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Gemalte Achtung vorm Gegenüber

Dicht an dicht: Das Besucherinteresse war bei der Eröffnung der Ausstellung mit Bildern und Zeichnungen von Manfred Neumann in den Letschiner Heimatstuben groß.
Dicht an dicht: Das Besucherinteresse war bei der Eröffnung der Ausstellung mit Bildern und Zeichnungen von Manfred Neumann in den Letschiner Heimatstuben groß. © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 21.01.2014, 07:48 Uhr
Letschin (MOZ) Die erste Ausstellung des neuen Jahres in den Letschiner Heimatstuben ist schon jetzt ein voller Erfolg: Zur Eröffnung der Schau, die Bilder und Zeichnungen des Frankfurter Malers Manfred Neumann zeigt, kamen viele Bewohner des Oderbruchs - um erinnert zu werden.

Zwar habe ihn das Zentrum für Künstlerische Werkstätten in Frankfurt damals, in den 80er Jahren beauftragt, im Oderbruch zu arbeiten. Doch "die Idee kam von mir und eine thematische Vorgabe gab es nicht", erklärte Manfred Neumann, Spekulationen vorbeugend. Der Maler stand am Sonnabend, von den zahlreichen Besuchern der Ausstellungseröffnung dicht umringt, im Obergeschoss des "Haus Birkenweg".

Eben hatte sein langjähriger Freund Jürgen Barber festgestellt, dass sich eine Einführung in die Ausstellung im Grunde erübrige, denn Neumanns Arbeiten erklärten sich selbst. Um dann doch noch anzumerken: Vor allem in den Porträts komme eine "ostpreußisch-norddeutsche Grundhaltung des Malers zum Tragen - die Achtung vor der Arbeit des Gegenüber". Als Grundlage der altmeisterlich guten Porträts erkannte Barber, dass Manfred Neumann ein "ruhiger Zuhörer" sei.

Das konnten Ausstellungsbesucher wie Pauline Macholtz und Herbert Schramm bestätigen. Die beiden Ortwiger haben dem Maler 2010 Modell gesessen. "Zwei bis drei Stunden, auf unserem Hof", erinnert sich die 80-jährige Pauline Macholtz. Die Porträts der beiden hängen im unteren Ausstellungsraum der Heimatstuben, neben den älteren Porträt-Kohlezeichnungen aus den 80er Jahren.

Eines zeigt eine Bäuerin aus dem Gusower Ausbau. An deren Namen erinnert sich Manfred Neumann zwar nicht mehr. Aber daran, dass sie 1980, als er sie traf "allein auf dem verfallenen großen Gehöft gelebt" habe. "Porträt K." steht an der Bleistiftzeichnung daneben. Es zeigt den wohl berühmtesten Golzower der damaligen Zeit - den LPG-Vorsitzenden Arthur Klitzke. Ihn hat Manfred Neumann 1987 gezeichnet.

Er habe in den 80er Jahren im Oderbruch "tolle Leute kennengelernt", blickte der Maler bei der Ausstellungseröffnung zurück. Ihn interessierten damals vor allem die Älteren mit ihren interessanten Lebensgeschichten. "Die Leute waren nach dem Krieg aus halb Europa hier her gekommen", erinnert sich Manfred Neumann, der mit seinen Zeichnungen auch Einblicke in die Arbeitswelt im Oderbruch der 70er Jahre gibt.

Wahrlich "altmeisterlich" wird es für den Besucher der Ausstellung nach dem Gang die Treppe hinauf: Oben, im kleinen Ausstellungsraum, lächeln ihn schöne, junge Frauen aus den großen Bilderrahmen an. Die Porträts von Lucy, der Tochter von Pauline Macholtz, von Sylke oder Katrin, erinnern an die Bilder Alter Meister in Öl, obwohl Manfred Neumann sie mit Acrylfarben und Firnis gemalt hat.

Die 20 Bilder, die im "Haus Birkenweg" zu sehen sind, stammen aus dem Privatbesitz des Malers. Wer weitere seiner Arbeiten aus dem Oderbruch sehen will, wird im Oderlandmuseum in Bad Freienwalde fündig.

Ausstellung Manfred Neumann. Malerei und Zeichnungen, bis 2. März in den Letschiner Heimatstuben, Mi. bis Fr. 11 bis 17 Uhr, Sa., So. 14 bis 17 Uhr

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