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Glockenstuhl aus Eiche für die drei Neuen

Probeläuten: Alfred M. Molter, Rainer Pabel, Thomas Neumann, Andreas Wibbels und Pastor Harold Bumann (v. l.) sind voller Vorfreude auf das neue Geläut, das oben in den Dachstuhl soll. Wie der neue Glockenstuhl aussehen wird, zeigt die Zeichnung.
Probeläuten: Alfred M. Molter, Rainer Pabel, Thomas Neumann, Andreas Wibbels und Pastor Harold Bumann (v. l.) sind voller Vorfreude auf das neue Geläut, das oben in den Dachstuhl soll. Wie der neue Glockenstuhl aussehen wird, zeigt die Zeichnung. © Foto: MOZ Gerd Markert
Margrit Höfer / 05.01.2014, 07:47 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Allerspätestens am heiligen Abend in diesem Jahr will Pastor Harold Bumann die neuen Glocken erklingen lassen - was im Februar 2013 beim Auftakt der Spendensammlung fürs neue Geläut der katholischen Kirche noch wie ein Wunsch klang, ist nun sehr viel weiter gediehen.

Das wird ein spannendes Jahr für die katholische Kirchengemeinde. "Wir haben das Baugesuch eingereicht", verkündet der aus der Schweiz stammende Pastor Harold Bumann. Bauingenieur Thomas Neumann, der das Glocken-Vorhaben betreut und plant, hofft, dass spätestens in einem Vierteljahr die Genehmigung vorliegt. Für den Ersatz des bisherigen stählernen Glockenstuhls durch einen hölzernen. Bisher gibt es zwei - völlig verrostete - Glocken, künftig drei hoch oben im Turm, die Gottesdienste einläuten sollen, "Zwei Glocken werden nebeneinander hängen und die dritte darüber", erzählt Neumann. Für das hölzerne Gerüst - ein Statiker hat sich mit der Konstruktion gesondert beschäftigt - soll mindestens zwei Jahre gelagerte Eiche benutzt werden.

Klar ist, dass das neue Geläut aus drei Bronzeglocken - 380 Kilogramm schwer ist die "dickste" - bestehen wird. Der Göttinger Glockensachverständige Andreas Philipp wird den Rüdersdorfern bei der Ausschreibung für diesen wichtigen Part zur Seite stehen. Drei Glockengießereien werden ausgewählt, die Angebote abgeben können. "Spannend aber für uns ist, dass wir die zeitliche Abfolge gut hinbekommen. Denn in den Gießereien werden nicht ständig neue Glocken oder Ähnliches gegossen, sondern Strecken aufgebaut, an denen dann an einem Stück gearbeitet wird", erzählt Neumann. Spätestens im April muss man sich im Kirchenvorstand geeinigt haben, welchen Schmuck die Glocken tragen sollen. Also Namen und Sprüche beispielsweise - eine grandiose Aufgabe, denn die Glocken werden die nächsten Jahrzehnte überdauern.

Seit November 2011 wissen die Rüdersdorfer, dass ihr Glockenstuhl des Gotteshauses an der Ernst-Thälmann-Straße so ziemlich hinüber ist. Der Rost nagt an allen Ecken des mehr als 100 Jahre alten Glockenstuhls. Auch die Läutetechnik ist von anno dunnemals. "Und wenn wir da oben schon rangehen, dann gibt es gleich noch neue Schallluken und wird in der Glockenstube der Fußboden mit neuen Bohlen versehen", erzählt Thomas Neumann weiter.

Im Februar vergangenen Jahres haben die Katholiken einen Spendenaufruf gestartet. Und Bürgermeister André Schaller zum Schirmherren der Aktion ernannt. Seit dem gab es u. a. eine beachtenswerte Ausstellung zu Friedrich Schillers Glockengedicht in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz. Alfred M. Molter, Gemeindemitglied und Landesvorsitzender des deutschen Bibliotheksverbandes, hatte seine Kontakte zur Staatsbibliothek genutzt. Und in Daniela Lülfing, Baubeauftragte der Generaldirektion in der Staatsbibliothek, eine Partnerin gefunden. Sie hat das Archiv für die Ausstellung und später auch für den exquisiten Nachdruck des Gedichts - die Einnahmen des handgebundenen und nur noch in wenigen Exemplaren vorhandenen Büchleins fließen wieder in den Glocken-Spendentopf - zur Verfügung gestellt. Den Großsponsoren will man nun ein besonderes Danke sagen und ihnen im Archiv der Staatsbibliothek einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Sehr froh sind die Akteure aus Rüdersdorf auch über die vielen Privaten. Statt Geschenken bitten mehr und mehr Jubilare um Spenden für die Glocken. "Und auch unser Kirchenchor hat sich eingebracht und durch den Punschverkauf auf zwei Weihnachtsmärkten 1000 Euro dazugebracht", freut sich Gemeindemitglied Rainer Pabel.

Rund 55 000 Euro muss die Kirchengemeinde als Eigenanteil für das ehrgeizige Vorhaben aufbringen, der Rest kommt vom Bistum Berlin. Die Hälfte, so freuen sich alle Mitmacher, haben sie schon zusammen. Deshalb können nun auch erste Aufträge ausgelöst werden. Auch Rüdersdorf wird sich mit bis zu 20 000 Euro einbringen, bestätigt Bürgermeister André Schaller einen Beschluss der Gemeindevertreter.

Ziel ist, dass die Glocken im August/September von Kardinal Wölki gesegnet und danach in den Turm gehievt werden. Ein Probeläuten wird es im Herbst geben. Ob das Te-deum der neuen Glocken tatsächlich erst Heiligabend erklingt, wird man dann hören.

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