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Triebwagen aus Stettin an Adventswochenenden überfüllt / Pressesprecher: 20 Personen konnten in Passow nicht einsteigen

Bahn verweigert einem Jungen Mitfahrt

Dietmar Rietz / 22.12.2013, 08:10 Uhr
Passow (MOZ) Die Bahn hat einem Jungen aus Passow die Mitfahrt mit der Regionalbahn verweigert. Das berichtete ein Mann aus Wendemark, der den Vorgang am vergangenen Wochenende beobachtet hatte. Die Bahn bedauert diesen Vorfall

Der Bahnhof Passow zählt zu den ältesten im Land Brandenburg. 1843 ist er eingeweiht worden. In den ersten Jahren ist er Anschlussstation für den Verkehr nach Prenzlau und weiter in Richtung Greifswald und Stralsund. Als die Angermünder-Stralsunder Eisenbahn 1863 in Betrieb geht, hat er nur noch lokale Bedeutung. Hundert Jahre ist die Bahnstrecke Passow-Schwedt eine reine Güterverkehrstrecke. Heute, 170 Jahr nach Inbetriebnahme des Bahnhofs, hält hier auch die Regionalbahn 66. In den Triebwagen fahren am 14. Dezember 2013 viele Menschen mit. Ein Minderjähriger wird vom Zugbegleiter am Mitfahren gehindert.

Der Zeuge Christian Pengel wohnt direkte am Bahnhof. Er berichtet Folgendes: "Ein kleiner Junge läuft von Passow Mitte bis Passow Bahnhof. Das sind 1,5 Kilometer. Es ist draußen kalt, ein Grad plus. Der Junge wollte in den Zug in Richtung Angermünde einsteigen. Doch leider ist die kleine Regionalbahn völlig überfüllt, mit Menschen, die von Stettin wahrscheinlich auf die deutschen Weihnachtsmärkte wollen. Der Zug hält trotz Überfüllung und Verspätung am Bahnhof Passow an. Die Tür öffnet sich und der Schaffner sagt dem kleinen, durchgefrorenen Jungen: Du kannst nicht mit, wir sind voll."

Christian Pengel fasst sich ein Herz , als er den durchgefrorenen Bengel auf dem Bahnsteig stehen sieht: "Da hab ich den Jungen, er war nicht älter als 13 Jahre, wieder nach Passow Mitte gefahren. Er sagte mir, da wäre doch noch Platz gewesen für mich."

Woran sich Prengel im Gespräch noch erinnert: "Auf dem Bahnsteig standen zwei Jungen. Einer stieg unbemerkt im hinteren Triebwagen ein und konnte mitfahren. Der andere wurde vom Schaffner abgewiesen und blieb draußen."

Der Wendemarker hat in der Vergangenheit wiederholt beobachtet, dass an den Adventswochenenden die Regionalbahn sehr gut gefüllt war.

Anfrage bei der Deutschen Bahn. Wie erklärt sie den Vorfall? Burkhard Ahlert bestätigt am Freitag schriftlich: "Wir hatten am vergangenen Samstag die Situation, dass die Züge von Stettin in Richtung Berlin sehr stark besetzt waren. Diese Situation war so nicht vorhersehbar und wir konnten auch keine kurzfristigen Verstärkungen vornehmen."

Im konkreten Fall sei der Zug bereits in Passow so stark besetzt gewesen, dass eine Gruppe von zirka 20 Personen auf dem Bahnsteig nicht mehr in den Zug einsteigen konnte. Die Kundenbetreuerin habe sich daraufhin an die Reisenden gewandt, auf diese Situation hingewiesen und darum gebeten einen späteren Zug zu nutzen. Wörtlich erklärt der Pressesprecher: "Zu einem Kind in dieser Gruppe hatte unsere Kollegin keinen direkten Kontakt. Daher können wir auch die Aussage nicht nachvollziehen, wonach ein Schaffner den Jungen zurückgewiesen hat."

Am Nachmittag dieses unglücklichen Tages wurden dann allerdings einzelne Züge auf dieser Strecke mit einem zweiten Triebwagen operativ verstärkt. An diesem Wochenende kommen nach Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, als Besteller der Leistungen, bei einzelnen Fahrten, zusätzliche Züge zum Einsatz. Ahlert: "Grundsätzlich gilt gerade auch bei uns bekannten größeren Veranstaltungen zusätzliche Züge zum Einsatz zu bringen. Wir bedauern, dass unsere Fahrgäste und auch der Junge von dieser starken Besetzung des Zuges betroffen waren, stellen uns an dieser Stelle aber auch die Frage, warum ein Kind alleine 1,5 Kilometer von Passow Mitte bis Passow Bahnhof läuft, um ebenfalls alleine im Zug zu fahren?"

Die Deutsche Bahn hatte sich kürzlich bei einer Mutter entschuldigt, die mit ihrem Kleinkind in Hennigsdorf (Oberhavel) aus dem Prignitz-Express geworfen wurde. An dem Tag hatte der Orkan "Xaver" in Brandenburg gewütete. Der Schaffner hatte sich in diesem Fall daran gestört, dass die Frau einen Kinderwagen im Zug so postiert hatte, dass dieser ein Stück in den Gang hineinreichte, der als Fluchtweg gilt. Der Zugbegleiter hatte daraufhin die Bundespolizei gerufen und mit deren Hilfe die Frau samt Kind des Zuges verwiesen. Der Fall hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt.

Das Verhalten eines Bahnmitarbeiters wurde jüngst auch im Fahrgastforum des Verkehrsverbund thematisiert. Ein Teilnehmer berichtete dieser Zeitung, dass sich VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz über den Vorfall empört habe. Er soll kritisiert haben, dass die Deutsche Bahn ihre Zugbegleiter zu wenig schule. Die Bahn dagegen spricht davon, dass Kundenbetreuer mehrfach im Jahr geschult würden. Die Weiterbildungen betreffe technische Belange und den Umgang mit Kunden. Außerdem würden die Schaffner einmal im Jahr im Dienst begleitet, ihr Verhalten werde ausgewertet. Außerdem finde auch ein Deeskalationstraining statt.

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Gartzer 24.12.2013 - 22:37:46

Zeit persönlich zu werden

Herr Grube soll seinen Geschäftsführer für Brandenburg feuern oder ins Reisezentrum setzen. Zwar kenne ich den genannten Herr Trettin nicht aber was man so von Amt Gartz und Gemeinde hört ist das was der verzapft alles andere als positiv.

Steffen 24.12.2013 - 13:51:57

Witz oder wat?

"Im konkreten Fall sei der Zug bereits in Passow so stark besetzt gewesen, dass eine Gruppe von zirka 20 Personen auf dem Bahnsteig nicht mehr in den Zug einsteigen konnte. Die Kundenbetreuerin habe sich daraufhin an die Reisenden gewandt, auf diese Situation hingewiesen und darum gebeten einen späteren Zug zu nutzen." Der Schaffner muss wohl be... sein oder was? Das ist nicht der Berliner S Bahn Ring wo alle 10 Minuten ein Zug kommt sondern manchmal nur alle 3 Stunden auf dieser Strecke und wenn der Schaffner Leute zurück lässt soll er wenigstens die Bahnpolizei verständigen und einen Ersatzbus bestellen. Was arbeiten da für unfähige Menschen bei der Bahn? Und wenn einer mit 13 mit dem Zug reißt weshalb soll er nicht allein vom Dorf zur Haltestelle lauen das ist ein Schüler und kein Baby!

RE3 Pendler 24.12.2013 - 13:20:10

RE3 und RB66

Ich bin gerade gestern von Berlin nach Passow unterwegs gewesen und die Züge waren übervoll und auch hatte der RE3 mal wieder nur 4 anstatt 5 Wagen und an einen Sitzplatz war nicht zu denken. In Angermünde war die Bahn wieder oder soll ich dagen wie immer mit nur einem Wagen nach Stettin am Start und was soll ich schreiben Chaotisch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Kapiert die Bahn endlich mal das Weihnachten ist und wenn es schon nur 100 Sitzplätze sind im Zug vielleicht hat man Weihnachten auch noch mehr als einen Koffer dabei? Die polnischen Bürger die in Deutschland Leben oder Arbeiten bringen nur mal Waschmittelvorräten und so weiter für die Liebsten mit. Im RE3 waren wieder alle Toiletten kaputt und Außer Betrieb und daß ist ja fast täglich so. Warum ist das eigentlich vor bei der Bahn so??????????? Wenn ich mit dieser Odeg fahre nach Frankfurt oder der Neb nach Wandlitz ist alles immer funktionstüchtig und die Schaffner sind sehr zuvorkommend und nett! Dieser hier angesprochene Regionalbahnchef Herr Joachim Trettin gehört aufs Abstellgleis und wo ist eigentlich die Politik! @Moz bleibt dran und fahrt mehr Zug dann erlebt ihr etwas!!!!!!

Andichan 23.12.2013 - 22:48:05

Wie oft noch...

...wie oft müssen wir von derartigen Vorkommnissen bei der DB noch lesen bis ich etwas personalrechtlich tut. Es ist in keinster Weise hinnehmbar, dass sich die Zugbegleiter als Maß der Dinge aufführen? Entschuldigungen sind schnell ausgesprochen, doch dind diese wirklich ernsrt gemeint? Solange man von der Konternführung ein derart strenges Regime gefoedert wird ist eine öffentliche Entschuldigung eher als Spott und Hohn des Geschädigten zu werten. Hier muss die Politik als Eigentümer endlich ein Machtwort sprechen.

Ein Leser 23.12.2013 - 19:48:57

früher...

..vor eigentlich noch gar nicht allzulanger Zeit, hat man einfach auf größeren Bahnföfen einige Waggons als Verstärkung angehangen und gut war es. Aber heute, wo Bahnsteige auf ein Mindestmaß zurückgebaut werden und man nur noch mit Triebwagen fährt, ist so etwas reine Utopie. Ich kann mich noch an Zeiten entsinnen, als zum Beispiel in Eberswalde einige Wagen, die in Berlin als Verstärkung eingesetzt wurden, abgehangen und an den nächsten Zug nach Berlin angehangen wurden. Aber lang, lang ists her und heute, wie gesagt unmöglich...

Bürgermeister Gemeinde Tantow 22.12.2013 - 20:17:42

@ ASC

besser hätte ich es nicht schreiben können!!! Gruß A.M.

Jörg 22.12.2013 - 18:46:52

Unglaublich

Was D.SCH. schreibt trifft es schon ganz gut und letztes Jahr hat ja nach dem Kurier auch dise Zeitung hier vom Vorfall in Casekow berichtet http://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1069478/ und so ist es schade daß dem Bahnsprecher dieser Tatbestand nicht unter die Nase gerieben wurde aber ich denke eher der gute Mann von de Bahn musste lügen wie gedruckt weil er von denen ganz oben die Order bekommen hat. Wer als Zeuge vor Gericht lügt bekommt eine Strafe die Bah n aber bleibt straffrei wenn sie Kinder ud Jugendliche trotz Beförderungspflicht stehen lässt und daß zum wiederholten Mal.

Gartzer 22.12.2013 - 14:57:44

Wo ist MdB Koeppen?

Der Bund als Eigentümer soll dieser Arroganz der Macht beim Staatseigenen Betrieb ein Ende bereiten. Die alten Männer an der Bahn-Führungsspitze sind müde und sollen abtreten. Der Geschäftsführer vom VBB macht es ja vor. Unser gewählter Bundes Vertreter Jens Koeppen na wo ist er denn, was tut er denn er hatte doch so viel Blühende Bahnlandschaft versprochen!

ProBahn e.V. | A. Schwarze 22.12.2013 - 14:49:48

Konsequenzen erforderlich!

Im Namen des Fahrgastverband Pro Bahn. eV. möchte ich zum Vorfall einige Hinweise geben, welche die Deutesche Bahn (im konkreten Fall die Tochter DB REGIO AG), vertreten durch deren Regionalgeschäftsführer, Herrn Dr. Joachim Trettin, stark belasten! Die im Artikel genante Aussage des DB Prssesprechers ist eine Frechheit ansich! Denn schon über Jahre hinweg besteht auf der Linie Angermünde-Stettin (Szczecin) zu Festtagen, insbesondere um die Weihnachtszeit, Chaos was das Platzangebot in den Triebwagen angeht. Ungeachtet von Arbeitnehmerfreizügigkeit, Verdopplung der Fahrgastzahlen nach Einführung des 10€ Ticket oder wachsendem Bedarf von (Berufs-)Pendlern verkehren auf der maroden Linie täglich nur etwas über eine Hand voll Züge, wir reden von Triebfahrzeugen aus den 80er Jahren. Deren Platzangebot knapp über 100 Personen fassen kann. Defekte Toiletten, kaputte Fahrscheinautomaten, mangelnde Wagenreinigung sind statt Ausnahme die Regel! Herr Dr. Jochim Trettin wurde sowohl im personlichen Dialog als auch in unzähligen eMails seinens unseres Verbandes und auch, das ist entscheidend, durch den Ammtsdirektor des Amtes Gartz (Oder), Herrn Frank Gotzmann, aufgefordert diese unhaltbaren Zustände abszustellen. Stets war der Verkehrsverbund VBB in diese Unterredungen und (Post/eMail-)Verkehre involviert. Der VBB seinerseits verwieß, auf die Zuglängen angesprochen, immer wieder auf dem Umstand das er keine "Zuglängen" bestelle, sondern, DB REGIO aus einem "Altvertrag" sehr, sehr viel Geld erhielte um locker einen zweiten Wagen finanzieren zu können. Eine Ausschreibung der "Stettiner Bahn" wurde ja zurück gestellt, wegen der Unklarheiten zum Sterckenausbau. Was das Fachwissen der Kundenbetreuer im Bereich der DB REGIO AG angeht, so möchte ich dieses als "unterirdisch" bezeichnen (ausgenommen von der Freundlichlkeit - die ist okay). Fahrgäste warten vergeblich auf Anschlussansagen am Stettiner Hauptbahnhof in den Zügen! Auskünfte wie: "Wie komme ich zum Stettiner Schloss, welche TRAM fährt zum Einkaufscentrum Kaskada oder Galaxy" können schlichtweg nicht erteilt werden. Die Kundenbetreuer sind in aller Regel nichgt mal der ENGLISCHEN Sprache mächtig, vom POLNISCH will ich an dieser Stelle erst garnicht spechen. Auch hier wurden der Bahn durch Fahrgastverband und Amt Gartz mehrfach in Gesprächen mit der für die Kundenbetreuer verantwortlichen Teamleiterin und mit dem Regionalleiter Öffentlichkeitsarbeit Vorschläge gemacht wie man im Sinne der Kunden handeln könne - ja sogar eine kostenlose Stadtführung (quasi ein Dienstunterricht) in Stettin auf Kosten von ProBahn e.V. wurde von der DB abgelehnt! Ich möchte abschließend noch auf einige Artikel (u.a. auf der Internet-Seite der Gemeinde Tanbtow) aus dem vergangenen (und auch diesem) Jahr aufmerksam machen; Einmal mehr: “Das totale Chaos auf der Stettiner Bahn!” http://tantower.wordpress.com/2013/12/15/einmal-mehr-das-totale-chaos-auf-der-stettiner-bahn/ Casekow: Eine Mutter klagt an; Die Bahn hat meinen Sohn im Schnee stehen lassen! http://tantower.wordpress.com/2012/12/11/casekow-eine-mutter-klagt-an-die-bahn-hat-meinen-sohn-im-schnee-stehen-lassen/ Schöne Dampflokfahrt und am Abend Bahn-Chaos! http://tantower.wordpress.com/2013/10/18/schone-dampflokfahrt-und-am-abend-bahn-chaos/ Wieder ein mal Bahnchaos http://tantower.wordpress.com/2012/04/18/wieder-ein-mal-bahnchaos/ Ich könnte die Liste "unendlich" fortsetzen, doch, so steht es in der Netiquette der MOZ sollte man mit Verlinkungen auch nicht zu großzügig sein! Daran halte ich mich! Fazit: Die (Tat-)Umstände sind belastend, Fakten waren seit Jahren bekannt, die DB REGIO AG hat nicht reagiert und Abhilfe geschaffen, der DB Fernverkehr sich sogar gänzlich zurück gezogen! Den Verantwortlichen sollte der Rücktritt durch Bundes- und Landespolitik nahegelegt werden! Andrreas Schwarze PRO BAHN e.V. Referent Osteuropa / Regionalbeauftragter Region UM

D. Sch. 22.12.2013 - 11:15:00

Jährlich grüßt das Murmeltier!

Die Situation war nicht vorhersehbar? Denkt man bei der Bahn nur von zwölf bis mittags? Oder ist man zum Denken nicht fähig? Denn diese Situation hatten wir doch auch im letztem Jahr! Kleiner Tipp noch an Herrn Ahlert! Das was Sie sagen, am besten mitschneiden! Dann brauchen Sie nächsten Jahr nichts wiederholen, sondern müssen nur dieses Band zur Verfügung stellen!

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