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Zweitligakicker geht zum Landesligisten

Duell zu Zweitligazeiten: Jörn Wemmer (in Gelb von Erzgebirge Aue) im Zweikampf mit Rolf-Christel Guiè-Mien vom SC Paderborn.
Duell zu Zweitligazeiten: Jörn Wemmer (in Gelb von Erzgebirge Aue) im Zweikampf mit Rolf-Christel Guiè-Mien vom SC Paderborn. © Foto: dpa
Stephan Ellfeldt / 26.12.2013, 20:09 Uhr
(RA) Es gilt gemeinhin als sehr schwierig im Fußball, in der Wintertransferperiode einen guten Zugang zu verpflichten. Zumeist verlangt der abgebende Verein eine hohe Ablösesumme. Landesligist Schwarz-Rot Neustadt meldet jedoch einen echten Transferhammer.

Mit Jörn-Andreas Wemmer steht ab der Rückrunde ein ehemaliger Zweitligaspieler im Kader. "Damit bekommt Neustadt einen Wahnsinnsspieler. Das ist ein absoluter Glücksgriff", sagt Rainer Lüdke, Vorstandsmitglied beim BFC Dynamo. "Jörn ist mindestens ein Regionalliga-Spieler und war bei uns in der abgelaufenen Saison der beste Mann." Diese Lobeshymnen gehen Lüdke nicht leicht über die Lippen, denn es ist deutlich zu spüren, dass er den 29-jährigen Offensiv-Allrounder gerne behalten hätte.

Zum Oberligisten aus der Bundeshauptstadt kam Wemmer vom Regionalligisten Berliner AK. Vorher hießen seine Stationen Erzgebirge Aue (2. Bundesliga, 3. Liga), FC Oberneuland und der VfL Wolfsburg II (beide Regionalliga). Jörn Wemmer brachte es immerhin auf sieben Zweitligaeinsätze. Gegner waren unter anderem der VfL Bochum oder Greuther Fürth. Zukünftig werden es Forst Borgsdorf, SG Michendorf, Falkenthaler Füchse oder im einzigen Ruppiner Derby der FK Hansa Wittstock sein (22. März).

Die Ursache für seine sportliche Veränderung liegt in der beruflichen Orientierung. "Er ist jetzt Auszubildender bei der Berliner Polizei. Somit hat er seine Prioritäten ganz anders gesetzt. Sie liegen nun ganz klar beim Job", sagt Murat Lokorlu. Der Spielerberater betreute Jörn Wemmer auf seinen Stationen und vermittelte. "Nun haben wir nur noch freundschaftlichen Kontakt, weil es Jörn um andere Dinge geht. Von dem jetzigen Wechsel wusste ich nichts, aber Neustadt kann sich auf einen charakterlich anständigen Menschen freuen, der fußballerisch alles mitbringt und durch seine Schnelligkeit und Dynamik besticht." Für Lokorlu ist Wemmer zentral am effektivsten, wobei er auch über die Außenbahn kommen kann. "Eine herrliche Sechs oder Zehn, der auch von diesen Positionen immer unglaublich torgefährlich ist", stimmt BFC-Fanbeauftragter Rainer Lüdke dem Spielerberater zu.

Jörn Wemmer und der BFC Dynamo lösten den Amateurvertrag Ende Oktober auf. Daher ist der Allrounder auf dem Spielermarkt gewesen - bis zum vierten Advent, bis zu dem Moment, als er Neustadt das Ja-Wort gab. In der Familie Wemmer ist Jörn nicht der einzige mit fußballerischem Können. Sein Bruder Jens Wemmer spielt seit 2008 für den Zweitligisten Paderborn und gehört dort zum absoluten Stammpersonal. In dieser Saison hat es der 28-Jährige auf 17 Einsätze geschafft. Sein Marktwert wird mit 900 000 Euro beziffert. Der Neu-Schwarz-Rote hatte vor Jahren einen Wert von 200 000 Euro.

Halb Berlin jagt Wimmer und er schnürt dennoch die Töppen für einen brandenburgischen Verein - Jürgen Ewe, Abteilungsleiter Fußball schmunzelt bei diesem Satz. "Mehr als einmal, vielleicht maximal zweimal Training pro Woche bekommt Jörn Wemmer nicht hin. Aber er will unbedingt fit bleiben. Irgendwo auf der Bank zu schmoren, das will er nicht. Eine Garantie können wir natürlich auch nicht geben. Aber es müsste schon mit dem Teufel zugehen ..."

Der Kontakt zum Siebtligisten kam über Konrad Lüderitz zustande, der eine Karrierepause einlegte und in der Rückrunde wieder für Neustadt angreift. Ewe: "Ich glaube, die sitzen beim Studium nebeneinander." Gemeinsam mit Heimkehrer Paul Döbbelin (ein halbes Jahr für den MSV/Brandenburgliga) verfügt Neustadt nun über ein Traumduo - zwei Großkaliber, die in Landesliga für Furore sorgen und jedem Gegner Angst einjagen können.

Noch kennt Jörn Wemmer seine neue Mannschaft nicht. Das soll Anfang des Jahres unter anderem mit einem dreitägigen Trainingslager in Schwerin passieren. Er bleibt aber lediglich ein halbes Jahr bei Schwarz-Rot. Gefällt es ihm, ist nicht ausgeschlossen, dass es eine längere Traumehe wird. Der Neustädter Mannschaftsgeist war zu Oberliga-Zeiten unter dem vor vier Jahren verstorbenen Trainer Wolfgang Rahn legendär.

Jürgen Ewe legt sich schon mal für die sportlichen Ambitionen in der Rückrunde fest: "Ich rechne mit zehn bis zwölf Punkten aus den ersten fünf Partien." Er bleibt dabei, dass Schwarz-Rot trotz der miserablen Hinrunde den fünften Platz anvisiert. Der Rückstand beträgt in der Winterpause lediglich acht Zähler.

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