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Zwei Naturparke, vier Schulen, ein Ziel

Schulleiterinnen bei der Arbeit: Gemeinsam mit Vertretern der Schulträger und der beteiligten Naturparke wurde am Donnerstag die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Schulleiterinnen bei der Arbeit: Gemeinsam mit Vertretern der Schulträger und der beteiligten Naturparke wurde am Donnerstag die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. © Foto: Dietmar Stehr
Dietmar Stehr / 17.01.2014, 06:00 Uhr
Neuruppin (MZV) Neue Wege bei der Umweltbildung gehen die Naturparke Stechlin-Ruppiner Land und Uckermärkische Seen. Beide besiegelten am Donnerstag in Menz die Kooperation mit vier Schulen aus dem Norden Brandenburgs, darunter die Wilhelm-Gentz-Grundschule Neuruppin. Deren Leiterin Kathrin Tokar freut sich nun auf einen regen Austausch mit der Theodor-Fontane-Grundschule in Menz, der Mildenberger Grundschule "Am Ziegeleipark" sowie der Aktiven Naturschule Templin.

Hintergrund für die nun geschlossene Vereinbarung ist ein Modellprojekt des Verbands Deutscher Naturparke (VDN) mit Hauptsitz in Bonn. Dieser adaptiert zurzeit ein erfolgreiches Kooperationsmodell aus Österreich, das eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schutzgebietsverwaltungen und Schulen zum Ziel hat.

Auf der Suche nach Teilnehmern für erste Modellversuche unter wissenschaftlicher Begleitung drängte sich das Stechlin-Ruppiner regelrecht auf. "Wir sind ein ganzes Stück weiter als der Rest", erläutert Parkleiter Dr. Mario Schrumpf. So ist eines der formulierten Projektziele, anhand zuvor vereinbarter Kriterien Naturpark-Schulen zu etablieren. Genau diesen Titel führt die Gentzschule bereits seit mehr als zehn Jahren und leistet laut Schrumpf seitdem eine vorbildliche Arbeit in der Umweltbildung. Allerdings wurde der Titel seinerzeit für Schulen innerhalb des Naturparks ausgeschrieben - zu einer Zeit, da bundeseinheitliche Festlegungen zu inhaltlichen Zielen der Zusammenarbeit noch Zukunftsmusik waren. Konkret verpflichten sich die teilnehmenden Schulen zu regelmäßigen Exkursionen in die Naturparke sowie zum Erfahrungsaustausch darüber. Zudem werden die Schulleiter mindestens zweimal jährlich das Gespräch über ihre gesammelten Eindrücke suchen. Lehrer erhalten mindestens einmal im Jahr ein passendes Fortbildungsangebot. Zentraler Bestandteil der Kooperationsvereinbarung ist aber der Austausch unter den Schulen, die Natur und Umwelt samt regionalen Schwerpunkten zu festen Unterrichtsinhalten machen.

Die Schulen werden sich der nun unterzeichneten Vereinbarung zufolge gegenseitig ihre Projekte vorstellen und vor allem gemeinsame Unternehmungen mit den Schülern suchen. Beispielsweise bei gesonderten Projekten oder Besuchen im Naturpark sollen sich die Umweltschützer von morgen auch gegenseitig kennen lernen. Das Staatliche Schulamt Perleberg unterstützt das Modellprojekt Mario Schrumpf zufolge wohlwollend.

An Projekten fehlt es schon jetzt nicht. Streuobst- oder Orchideenwiese sind wie Biotop oder Artenvielfalt Begriffe, mit denen die Mädchen und Jungen an den teilnehmenden Schulen ganz selbstverständlich groß werden. Zusätzlicher Input kommt von den Naturparken und deren vielfältigen Angeboten. Die Gentzschule etwa wird dieses Jahr erstmals den Miteinander-Tag in Menz besuchen, bei dem der Naturpark mit weiterer Unterstützung die Integration von Behinderten vorlebt.

Tatsächlich geht für Mario Schrumpf die Kooperation über die reine Umweltbildung hinaus. Er verweist auf die derzeit laufende UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Seiner Auffassung nach stärke das jetzt vereinbarte Miteinander und dessen inhaltliche Ausgestaltung letztlich auch die Sozialkompetenz der Grundschüler und verankert bei ihnen den Nachhaltigkeitsgedanken.

Zehdenicks Bürgermeister Arno Dahlenburg (SPD) gewinnt dem Modellprojekt sogar wirtschaftliche Aspekte ab. Schließlich profitiere die Region im Tourismus im hohen Maße von der Natur.

Dass diese vielerorts noch viel ursprünglicher war als heute, verdeutlichte am Donnerstag Corinna Zick von der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg. Sie stellte in Menz "Lilian und Fräulein Azuré im Land der Moore" vor. Die Abenteuergeschichte führt aus Sicht eines Däumlings durch den Lebensraum Moor, der im heutigen Brandenburg einst 300 000 Hektar ausmachte. Intakt ist davon heute nur noch etwa ein Prozent. Ein Drittel aller früheren Moore ist sogar unwiederbringlich verloren. Wie wichtig der Erhalt dieser Gebiete ist, wird anhand von Lilian und Fräulein Azuré kindgerecht vermittelt - bei "Moorreisen" genannten Veranstaltungen an Schulen, die wohl bald auch im Stechlin-Ruppiner Land und im Naturpark Uckermärkische Seen zu erleben sein werden.

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