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Bernd Hartwich will die Uckermark-Retter in den Wahlkampf führen und die Übermacht von Windrädern begrenzen

"Es geht auf keinen Fall so weiter"

Fährt unermüdlich von Termin zu Termin: Bernd Hartwich aus Naugarten ist Fraktionschef von Rettet die Uckermark im Kreistag. Er pocht auf eine starke Opposition gegen die Kooperation aus SPD, CDU und FDP.
Fährt unermüdlich von Termin zu Termin: Bernd Hartwich aus Naugarten ist Fraktionschef von Rettet die Uckermark im Kreistag. Er pocht auf eine starke Opposition gegen die Kooperation aus SPD, CDU und FDP. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 24.01.2014, 07:45 Uhr
Prenzlau (MOZ) Die Uckermark-Retter wollen weiter die Uckermark retten. Die Bürgerinitiative der Windkraftgegner formiert sich neu. Erklärtes Ziel: Fraktionsstärke im Kreistag und Sitze in möglichst vielen Stadtparlamenten. Fraktionschef Bernd Hartwich schimpft dabei auf die etablierten Parteien.

Der Mann ist 68, war früher Elektriker, Bürgermeister in Naugarten und sitzt heute im Kreistag. Bernd Hartwich ist ununterbrochen auf Achse, trotz seiner Schwierigkeiten mit dem künstlichen Hüftgelenk. Schon seit Jahren fährt er mit dem Privatauto quer durch die Uckermark, um unermüdlich und aus ehrlichem Herzen Wahlkampf für die Windkraftgegner zu machen. Er hängt Plakate auf, verteilt Flugblätter, spricht mit Bürgerinitiativen. "Eigentlich wollte ich schon hinschmeißen und das alles nicht mehr über mich ergehen lassen", sagt der Rentner. Aber weil die Neuen in der Fraktion ihn dringend brauchen, tritt er wieder zur Kommunalwahl an. Vielleicht lässt er sich sogar als Landtagskandidat auf die Liste eines brandenburgweiten Bündnisses setzen. Aber das steht noch nicht fest.

Was Bernd Hartwich antreibt, ist die Ungerechtigkeit, die die Strommühlen in seine uckermärkische Heimat gebracht haben. Rund um Naugarten wimmelt es von ihnen. "Wer hat das Recht, die Landschaft so zu versauen?", empört er sich immer und immer wieder. "Das Aussehen, der Krach, ich werde mich nie daran gewöhnen können." Auch finanziell würde sich die Übermacht der Windkraftanlagen für die betroffenen Gemeinden nicht auswirken. "Für 27 Windräder bekommt die Gemeinde 15 000 Euro Gewerbesteuer. Das zahlt schon jeder Handwerksbetrieb", wettert Hartwich. Er plädiert für eine Beteiligung der Menschen. "Wenn die Leute sehen würden, dass dafür wenigstens der Bürgersteig gemacht wird, dann wäre der Frust auch nicht so groß."

Als Verhinderer alternativer Energiequellen sieht sich die Bürgergemeinschaft nicht. Doch sie will wenigstens eine gerechte Verteilung der Anlagen erreichen und eine Senkung der Lasten. "Es geht auf keinen Fall so weiter, dass der Normalbürger alles bezahlen muss", sagt Bernd Hartwich. "Als die ersten Windräder aufgestellt wurden, hat man uns versichert, dass irgendwann der Strom billiger wird. Jetzt sehen wir, was das Erneuerbare-Energien-Gesetz anrichtet: Wir verschenken den teuren Strom an andere Länder. Und zu den Netzproblemen kann ich als Elektriker nur sagen: Bevor ich ein Gerät in Gang bringe, baue ich erst die Leitung zusammen. Was jetzt passiert, ist für die Bürger völlig unverständlich."

Noch steht die Liste der Kreistagskandidaten nicht fest. Hartwich fährt umher und wirbt für seine Fraktion. Für ihn sind die Uckermark-Retter die einzig nennenswerte Opposition im dort herrschenden "Einparteien-System." Gemeint ist die Kooperation von SPD, CDU und FDP. Hartwich plädiert dagegen für wechselnde Mehrheiten, mit denen einst ein Landrat Benthin regieren musste. Es sei traurig, dass CDU und SPD den Wählerwillen nicht respektieren würden. "Wenn ich in der Uckermark SPD wähle, bekomme ich im Kreistag CDU und umgekehrt. Und die FDP macht sowieso alles mit." Gerade gegen die Liberalen hegen die Uckermark-Retter einen Groll, weil der jetzige FDP-Abgeordnete Burkhard Woitge aus ihren Reihen dorthin wechselte. Hartwich schrieb verärgert einen Brief an den Kreisvorsitzenden und wünschte der FDP ein Wahlabschneiden unter fünf Prozent. Aus heutiger Sicht wirkt das wie eine Vorhersehung.

In ihrem Wahlprogramm soll es den Windkraftgegnern nicht allein um die Strommühlen gehen. Schulpolitik, Jugendpolitik sowie Bildung und Teilhabe stehen schon auf dem Plan. Wenn Schulen auf der Kippe stehen, wenn es um Naturschutz und Denkmale geht, wenden sich Betroffene häufig an die Fraktion. "Wenn wir etwas zu melden haben wollen, müssen wir stärker werden", sagt Bernd Hartwich. Aus seiner Sicht könnte man auch mit den Bündnisgrünen zusammenarbeiten, weil viele Themen übereinstimmen. Doch weiß er nicht, ob das auf beiden Seiten hundertprozentig gewollt ist.

Der Gründer der Bürgerinitiative, Hans-Joachim Mengel aus Wartin, wird im Wahlkampf keine Rolle mehr spielen. Die Fraktion hat ihm übel genommen, dass er eigenes Land an die Windbetreiber vergeben wollte. "Damals war der ganze Wahlkampf auf den Professor ausgerichtet", erzählt Hartwich. "Das müssen wir jetzt ändern."

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Klugscheißer 26.01.2014 - 13:02:53

@mark ucker

kugscheißer? Was ist das?

Mark Ucker 26.01.2014 - 12:49:46

alles kugscheisser

Es ist mit Sicherheit nicht einfach, unter den ständigen Anfeindungen und den juristischen Winkelzügen der "Nationalen Front" im Kreistag überhaupt Gehör zu finden, deshalb hier meine Hochachtung für diesen standhaften Mann. Es müssten sich viel mehr einbringen ujm endlich etwas Weitsicht in die oft provinziell verpeilte Einheits- Kreispolitik zu bringen.

hanswind 24.01.2014 - 14:34:35

naja, Herr Krumrey

...so richtig patent kommt mir der Rest der Politriege im Zusammenhang mit den dargestellten Problemen auch nicht rüber. Da wird vielleicht viel geredet, aber mit welchen Ergebnissen? Wenn schon dieses totgeborene UVG Projekt zum großen Preisträger wird, scheint die Ohnmacht auch bei den etablierten nicht von ohne zu sein... Die tun vielleicht professioneller, im Ergebnis kommt aber doch nur Murx raus.

Axel Krumrey 24.01.2014 - 13:42:48

Etwas überrascht ...

... hat mich die Aussage von Herrn Hartwich, dass die Retter die einzige Opposition im Kreistag sind. Denn eigentlich höre ich von den Kolleg/innen so gut wie keinen Beitrag. Ab und zu blitzt etwas auf, wenn es um Windräder geht. In den zurückliegenden fünf Jahren war das aber eher selten der Fall. Der Kreistag muss sich nämlich mit vielen weiteren Fragen befassen. Da hilft der Wählerinitiative ihre Ein-Punkt-Programmatik überhaupt nichts. Ich würde sogar so weit gehen, dass eine Stimme für die vermeintlichen Retter eine verschenkte ist. Wo sind denn die Antworten auf Fragen des demografischen Wandels? Wo ist die Retter-Expertise bei der Kitafinanzierung, den wachsenden Sozialausgaben und der kommunalen Energiewende. Nicht einmal in letzterem hört man irgendetwas Konstruktives. Wie sähe denn die von den Rettern favorisierte Energiegewinnung und -versorgung aus? Viel Glück mit so wenig Inhalt!

hanswind 24.01.2014 - 13:16:36

Irrtum

Lange bevor die AFD auf den Plan kam, gabs schon die Piraten. Auch in SPD/Linke wird sich mit dem Thema befasst. Dummerweise sind die "UM-Block'er" dafür nicht zu begeistern, man denke an die Landratswahl...

Na Klar 24.01.2014 - 12:43:29

Nur ein Zauberwort:

Direkte Demokratie, diese ist zwar kein Allheilmittel konnte andernorts aber schon viel Unsinn verhindern. Und diese strebt eigentlich nur die AFD aktuell an, uhh da höre ich schon wieder das Gejammer über die vielen Nahzis ... Naja wer gibt schon gerne Macht ab, die üblichen Verdächtigen halt ...

s.Braun 24.01.2014 - 12:30:49

Nicht übern Tisch ziehen lassen

In unserem Ort sah sie Gemeindeverwaltung auch nur den "schnöden" Gewinn ! Was sie der Umwelt und damit unseren üppigen Spessartwäldern antun wurde - Nebensache. Unsere Bürger haben sich allerdings zusammen mit der CDU Fraktion und der Bürgerliste solange gegen diese rotgrünen Pläne gewehrt, bis diie Gemeindeverwaltung einer Bürgerbefragung zustimmen mußte. Das Ergebnis der Abstimmung, die am 24.09.13 im Linsengericht stattfand war eindeutig: 60% der Einwohner waren dagegen - bei einer sehr hohen Beteiligung. Man hatte uns vorher auch versucht Sand in die Augen zu streuen mit all den"Vorzügen" der Windkraft, die Nachteile haben aber überwogen: Starker Eingriff in die Tier und Pflanzenwelt, vor Allem für Vögel und Fledermäuse, Erosion des Waldbodens, wie wirken sich die riesigen Fundamente ( 400 Betonmischer/ Fundament) auf das Grundwasser aus, Infraschall und Schattenschlag sowie Eiswurf. Hinzu der nachweisliche Werteverfall der Imobilien, das wollten wir nicht hinnehmen. Außerdem, was ist "ökologisch" daran, wenn man ein intaktes Ökogebiet zerstört um "Ökostrom" zu erzeugen ? Wir haben uns erfolgreich gewehrt - und das kann ich jeder Gemeinde nur raten ! Viel Erfolg und Grüße aus Hessen !

hanswind 24.01.2014 - 10:02:46

den Damen und Herren

Ist es zumindest gelungen zahlreiche Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Leider hab ich nicht den Eindruck, das mit diesem Vertrauensvorschuss auch verantwortlich umgegangen wurde. Stattdessen wurde eine große Chance vertan. Und allen alteingesessenen und durchaus verunsicherten Politikexperten wurde ein riesen gefallen getan. Somit ist auch einem Teil der Windstromkritik die Substanz genommen worden, ohne das dies berechtigt wäre. Ein Bärendienst für die eigentlichen Ziele.

Dr. Gerlach 24.01.2014 - 08:52:27

"Das müssen wir jetzt ändern"

Lieber Herr Hartwich, im Kreistag, in den Ausschüssen, in der Regionalen Planungsgemeinschaft haben die Abgeordneten von "Rettet die Uckermark" das gleiche Rederecht wie alle anderen. Ihr Parteigründer sogar geredet, wenn er gar kein Rederecht hatte. Gerne hätten wir mit Ihrer Fraktion dort über Themen wie: "Warum stehen so viele Windräder in der Uckermark", oder die Steuergesetze, oder wer verhindert, dass der Windstrom auch abgeleitet und damit zur Senkung der EEG_Umlage genutzt werden kann, oder warum Sie einen Antrag in die Regionalversammlung einbringen, der von Frau Blahy stammt und in dem sie als Landesbedienstete mit Insiderwissen die Landesplanung angreift. In der Tat: Wir vermissen etwas.

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