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Teufelshof - Der Name ist keinesfalls Programm

Teufelshof: Nur wenige Häuser gibt es dort, doch für Vogelfreunde ist die Gegend ein Muss.
Teufelshof: Nur wenige Häuser gibt es dort, doch für Vogelfreunde ist die Gegend ein Muss. © Foto: MZV/Augustiniak
Helmut Augustiniak / 27.12.2013, 00:01 Uhr
Teufelshof (MZV) Teufelshof - ein schrecklicher Name für einen abgeschiedenen idyllischen Ort unweit von Kienberg. Über eine wunderschöne Lindenallee zwischen Nauen und Börnicke, abzweigend von der B 273, erreicht man den Nauener Ortsteil Kienberg. Erst nach dem Verlassen des Ortes in westlicher Richtung erblickt man nach rund drei Kilomtern die Häuser von Teufelshof.

Man erreicht Teufelshof seit einigen Jahren über eine gut ausgebaute schmale Chaussee. Vor Jahrzehnten war es ein befestigter Landweg. Zu beiden Seiten des Weges stehen mannshohe Büsche.

Dahinter weiden große Rinderherden der ansässigen Landwirtschaftsbetriebe. Wenn die Kraniche in den Süden ziehen, stehen Tausende Vögel auf den Weiden. Das Gebiet ist ein Geheimtipp für Vogelfreunde. Teufelshof ist ein recht geschichtsloser Ort. Er entstand durch die Meliorationsarbeiten im Havelländischen Luch während des Ersten Weltkrieges.

Tausende russischer Kriegsgefangene aus dem Lager bei Bergerdamm zogen Entwässerungsgräben durch das Luch zur Gewinnung von bestellbaren Landwirtschaftsflächen. Infolge dieser Landgewinnung entstanden die Gutshöfe Teufelshof und Ebereschenhof.

Noch heute gibt es mitten im Ort einen grünweißen Wegweiser "Zum Gutshof". Folgt man ihm über einen fast mit Gras zugewachsenen Weg, an dessen Rand in verwilderten Gärten Ruinen von Gebäuden zu sehen sind, steht der Besucher vor einer grünen Wand aus Bäumen und Büschen. Dahinter sollen sich die Überreste des Gutshofes befinden. Es ist nicht ratsam, diese Wand zu durchbrechen. Das laute Knacken von Ästen lässt doch eine Rotte von Wildschweinen dahinter vermuten.

Wie ein Einwohner berichtet, der eine Wohnung im ehemaligen Verwalterhaus des Gutes ausbaut, hat der Ort 12 ständige Einwohner. Diese Zahl vervielfältigt sich jedoch durch die Mitglieder des Kleingartenvereins "Gutenberg e.V.".

15 Briefkästen sind am Eingangstor zum Vereinsgelände befestigt. Der Name des Vereins, der für eine Kleingartensparte etwas ungewöhnlich ist, erklärt sich aus der Profession der Mitglieder. Es sind bzw. waren Beschäftigte der Tageszeitung "Neues Deutschland".

Auf Beschluss des Politbüros der SED in der zweiten Hälfte der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts erhielten wissenschaftliche Einrichtungen, Mitarbeiter von öffentlichen Institutionen und Organen der Parteien Land für Kleingartensparten zugewiesen. Die Kommunen mussten die Flächen bereitstellen. Somit hat Teufelshof in der Nähe des royalistischen Prinzendamms, der das Luch durchzieht, eine linke sozialistische Enklave "Am Teufelshofer Weg".

Übrigens: den Namen Teufelshof erhielt das Gut, weil es im Teufelsbruch liegt, einem Gebiet zwischen der Jägelitz und dem Havelländischen Luch.

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