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Rund 400 Menschen protestieren gegen die geplante Abholzung von Bäumen am Liepnitzsee

Protest gegen geplante Abholzung

Heiko und Birgit Großmann von der Jagdhornbläsergruppe Hubertusstock bliesen an einigen Haltepunkten ordentlich ins Horn.
Heiko und Birgit Großmann von der Jagdhornbläsergruppe Hubertusstock bliesen an einigen Haltepunkten ordentlich ins Horn. © Foto: Steffi Bey
Steffi Bey / 14.01.2014, 07:50 Uhr - Aktualisiert 27.02.2014, 14:35
Wandlitz (MOZ) Bei der dritten Neujahrswanderung gegen die Errichtung von Windrädern im Liepnitzwald gab es eine Rekordbeteiligung. Rund 400 Protestierende aus Bernau, Basdorf, Klosterfelde, Lanke und Wandlitz nahmen am Sonntag an dem zweistündigen Spaziergang teil.

Junge und ältere Paare, Familien, Leute mit Hund oder Fahrrad - sie alle waren gekommen, um gegen die von der Landesregierung geplanten Windräder zu protestieren. "Wir finden es unmöglich, dass so viel Wald abgeholzt werden soll und dann Stromriesen das Landschaftsbild verschandeln", sagen Angelika und Karlheinz Schulz aus Bernau. Sie kennen das Gebiet rund um den Liepnitzsee seit vielen Jahren, kommen zum Wandern und Radfahren gerne hierher.

Auch Doris Joecks aus Lanke liebt dieses herrliche Stück Natur und findet es beängstigend, was die Politiker damit vorhaben. "Damit diese Abholzungspläne nicht verwirklich werden, nehme ich an der Wanderung teil", sagt die ältere Dame.

Wie viele andere ist sie nicht zum ersten Mal dabei, wenn die Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald" zum Waldspaziergang gegen die Windkraft aufruft. Auch am Sonntag führt wieder Hans-Jürgen Klemm den starken Besucherstrom durch die bedrohte Landschaft. Allerdings auf etwas anderen Pfaden als in den Jahren davor: So wird an solchen Stellen Halt gemacht, die besonders verdeutlichen, wie "hirnrissig und vor allem verantwortungslos die Pläne der Verantwortlichen in Potsdam sind", macht der studierte Diplomingenieur deutlich. Und so bringt er die große Gruppe der Windkraftgegner unter anderem 400 Meter von der Autobahn entfernt zum Stehen. Dort verdeutlicht er den zu erwartenden Lärmzuwachs. "Durch das Abholzen des wertvollen Misch- und Kiefernwaldes entstehen praktisch neue Schneisen, die den Lärm dann ungehindert weiter tragen", ruft er durch das Megaphon. Mit ernsten Gesichtern verfolgen die Zuhörer die Ausführungen.

Natalie und Johanna, zwei elfjährige Mädchen aus der Wandlitzer Montessoiri-Schule, sind ebenfalls dabei. Sie haben sich kürzlich gemeinsam mit einer handvoll Gleichaltriger zu einer Kinder- und Jugendgruppe gegen die geplanten Windkraftanlagen im Liepnitzwald zusammengeschlossen. "Wir wollen anderen die Augen öffnen und ihnen erklären, was mit dem Wald passieren wird", sagt Natalie selbstbewusst. Unterstützt werden sie dabei von der "großen" Bürgerinitiative.

Hans-Jürgen Klemm hat am Sonntag jedenfalls eingehalten, was er zu Beginn der Wanderung versprach: "Es wird keine großen Reden geben, dafür mehrere kleine", sagte er. Drei Mal gab es während der Tour kurze Stopps. Bernhard Huhn, Förster im Ruhestand, ging beispielsweise auf die natürliche Speicherung von Kohlendioxid durch den Wald ein. "Wird die Fläche allerdings künftig als Industriegebiet genutzt, geht diese wichtige Funktion als Sauerstoffspender verloren und nimmt ihm seine Erholungsfunktion."

Wanderführer Klemm verdeutlichte die Gefahr noch einmal durch aktuelle Zahlen: 382 Hektar seien als Windeignungsgebiet im Liepnitzwald vorgesehen. Das würde bedeuten: sechs bis sieben Stromriesen auf 100 Hektar. Damit verbunden seien erhebliche Landschaftsveränderungen. Schließlich müssten teilweise bis zu 20 Meter Höhenunterschiede überwunden werden. Hans-Jürgen Klemm appellierte an die Teilnehmer und rief dazu auf, Einwände gegen den Windeignungsplan vorzubringen. Der Plan wird ab April öffentlich ausgelegt.

Informationsveranstaltung am Dienstag, 21. Januar, um 19 Uhr im "Goldenen Löwen" in Wandlitz.

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Hans-Jürgen Klemm Sprecher BI "Hände weg vom Liepnitzwald" 15.01.2014 - 12:53:30

Ja wirklich - die Lawine rollt!

Es war eine Freude zu erleben, wie viele junge Familien sich uns an diesem Wandertag uns angeschlossen haben. Das sollte den Politikern sehr zu denken geben. Unser Motto ist Auftrag für die Planer und Politiker: Nehmen Sie die Hände weg vom Liepnitzwald, dem Erholungsgebiet von überregional herausragender Bedeutung am Liepnitzsee in der Gemeinde Wandlitz! Diesmal hatten wir uns vorgenommen, eine Werte orientierte Themensetzung mit dem Wanderweg durch praktisches Erleben zu vermitteln. Der Liepnitzwald erfüllt in seiner heutigen Beschaffenheit viele in sich verzahnte Funktionen, dass schon unbedachte Pflegemassnahmen Großes bewirken können. Daher werden, wie wir in Augenschein nehmen konnten, schon heute nie großflächige Eingriffe im Waldumbau realisiert. Was geschieht erst, bekämen die Windradbefürworter im Wald die Oberhand. Was würde die Rodung von ca. 1 Million Quadratmeter Fläche für die Einrichtung der Industrieanlagen und Logistik und die Planierung der Stellflächen in der Endmoränenlandschaft mit zum Teil über 20m Höhenunterschied nicht nur im Erscheinungsbild der Landschaft verändern? Der Wald würde seine Schutzfunktionen und die Waldfunktion als ganzes verlieren, ganz einfach. Die Folgen wären u.a. kaum mehr eine Lärmminderung für das Erholungsgebiet und die Wohngebiete von Ützdorf, Lanke, Lobetal, Prenden und Wandlitz sowie die Waldsiedlung von Bernau. Zu dem aus der Ebene vordringenden Dauerschallpegel Autobahn würden sich die pulsierenden Lärmpegel aus bis zu 180-200 m Höhe noch hinzu addieren, ganz zu schweigen von der Infraschallbelastung die weiträumig Wirkung entfalten wird. Vielmehr und tiefer dringen in die Wohn- und Erholungszone dann auch Feinpartikeleinträge durch Minderung der Filterfunktion vor. Weniger Luftbefeuchtung über Blattverdunstung begünstigt nicht nur das Abtrocknen der Moose bei zu viel Sonneneinstrahlung, sondern mindert auch die Qualität der Luft. Weniger Wasserrückhaltung bei Regen und damit weniger Filterung und höherer Partikeleintrag in den Liepnitzsee kämen nicht nur bei Starkregen hinzu. Mehr Bodenerossion und geringere Grundwasserbildung durch schnellere Wasserabführung über die versiegelten und verdichteten Industrieflächen wären eine weitere Folge. Schnellere Wasserabführung auch im Hochwasserschutz müssten Beachtung finden an den Bächen bis hin zur Oder. Weniger Sauerstoffproduktion durch weniger Bäume und Sträucher. Weniger Bodenlebewesen, mehr tote Tiere und vieles mehr, müßten wir hinnehmen. Der Wald verliert seine Funktion und Vitalität. Was bleibt dann für uns Menschen, besonders die, welche im Wald Erholung suchen oder in seiner Nähe leben übrig? Was wird mit den Arbeitsplätzen in der Forstwirtschaft, die ein gerodeter Wald nicht mehr erhalten kann? Was aus den vom Tourismus abhängigen Wirtschaften und Hotels?

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