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Unterstützer für Verbündungshaus gesucht

Hofft auf Unterstützung: Die Studentin der Kulturwissenschaften Mirjam Carlsson vor dem Verbündungshaus Fforst in der Forststraße 3-4
Hofft auf Unterstützung: Die Studentin der Kulturwissenschaften Mirjam Carlsson vor dem Verbündungshaus Fforst in der Forststraße 3-4 © Foto: MOZ
Rita Seyfert / 26.12.2013, 18:28 Uhr
Frankfurt (MOZ) Das Verbündungshaus Fforst sucht Unterstützung. Der Plattenbau muss dringend saniert werden. Doch der symbolische Mietpreis von einem Euro pro Quadratmeter an die Wohnungswirtschaft Frankfurt lässt dem Vermieter keinen Spielraum für Investitionen.

"Renoviert wurde die Platte aus den 80er-Jahren bisher noch nie." Mirjam Carlsson wohnt seit einem Jahr im Verbündungshaus Fforst. Die Studentin zahlt nur 90 Euro für eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Die teilt sie sich mit einer Mitbewohnerin aus Warschau: "Ein paar Brocken Polnisch habe ich schon gelernt", freut sie sich. Mehr als 150 Euro zahlt in der Forststraße 3-4 niemand.

"Die Fenster müssen ausgewechselt und die Lüftungsschächte gereinigt werden", erzählt Mirjam Carlsson, die an der Viadrina Kulturwissenschaften studiert und wegen des breit gefächerten Kulturangebotes vor einem Jahr in der "Super-WG" einzog. In dem selbstverwalteten Wohnprojekt von internationalen Studierenden aus Deutschland, Polen und dem Rest der Welt engagiert sich die 24-Jährige seitdem als aktives Mitglied. Völkerverständigung und deutsch-polnischer Austausch sind Ziele des 2006 gegründeten Vereins.

Die Voraussetzung für einen Mietvertrag für eine der 16 Wohnungen ist ehrenamtliches Engagement. Auch das Beantragen von Fördergeldern gehört zu den Aufgaben. Finanzielle Unterstützung wird auch dringend gebraucht. Die Sanitäranlagen müssen ausgetauscht werden. Auch die wärmeisolierende Dämmung ist nicht mehr zeitgemäß. Erst kürzlich wurde die Pappe auf dem flachen Dach geflickt, weil es reinregnete.

Das Problem sind die Kosten. Eine sehr viel höhere Miete wäre für die meisten Bewohner nicht finanzierbar. Die Frage für die Studenten lautet nun: Wie kann die anstehende Renovierung so umgesetzt werden, dass der Mietpreis für Menschen mit wenig Geld trotzdem erschwinglich bleibt? Die Mieteinnahmen decken die Betriebskosten und die Ausgaben für die Event-Etage: Neuanschaffungen wie Kühlschrank oder Sofa eingeschlossen. Ein langfristiges Finanzierungskonzept muss nun her.

"Wir wollen keinen Kredit", bringt es Mirjam Carlsson auf den Punkt. Vielmehr möchte der Verein Fördergelder bei dem EU-Fond "Interreg" beantragen. Tatsächlich unterstützt das Ministerium für Wirtschaft- und Europaangelegenheiten (MWE) auch solche Projekte, die sich der deutsch-polnischen Verständigung widmen. Die ersten Informationsveranstaltungen, bei denen Details über die Förderprogramme für 2014 bekannt gegeben werden, sind für Januar geplant, teilte eine Sprecherin mit.

Ob der Verein Hoffnung auf Interreg-Förderung hat, ist nicht sicher: Eine Barriere ist der Status der Gemeinnützigkeit. Weil der Fforst e.V. kein gemeinnütziger Verein ist, sind die Aussichten auf Subventionen bisher schlecht.

Doch es gibt mittlerweile Hoffnung: Das erste Gespräch mit dem gemeinnützig organisierten Studentenwerk verlief positiv. "Nun hoffen wir auf eine Kooperation", erzählt Mirjam Carlsson.

Wie es dem Fforst-Haus gelingen kann, Fördergelder einzutreiben, darüber sei mit ihm schon viel geredet worden, erzählt Boris Töppe, Geschäftsführer der Wohnungswirtschaft (Wowi). Die Verantwortung sieht der Vermieter aber beim Verbündungshaus Fforst. Wenn die Vereinsmitglieder schon keine Miete bezahlen, müssten sie eigentlich eine Instandhaltungsrücklage bilden, betont er: "Das ist aber nie geschehen." Hier sei die Philosophie der Vereinskonstruktion nicht zu Ende gedacht. So gehe es nun darum, die sozialromantische Einstellung zu verlassen und sich der Frage zu stellen, wie diese Wohnform erhalten werden kann. "Die Wowi hat schon einen ganz großen Beitrag geliefert, damit sie überhaupt eine Heimat haben. Aber wenn sie die Heimat nicht pflegen und unterhalten können, müssen sie die Heimat zurückgeben", macht Boris Töppe deutlich.

Den Grund dafür, dass seine Gespräche mit den Vereinsmitgliedern bisher keine sichtbaren Resultate zeigten, sieht Boris Töppe im Vorstandwechsel der Studenten, die Frankfurt nach dem Studium wieder verlassen: "Mit dem Fortgehen der Gesprächspartner geht jedes Mal wertvolles Know-How verloren."

Doch wenn sich die Studenten berechtigt Hoffnung auf Interreg-Förderung machen, dann sei er der Letzte, der da nicht hilft: "Die Philosophie des Verbündungshauses trage ich immer mit", sagt Boris Töppe, der einst selbst zum Verbündungs-Förster geweiht wurde und unter der Bedingung einer langfristigen Finanzplanung gern die Hand reicht.

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Norbert Hofmann 27.12.2013 - 20:43:10

Beweis angetreten

Wie die WoWi ,aus meiner Sicht zweckentfremdete , Fördermittel "eintreiben" kann, hat sie in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung bewiesen. Das Bolfrashaus steht für dieses Begehren der WoWi. Funktionierende Netzwerke ermöglichen solche Vorgänge. Es werden Rechtskonstrukte, dem Erfindungsreichtum von Steuerhinterziehern und -flüchtigen nicht nachstehend,geschaffen, welche dies alles, dem Vorteil dieser GmbH dienend, ermöglichen. Das der GF dieser GmbH nunmehr sogar öffentlich dazu aufruft, zeigt auf, wie weit diese Netzwerke bereits an Bodenhaftung vermissen lassen. Sie müssen sich sicher sein, in Frankfurt/Oder, von der Justiz nichts befürchten zu müssen. Der "juristische Erfolg" des GF-Vorgängers, muss zu weiteren Dreistigkeiten ermuntern. Ein Wirtschaftsminister Christoffers agiert als Vorbild.

na hallo 27.12.2013 - 10:45:10

Jetzt kann wohl jeder ein g.V. Gründen!

Der Satz hat mich am meisten Aufgeregt, Zitat: „Wie es dem Fforst-Haus gelingen kann, Fördergelder einzutreiben, darüber sei mit ihm schon viel geredet worden, erzählt Boris Töppe, Geschäftsführer der Wohnungswirtschaft (Wowi). Die Verantwortung sieht der Vermieter aber beim Verbindungshaus Fforst. Wenn die Vereinsmitglieder schon keine Miete bezahlen, müssten sie eigentlich eine Instandhaltungsrücklage bilden, betont er: "Das ist aber nie geschehen." Also die Stadt macht es ja vor, aber das man Fördergelder eintreiben kann ist mir ganz neu. Ich Dachte immer man muss ein Konzept haben, dieses Verteidigen müssen und kann dann Fördergelder beim Land beantragen. Aber da schien ich ja wohl falsch zu liegen. Und noch zu diesen super Satz, Zitat: „Eine Barriere ist der Status der Gemeinnützigkeit. Weil der Fforst e.V. kein gemeinnütziger Verein ist, sind die Aussichten auf Subventionen bisher schlecht“. Wenn es den so ist wie hier beschrieben, frage ich mich warum andere gemeinnützige Vereine keinen Anspruch auf Fördergelder haben. Den diese sind bestimmt mehr gemeinnützig als dieser. Die Wowi ist fein raus, den die sind das Haus erst mal von der Backe. MfG

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