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Zahlreiche Flurstücke der Gemeinde im Amt Biesenthal-Barnim als Bodendenkmale ausgewiesen / Zusatzkosten beim Bau

Teure Zeugnisse der Vergangenheit

Blick auf die Altstadt von Biesenthal: Im Boden darunter schlummern vermutlich Reste mittelalterlicher Siedlungen. Viele Grundstücke sind dort in der Liste der Bodendenkmale.
Blick auf die Altstadt von Biesenthal: Im Boden darunter schlummern vermutlich Reste mittelalterlicher Siedlungen. Viele Grundstücke sind dort in der Liste der Bodendenkmale. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Brigitte Horn / 16.01.2014, 07:45 Uhr
Biesenthal (MOZ) Ein Amt als riesiges Museum. Wer die amtliche Mitteilung über die Eintragung von Bodendenkmalen für Altstädte, Dorfkerne und Siedlungen im Amt Biesenthal-Barnim liest, kann zu diesem Eindruck kommen. Doch den Kommunen nutzt das wenig.

Im Volksmund Elfenstein genannt, glaubten die Menschen früher, dass Feen darin ihr Getreide mahlten. Solche Steine, die wissenschaftlich Schalen- oder Näpfchensteine heißen, sind relativ flache Vertiefungen im Felsgestein. Ihre zeitliche Zuordnung reicht von vor 50 000 Jahren bis 1500 v. Chr. Vermutet werden diese Zeugen der Urgeschichte in Marienwerder. Deshalb sowie auch wegen möglicher neuzeitlicher Funde im Dorfkern sind in Marienwerder die Flur 1 mit mehr als 160 Grundstücken sowie zwei Flurstücke in der Flur 5 als Bodendenkmal ausgewiesen.

In Biesenthal ist die Anzahl der unter Bodendenkmalschutz fallenden Grundstücke noch größer. Unter der Überschrift "Altstadt deutsches Mittelalter, Altstadt Neuzeit" betrifft es ein Gebiet am Wehrmühlenweg und nördlich der Schulstraße in der Flur 6 als Bodendenkmal. In der Flur 10 fallen Grundstücke zwischen Friedhofsweg sowie südlich der August-Bebel und Grünstraße darunter. Die größte Fläche ist die Flur 11 in der westlichen Altstadt und südlich der Breiten Straße mit mehr als 180 Flurstücken. Nicht nur in Biesenthal und Marienwerder, in sämtlichen Gemeinden des Amtes Biesenthal-Barnim gibt es Bodendenkmale. Dabei ist die Dichte nicht herausragend. Ähnlich sieht es beispielsweise in Wandlitz oder Ahrensfelde aus.

Nach dem Brandenburgischen Denkmalschutzgesetz ermittelt die untere Denkmalschutzbehörde die Denkmalliste und unterrichtet die Verfügungsberechtigten über Löschung oder Eintragung von Denkmalen, wozu auch die Bodendenkmale zählen, informierte Jana Zelle, Leiterin des Bereiches Landrat der Kreisverwaltung. Grundlage sei die periodische Überarbeitung der Liste der Bodendenkmale. "Die Anzahl der Grundstücke hat sich nicht signifikant verändert", teilte Jana Zelle auf eine entsprechende Nachfrage mit.

Was die Tatsache, Land in einem Bodendenkmalbereich zu besitzen, für den Grundstückseigentümer bedeutet, geht aus einen Flyer der Denkmalbehörde hervor. Darin heißt es unter anderem: "...als Besitzer oder Verfügungsberechtigter eines Denkmales sind Sie gesetzlich aufgefordert, es zu schützen und zu erhalten - im Rahmen des Zumutbaren. Dabei ist natürlich die bisherige, rechtmäßig ausgeübte Nutzung auch weiterhin erlaubt. Nur wenn die Nutzung sich ändert, und damit großflächige und tief reichende Erdeingriffe verbunden sind, muss eine Erlaubnis bei der unteren Denkmalschutzbehörde eingeholt werden."

Doch nicht nur das. Wenn dann gebaut wird und es in den Boden geht, dann ist dann eine archäologische Begleitung des Bauvorhabens erforderlich. Das bedeutet beispielsweise, dass Handschachtungen erforderlich und gegebenenfalls entdeckte Funde dokumentiert werden.

Für die Kommunen als Eigentümer beziehungsweise auch Privatleute sei dies aber alles andere als erfreulich. Biesenthals Bürgermeister André Stahl verweist auf die hohen Kosten und die Verzögerung des Baufortschritt, die damit verbunden sind. Die Denkmalbehörde weise sehr großzügig Bodendenkmale aus, bezahlen müssten es aber andere, kritisiert Stahl die Praxis. Als Beispiel nennt er die Rückergasse, bei deren Ausbau ein alter Knüppeldamm gefunden worden sei. Insgesamt sind bei der Altstadtsanierung mehr als 10 000 Euro für die denkmalpflegerische Begleitung angefallen.

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