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Maike-Thiel-Prozess: Recherchen, die in die Irre führen

Roland Becker / 17.12.2013, 18:21 Uhr
Hennigsdorf/Neuruppin (MZV) Frank E. hat in seinem Leben schon öfter mal zugeschlagen und dafür eine Reihe von Jahren im Gefängnis zugebracht. Ein Mord aber ist ihm bislang nicht angelastet worden. Deshalb war der 48-jährige Veltener auch erstaunt, als er eine Vorladung zum Neuruppiner Landgericht bekam, um im Fall Maike Thiel auszusagen.

Zu verdanken hat er die Vorladung den Verteidigern der wegen Mordes beziehungsweise Anstiftung dazu angeklagten Michael und Christine Sch. Die Recherchen der Anwälte haben in den vergangenen Monaten schon für einige Überraschungen gesorgt. Das, was sie über Frank E. herausgefunden haben, gehört zu den Skurrilitäten in diesem Prozess. Ein bereits verstorbener Veltener namens Martin N. soll seiner Familie vor Jahren erzählt haben, Maike Thiel sei am 3. Juli 1997 von Frank E. und dessen Kumpel Uwe S. am Hennigsdorfer Krankenhaus angefahren und dann in einen Richtung Velten gelegenen Abwasserkanal geworfen worden.

Er habe nie einen Trabant besessen, beteuert der Zeuge. "1993 wurde mein letztes Auto verschrottet, danach wurde ich aktiver Radfahrer", unterstreicht er seine Aussage. Er erinnere sich auch nicht, dass sein Kumpel einen Trabant gefahren habe. "Aber Martin N., den kenne ich. Wegen dem habe ich bis 2005 das letzte Mal im Gefängnis gesessen", plaudert der Veltener und fügt hinzu: "Ich hatte dem ein paar geknallt." Juristen sprechen hierbei von einer schweren Körperverletzung.

War es also eine Art Rachefeldzug, dass Martin N. vor Jahren die groteske Geschichte über die angeblichen Mörder von Maike Thiel verbreitete? Fast scheint es so. Das beste, weil unschlagbare Argument liefert der Zeuge selbst: "Von Herbst 1996 bis Herbst 1997 habe ich in Untersuchungshaft gesessen." Spontane Recherchen von Richter Gert Wegner und der Staatsanwaltschaft bestätigten diese Angaben. Der Zeuge war damit aus dem Schneider. Beim Verlassen des Gerichtssaals machte er seinem Ärger Luft: "Mist, dass Leute, die so etwas in die Welt setzen, nicht mehr belangt werden können."

Absolut nicht locker, sondern eher emotional verlief anschließend die Vernehmung von Maike Thiels Schwester Melanie B. Die Nebenklägerin erklärte vor Gericht, weshalb sie Kontakt zu Dominique Sch. aufgenommen hat, nachdem diese Ende Juli vor Gericht Michael Sch. des Mordes an Maike Thiel bezichtigt hatte.

Kontakte zwischen Prozessbeteiligten in einem laufenden Verfahren sind zwar nicht verboten, bei Richtern aber höchst unerwünscht. Melanie B. aber ist das egal. "Mich interessiert hier nicht das Urteil", sagte sie im Zeugenstand. Sie möchte einfach nur Gewissheit über das Schicksal ihrer vor mehr als 16 Jahren verschwundenen Schwester bekommen: "Wenn ich irgendeinen finde, der weiß, wo sie ist, dann muss ich hier nicht mehr herkommen." Deshalb geht sie ihre eigenen Wege; auch den zu Dominique Sch.: "Ich musste ihr in die Augen gucken, um zu sehen, ob sie vor Gericht die Wahrheit gesagt hat." Noch schwerer dürfte ihr der Weg zu Michael Sch. gefallen sein, den sie im Gefängnis aufsuchte. Doch als sie vor ihm im Besucherraum saß, sei dieser aufgestanden, ohne mit ihr ein Wort geredet zu haben.

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