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Beratungsstellen helfen Wanderarbeitern

Statt des Lohns gibt es oft nur Drohungen

Henning Kraudzun / 02.02.2014, 20:22 Uhr
Potsdam (MOZ) In Brandenburg gibt es immer mehr Fälle, bei denen Osteuropäer auf Baustellen oder in Landwirtschaftsbetrieben mit Armutslöhnen ausgebeutet und betrogen werden. Staatliche Kontrollen gibt es kaum.

Sie schufteten für eine Reinigungsfirma auf der Flughafenbaustelle in Schönefeld, doch am Ende warteten 17 Rumänen vergeblich auf ihren Lohn. Stattdessen hatten Mittelsmänner des Unternehmens von ihnen noch jeweils 130 Euro für eine behördliche Anmeldung kassiert. Untergebracht waren die Bauhelfer in überfüllten Zimmern.

Als Angehörige schließlich die Polizei und eine Berliner Beratungsstelle einschalteten, wurde der Fall öffentlich. Nach Medienberichten wurden die Männer bedroht. Man würde ihnen die "Füße einbetonieren und sie in den Fluss werfen", übermittelte ihnen ein Unbekannter. Für Doritt Komitowski, die sogenannte Wanderarbeiter aus dem Ausland berät, ist dieser Fall nur einer von vielen. Rund 1000 Menschen haben sich 2013 an die vom Berliner Senat geförderte Anlaufstelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gewandt, ein Drittel mehr als noch im Jahr zuvor. "Was den Leuten widerfährt, erinnert an moderne Sklaverei", sagt die gebürtige Bulgarin. "Sie werden gezielt eingeschüchtert." Auf der Großbaustelle war dies kein Einzelfall. So arbeiteten dort ungarische Monteure für eine Metallbaufirma, sechs Tage die Woche, täglich zwölf Stunden. Doch anstelle des Lohns erhielten sie 20 Euro "Taschengeld" für Lebensmittel, heißt es in einem aktuellen Bericht des DGB. Die Firma machte immer nur Versprechungen.

Nach den Erfahrungen von Komitowski begünstigen komplizierte Arbeitsmarktrichtlinien innerhalb der EU erst dubiose Vermittlungsagenturen. Arbeiter würden in Bulgarien oder Rumänien im Bekanntenkreis angeworben, in Polen angestellt und von dort aus nach Deutschland geschickt. "Ziel ist, die Lohnkosten auf ein Minimum zu drücken", so die 38-Jährige. Oft werden die hierzulande in vielen Branchen geltenden Mindestlöhne umgangen. Viele Osteuropäer müssen als Scheinselbstständige für wenige Euro pro Stunde arbeiten. Entsprechende Klagen hört Komitowski unter anderem von Wanderarbeitern, die Altglas in einem Recyclingbetrieb in Großbeeren sortieren. Ebenso wurden auch Fälle aus der Landwirtschaft bekannt, etwa die Probleme rumänischer Erntehelfer im Spreewald, die für Armutslöhne arbeiteten. Im Hotelgewerbe wurden ausländischen Reinigungskräften mitunter nur zwei Euro in der Stunde gezahlt. Vorwürfe, ausländische Arbeiter würden die Löhne drücken, findet die Beraterin verwerflich. "Sie hoffen auf reguläre Jobs, landen jedoch in einem betrügerischen System."

Auch Ruxandra Icubesco, die in Potsdam ein Beratungsbüro des DGB leitet, berichtet von vielfältigen Problemen in Brandenburg. Ausländische Arbeitskräfte würden bedroht, erpresst und ihre Ausweise von Vermittlungsagenturen einbehalten. Manche Unternehmer würden in das Betrugssystem eingeweiht. "Schockierend ist: Das sind gutbürgerliche Leute."

In diese Kategorie ist auch ein Brandenburger Hochschul-Professor einzuordnen, der von zwei gebürtigen Kolumbianern sein Haus bauen ließ. Der Lohn war schlecht, Sozialbeiträge wurden nicht abgeführt. Als es zu einem Arbeitsunfall kam, konnte einer der Männer nicht medizinisch behandelt werden. Die Beratungsstelle will jetzt den Wissenschaftler zu Nachzahlungen bewegen. Insgesamt konnte der DGB seit 2012 schon 500000 Euro ausstehender Löhne eintreiben.

Es gebe in Deutschland zu wenig staatliche Kontrollen, beklagt Komitowski. Das Hauptzollamt Frankfurt (Oder) verweist hingegen auf umfassende Überprüfungen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. 2245 Ermittlungsverfahren wurden 2012 abgeschlossen, rund eine Million Euro Bußgelder verhängt, so Sprecher Andreas Behnisch. Das Potsdamer Sozialministerium betont, es gebe im Land ein ausreichendes Beratungsangebot für Wanderarbeiter. Dieses Angebot werde finanziell unterstützt.

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Realist 04.02.2014 - 05:02:19

Luwigals Komentar

Sie fragen nach Beweisen. Sie können gern mal einen Blick auf meine Dienstpläne und Lohnzettel werfen. KEINE freien Wochenenden und Feiertage, kurze Wechsel, über 300 St im Monat, bei etwas über 4€/ Stunde. Zuschläge für Nacht- Sonn- und Feiertagsarbeit gibts schon lange nicht mehr. Und wenn wir was sagen, bekommen wir zu hören, dass wir gehen könnten, wenn es uns nicht passt. Das soll gerecht sein???

zweifel 03.02.2014 - 21:59:05

@berchen,

das ist nicht unser Präsident.

berchen 03.02.2014 - 13:14:48

BER Boykott

Waren das nicht die verbrecherischen Methoden, mit welchen wir empört und selbstherrlich als große Menschenrechtsexperten das putinsche Willkürsystem entlarvten? Sowas aber auch... Ich erwarte das sich unser kriegsbegeisterter Präsident in seinen gewohnt klaren Worten und Taten diesem Treiben entgegenstellt und nun auch den BER durch sein fernbleiben boykottiert. Oder besser noch eine "Friedenstruppe" auf die Flughafenbaustelle entsendet. Nein unsere Menschenrechte sind nicht nur in Afrika in Gefahr...

Na Klar 03.02.2014 - 12:27:36

Waren das nicht genau diese Arbeiten,

für die sich (nach Aussage von links Außen) der Deutsche zu Schade ist und man doch unbedingt Zuwanderung benötigt ?

P.M.S 03.02.2014 - 11:00:04

Danke an die wahren Worte von Luwigal!

http://www.moz.de/kommentare/mc/1243255/216/1/ Bravo werter LUWIGGAL, geben Sie es diesen Besserwissern. Die deutschen Arbeiter schwimmen nur so im Geld, fahren den Bestumfragewagen vom ADAC, treiben sich vorrangig in Spanien rum, haben Schwarzgeldkonten wie Schwarzer und 10.000 andere Deutsche Arbeitnehmer. Deutschland geht es noch nie so gut wie heute, und weil wir soviel Geld haben sichern wir jetzt den nächsten Schwung der Ostarbeiter aus der Ukraine in den Westen. Eine Minderheit hat auch die Revolution 1989 erfolgreich im sowjetbesetzten Osten bewerkstelligt. Also noch einmal vielen Dank für die aufklärenden Worte. Lt. offizieller Statistik haben wir jetzt 3,2Mio. deutsche Arbeitslose. Wir verkraften auch noch weitere 2,0 Mio. Am deutschen Arbeitslosenwesen wird die Welt genesen. P.M.S

LUWIGAL 03.02.2014 - 10:12:09

LUWIGAL

Haben sie dafür beweise? Nicht nur einfach hier was behaupten sowas mag ich gar nicht. Wenn hier jemand für Hungerlohn arbeitet ist es der Osteuropäer.

Realist 03.02.2014 - 04:42:12

Auch Deutsche arbeiten teilweise für Hungerlöhne

Nicht nur die Osteuropäer arbeiten für Hungerlöhne, sondern auch Deutsche. Besondern bei Reinigungs - und Sicherheitsfirmen werden Hungerlöhne gezahlt. Oftmals muß man seinem Geld regelrecht hinterher rennen. Anträge auf Lohnerhöhung werden sofern sie schriftlich erfolgen, zerrissen und / oder man bekommt zu hören, dass man ja ( noch) mehr Stunden machen könne, um etwas mehr Geld zu haben. Dabei ist man schon an der 300 Stunden Grenze pro monat angelangt. Privatleben = Fehlanzeige

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