Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Finowfurter Verein stellt historisches Handwerk seit 15 Jahren in den Mittelpunkt / Reisen bis nach Lettland

Auf den Spuren der alten Flößer

Harte Arbeit: Alljährlich im April oder Mai bauen die Finowfurter Flößer ein Floß. Dazu werden 24 riesige Baumstämme aneinandergebunden. Durchschnittlich zehn Tonnen wiegt ein Floß.
Harte Arbeit: Alljährlich im April oder Mai bauen die Finowfurter Flößer ein Floß. Dazu werden 24 riesige Baumstämme aneinandergebunden. Durchschnittlich zehn Tonnen wiegt ein Floß. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 12.01.2014, 07:45 Uhr
Finowfurt (MOZ) 2014 entsteht das große Floß im Mai. Erstmals werden angehende Tischler und Zimmerer daran mitarbeiten. Seit 15 Jahren widmet der Finowfurter Flößerverein sich dem bis 1975 am Finowkanal praktizierten historischen Handwerk des Floßbaus und dem Flößen.

Das jährliche Highlight ist nach wie vor das Flößerfest. Als Dorffest der Finowfurter hatte es in den 90ern begonnen. Bald schon kamen zu dem dreitägigen Fest Anfang Juli bis zu 30 000 Besucher. Und auch wenn sich ihr Verein erst drei Jahre nach der ersten Auflage gründete - die Finowfurter Flößer dürften einen großen Anteil an dieser Anziehungskraft haben.

Daran soll sich auch im 16. Jahr seines Bestehens nichts ändern. "Den Verein wird es noch in hundert Jahren geben - glaube ich", zeigt sich Vizechef Steffen Dittrich zuversichtlich. Denn immer wieder hat sich die eingeschweißte Truppe selbst erneuert. "Vielleicht gibt's in diesem Jahr eine Flößertaufe oder ähnliches. Ich denke schon, dass wir etwas ganz Neues auf die Beine stellen werden."

Zwölf waren sie zur Gründung am 21. Januar 1999. Darauf anstoßen könnten zur Jahreshauptversammlung am 24. Januar 36 Frauen und Männer. Gewisse Nachwuchssorgen gibt es bei ihnen aber wie in vielen Vereinen. Zwar sei jüngst ein 24-Jähriger dazugestoßen, zwei weitere junge Männer folgen, sagt Dittrich. Dennoch: "Das Durchschnittsalter liegt bei uns bei 62 Jahren. Das heißt, wir sind schon gar nicht mehr in der Lage, selbstständig ein Floß zu bauen."

Das nämlich ist schwere Arbeit. Durchschnittlich zehn Tonnen wiegen die jeweils 24 riesigen Kiefernstämme. So, wie es früher in der Region war. Die Stämme, die einst aus Russland über die Oder kamen und über den Finowkanal als Bauholz nach Berlin transportiert wurden, band man zum Floß. "Selbst zu DDR-Zeiten wurde noch geflößt", erzählt Steffen Dittrich. "Dieter Wendt, den letzten Flößer vom Finowkanal, haben wir als Ehrenmitglied."

Dem Altersproblem im Verein begegnen die heutigen Freizeitflößer mit neuen Ideen. Zum traditionellen Bau des Floßes im Mai holen sie sich junge Leute heran. Zweimal waren das die Finowfurter Fußballer. "In diesem Jahr machen wir das mit Auszubildenden von der Berufsfachschule Weißensee", blickt der stellvertretende Vereinsvorsitzende voraus. 20 angehende Tischler und Zimmerer reisen an. Sie sollen am 3. Mai auch ihr Handwerk in einer Schauwerkstatt präsentieren. Geplant sei, dass sie mit Holz vom Finowfurter Imprägnierwerk einen Spielstand für eine Finowfurter Kita bauen.

Bis Ende September bleibt das Finowfurter Floß meist im Wasser. "Das Wasser löst die Borke ab und Ungeziefer wird abgetötet", erläutert Dittrich, der schon zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zählte. "Die Stämme gehen dann ins Holzsägewerk in die Trockenkammer und sind für die Möbelindustrie von hohem Nutzen." Kostenlos zur Verfügung gestellt bekomme der Verein das Holz für die Saison von der Firma Robeta.

Zu den Vereinsaktivitäten gehört allerdings noch wesentlich mehr. Die Finowfurter Flößer zählen zu den 36 Vereinen der Deutschen Flößervereinigung sowie zur internationalen Flößervereinigung, die ihren Sitz in Katalonien hat. So gibt es regelmäßige Flößertreffen und Flößerreisen. "Das ist schon großartig", sagt Steffen Dittrich, der den Verein in einer Gemeinschaft von über 500 Flößern deutschlandweit sowie international gesehen fast 2000 Hobby-Kollegen zuhause sieht.

Das Flößertreffen, das die Finowfurter 2005 ausgerichtet hatten, führte damals wegen der Veranstaltungskosten, die erst zwei Jahre später beglichen werden konnten, zur Entzweiung mit dem Gründungsvorsitzenden Fritz Derkow. Von Derkow stammte auch das Flößerdenkmal am Floßplatz, das wegen mehrfacher Vandalismusschäden inzwischen abgebaut wurde. Als Vorsitzender folgte auf Derkow der Chef der Barnimer Busgesellschaft Frank Wruck.

In ihrem Jubiläumsjahr planen die Flößer unter anderem einen Vortragsabend am 14. März in der Flößerhütte und Arbeitseinsatz und Inventur am Floßplatz am 29. März. Zwölf Mitglieder fahren zudem zum internationalen Flößertreffen, das in diesem Jahr nach Lettland führt. Unter anderem sehen sie sich dort eine alte Bierbrauerei an. Auch dies mit historischem Hintergrund: "Früher hat ein Flößer fünf Liter Bier als Deputat pro Tag bekommen", erzählt Steffen Dittrich.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG