Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Landespolizeiorchester spielte Operettengala

Lustvoll im Leisen

Peter Buske / 02.02.2014, 19:31 Uhr - Aktualisiert 03.02.2014, 00:40
Frankfurt (Oder) (MOZ) Bei Notrufen in odernahen Grenzregionen ist die Polizei hoffentlich schneller zur Stelle als bei der Dingfestmachung des neuen Jahres. Auf den Tag genau dauerte es einen Monat, bis das fast in Kompaniestärke agierende Landespolizeiorchester Brandenburg (LPO) am Sonnabend in Frankfurt auftauchte, um dem Publikum in der Konzerthalle den Fahndungserfolg lautstark zu verkünden. Vielleicht war der Weg hierher so verschlungen oder das Musikkorps war anderweitig in wichtigerem Einsatz. Wie auch immer: Nun endlich war der "Täter" als "Operetten-Neujahrsgala" enttarnt und ersuchte mit dem Bekenntnis "Dein ist mein ganzes Herz" das Publikum um mildernde Umstände. Sie wurden ihm gewährt.

Zu seiner Verteidigung hatte das neue Jahr die berühmtesten Komponisten des heiteren Genres wie Franz von Suppé, Franz Lehar, Robert Stolz oder Johann Strauß als glaubwürdige Zeugen aufgeboten. Allerdings konnten sie sich aufgrund der blasorchestralen Besetzung des vermittelnden LPO-Gremiums nur in mehr oder weniger gelungenen Arrangements äußern. Als quirliger Klangvermittler stellte sich Christian Köhler sowohl dirigierend als auch als flapsige und oberflächliche Plaudertasche moderierend zur Verfügung.

Sein sehr direktes Plädoyer begann mit der Ouvertüre zur Operette "Die schöne Galathée": lärmend im Lauten, lustvoll im Leisen. In diesen Extremlagen bewegten sich auch die Melodienmixe aus dem "Vetter aus Dingsda", der "Lustigen Witwe" und "Csárdásfürstin" sowie den Hits aus der Feder von Robert Stolz. Mit Schisslaweng, wie es sich für ein Blasorchester gehört, marschierte unter anderem die "Leichte Kavallerie" auf. Dass die Bläsertruppe noch nie den Strauß-Walzer "Künstlerleben" gespielt hat, merkte man ihrer behäbigen und uncharmanten Lesart leider an.

In den Zeugenstand wurde auch der genreerfahrene Tenor Reinhart Ginzel gerufen, der unter anderem behauptete, dass er gern die Frauen geküsst habe, um ihnen danach sein "ganzes Herz" zu schenken und "Im weißen Rössl" sich in mancherlei Gestalt aufhielt. Wie Reinhart Ginzel das alles mit lyrischem Timbre vortrug, erinnerte in den Anmutungen von Schmelz und Glanz mitunter an den hochbetagten Johannes Heesters - inklusive sicher servierter Spitzentöne.

Das Fazit der immer wieder heftig beklatschten Darbietungen aller Beteiligten: das neue Jahr wurde für seinen Daseinsrest freigesprochen. Und die Polizei? Wenn man sie ruft, dann ist sie da, wenn möglich nicht so spät im Jahr.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG