen in die Uckermark? Stephan Obermeyer packte mit seiner Familie vor ein paar Monaten in Berlin die Siebensachen und siedelte sich in Prenzlau an: "Das werde ich oft gefragt. Hier ist es doch schön. Die Gegend hat ihren eigenen Charme. Sich ein Haus zu bauen oder zu kaufen, ist hier für junge Familien wegen der Immobilienpreise viel eher erschwinglich als in Berlin. Wir wollten raus aus der Großstadt, aber auch nicht zu weit weg. Prenzlau ist da gerade richtig." Die Natur erleben lassen, wollte der Heilpraktiker seine Familie. Der Hektik der Großstadt entfliehen. Den Kindern Zeit und Ruhe zum Erwachsenwerden geben. Zwei hat die Familie, das dritte ist unterwegs. Obermeyers Frau ist Lehrerin: "Lehrer werden gesucht an Uckermark-Schulen. Das war kein Problem. Als selbstständiger Heilpraktiker habe ich meine Praxis hierher umgesiedelt und baue mir einen neuen Kundenstamm auf. Demnächst feiert die Familie Weihnachten im eigenen Haus, mit Verwandten. Da ist jetzt Platz genug für alle. Wir sind hier zuhause."

Tabea Buck (39) hat sich nach einer privaten Trennung entschlossen, mit ihrem neuen Freund aus dem Ruhrpott nach Hause zu kommen, aufs Land, nach Parmen-Weggun:"Ich besiedele das Land mit frischem Blut", scherzt sie. "Wir sind in ein großes Haus gezogen, unters Dach meiner Mutter. Das passt alles. Ich fühle mich sehr wohl hier." Heimweh habe sie getrieben und der Mut, einen Neuanfang zu wagen. Vor 20 Jahren, nach dem Abi, ist sie in die Welt gezogen, um sie zu erkunden." Ein Wermutstropfen schwimmt im Freudenbecher: Brandenburg erkennt ihre Ausbildung aus Baden-Württemberg nicht an. Sie darf nicht als Kindererzieherin arbeiten. "Aber ich gebe nicht auf, habe mich anderenorts beworben und hoffe demnächst auf eine Zusage."

Manja Worms (37) will im nächsten Jahr aus dem Barnim in die Uckermark zurückkehren. "Ich will endlich wieder glücklich sein. Wenn alles klappt, dann in den Sommerferien der schulpflichtigen Kinder. Wäre ich bloß nicht weggegangen", sagt sie in der Runde. Die Trennung von ihrem Lebenspartner war hart. Hier, in der Uckermark, kann sie auch ihr Hobby ausleben: reiten. Den Tipp mit der Willkommensagentur hat ihr übrigens ihre Mutter gegeben.

Alard von Arnim hat sich zu der Runde gesellt. Er lebte von 1945 bis 1990 fern der Heimat. Als Ruheständler unterstützt er die Willkommensagentur. Zum Beispiel demnächst beim Verschicken eines Briefes aus der Heimat an Weggezogene. Ein lieber Hinweis: Ihr seid hier jederzeit wieder willkommen.

Willkommens-Agentur Uckermark, Tel. 03987 2006746, Mail: mail@willkommens-agentur.de; Facebook: facebook.com/zibev

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Helmut 18.12.2013 - 06:16:57

Überschaubare Zahl der Teilnehmer

Dass die Zahl der Teilnehmer überschaubar war, liegt auch an der Verkehrsinfrastuktur. Ich bin vor zwei Jahren aus NRW nach Templin gezogen und gehöre somit zur Zielgruppe der Veranstalter - nach einer um 17 Uhr in Prenzlau beginnenden Veranstaltung gibt es aber keinen Bus zurück nach Templin. Die schlechte Verkehrsinfrastruktur - wer kein Auto hat, kommt zwar gut Richtung Berlin, aber kaum in andere Orte der UM - ist ohnehin der größte Mangel.

Leser 17.12.2013 - 20:18:33

jetzt bin ich aber unsicher......

herr schwarze, der alles immer so positiv betrachtet hat .... ist er nun auch schon wach ? war doch alles so toll ? man kann jeden tag pendeln, der wohnungsleerstand wird mit unseren polnischen nachbarn ausgeglichen. und den rest... müssen eben mal fördermittel in dieser schwachen region. sie haben vollkommen recht herr schwarze. hier müssen erst struckturen geschaffen werden, sonst bleibt und kommt keiner. wir hatten jetzt über zwanzig jahre zeit den finger zu ziehen, aber mit nettttttt werden wir hier keinen aufschwung erleben.

Andreas Schwarze 17.12.2013 - 11:03:52

Fragwürdige "Willkommens-Agentur"

Ich frage mich was die Uckermark sich zukünftig alles leisten kann (oder will). Eine Regionalmarke Uckermark (IC Uckermark), eine TMU, eine "Willkommens-Agentur". Und alle genannten haben nur ein Ziel; Die Uckermark attraktiver zu machen! Investoren anzulocken! Junge Menschen! Was die "Willkommensagentur" verschweigt, außer für eine Hand voll Selbstständiger, Altenpfleger oder Bauern gibt es kaum Jobs mit Einkommen von welchem ein Lebensunterhalt ohne staatliche Zuschüsse bestritten werden kann. Befristungsverträgt, Nidriglhohn-jobs sind an der Tagesordnung. (Haus)Kredite bekommen die jungen Menschen erst überhaupt nicht, weil keine Bank diese bei befristeten Arbeitsverträgen vergibt! Dazu kommt eine völlig unzureichende Infrastruktur was Bus- aber vorallem Bahnverbindungen im Norden der Uckermark angeht. Die "Willkommensagentur" sollte sich doch gleich in "Stadt-Marketing Templin" oder "Welcome Templin Agentur" umbenennen. Kritische Aussagen derer, dort in der Agentur, sind doch nicht erwünscht und die Verantwortlichen reden alles schön! Selbstironie!

westen 17.12.2013 - 09:43:12

Das sind doch keine echten Heimkehrer !

Die hier geschilderten Fälle,sind doch nicht die Rückkehrer,um die geworben wird. Junge Leute,die im Westen nicht gescheitert sind,kommen nur im Rentenalter zurück. Berliner haben wir doch schon genung.Die Retten die UM auch nicht mehr.

Isenhagen 17.12.2013 - 06:17:41

die jungen Leute sollen sich nicht einlullen lassen

die Uckermark bietet keine Perspektiven. In 20 Jahren leben hier weniger als 100 000 Menschen. Davon hat die Hälfte das Rentenalter erreicht. Eine solche Bevölkerung reicht einfach nicht um Theater, Kinos oder Schwimmhallen oder andere über eine Notversorgung hinausgehende Infrastruktur vorzuhalten. Diese Bevölkerung reicht aus um die Felder zu bestellen, hier und da ein paar Tiere zu füttern, vielleicht noch diesen und jenen industriellen Rest zu bewirtschaften aber das ist es dann auch. ALDI und Co werden noch eine Weile bleiben aber das Netz wird sich erheblich ausdünnen. Im Übrigen werden sich noch Jäger, Waldbauern und Wölfe für die Uckermark interessieren. Der Rest reist höchstens durch um an die Ostsee zu kommen. Und das auch immer schneller denn für diese Art Durchfahrtsinfrastruktur ist ja Geld da. Wer unter solchen Bedingungen und Perspektiven junge Leute in den dunklen Wald lockt, ist nicht mehr als ein Scharlatan.

xxx 16.12.2013 - 15:35:29

xxx

"Manja Worms (37) will im nächsten Jahr aus dem Barnim in die Uckermark zurückkehren." Ehrlich, von einer Landkreisseite auf die andere ziehen ist schon eine Rückkehrerin? Na dann müsste es ja ellenlange Statistiken bundesweit geben. @ Aus dem Westen "Die Menschen sind nicht so verbittert und meckern nicht nur." Also ganz ehrlich, am meisten meckerst Du doch hier rum. Scheinst nicht so glücklich zu sein. Es wurde schlicht die Tatsache erwähnt, dass der Abschluss nicht anerkannt wird. Irgendeine Faselei von Schuld etc. hast nur Du hier aufgeworfen.

Pummelfee 16.12.2013 - 15:24:56

man sollte niemals nie sagen............

Bin selber vor gut 5 Jahren weg aus der Uckermark aber diese bleibt immer meine Heimat und würde es sich ergeben ich würde zurückkommen. An den der niemals sagt sorry auch im Westen ist nicht alles Gold was Glänzt und auch hier geht es nicht jedem super arbeiten muss man überall aber auch hier liegt Arbeit nicht auf der Strasse . Letztendlich soll jeder selbst entscheiden mein Herz ist in der Heimat.

Realist 16.12.2013 - 10:06:41

... nie wiederkommen?

scheinbar sind sie so ein richtiger vorzeige-ossi, der im westen dafür benutzt wird, stimmung gegen den osten zu schüren. aber sie solten sich nicht wundern, wenn die ach so lieben wessis sie eines tages wie eine heisse kartoffel fallen lassen werden. denn wenn sie schon jetzt nicht das jammern auch im westen hören, sind sie entweder auf beiden ohren und augen taub und blind, oder eine neue spezies des wendehalses, den wir ja schon aus der wendezeit kennen...

Aus dem Westen 16.12.2013 - 07:22:07

Würde nie wiederkommen!

Also ich bin froh weggegangen zu sein. Im "Westen" gibt es kein ständiges Gejammer über Arbeitslosigkeit, Hartz IV oder ähnliches. Die Menschen sind nicht so verbittert und meckern nicht nur. Ist doch klar, wenn ich keinen staatlich anerkannten Abschluss für ganz Deutschland habe, wird der Abschluss nicht anerkannt. Ist doch selbstverständlich. Dass sowas hier erwähnt wird und die Schuld indirekt auf die alten Bundesländer geschoben wird, ist falsch. Abschlüsse für das jeweilige Bundesland sind auch in Templin üblich. Nach meiner Auffassung, findet man auch woanders eine Heimat, wenn man denn nur aufgeschlossen ist.

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